zur Navigation zum Inhalt
© diego cervo / iStock / Thinkstock
Immer wieder Infekte – häufig wird der Apotheker um Rat gefragt.
 
Immunologie 20. November 2015

Häufige Infekte vermeiden

Ernährungsmängel, die erhöhte Anfälligkeit fördern, lassen sich gezielt ausgleichen.

Reiht sich ein Infekt an den anderen, fragen Betroffene häufig, wie sie ihr Immunsystem stärken können. Aus der Vielzahl der angebotenen Präparate, hilft gute Beratung bei der richtigen Auswahl.

Damit das Immunsystem Krankheitserreger möglichst umfassend abwehren kann, muss der Organismus ausreichend mit Makro- und Mikronährstoffen versorgt sein. Im Idealfall geschieht dies durch eine ausgewogene, obst- und gemüse- sowie ballaststoffreiche Ernährung nach den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Dass die Praxis anders aussieht, zeigen zum Beispiel die Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II). Demnach unterschreiten 87,4 Prozent der Befragten die DGE-Empfehlungen für den Gemüseverzehr (400 g/d). 59 Prozent verzehren nicht die von der DGE empfohlene Obstmenge von 250 Gramm täglich. Weder Männer noch Frauen erreichen den Richtwert für die Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 Gramm pro Tag. Ein solches Ernährungsverhalten zieht nach sich, dass nicht alle benötigten Nährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Chronisch Kranke (z. B. Diabetiker, Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, Herz-Kreislauf-Patienten) haben zudem bedingt durch ihre Erkrankung und/oder durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten häufig per se einen erhöhten Bedarf an einzelnen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Hier ist eine Ergänzung der Nahrung durch Supplemente generell in Betracht zu ziehen, eventuell in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Mikronährstoffe & Co.

Ob als Bestandteil wichtiger Abwehrzellen des Immunsystems wie Granulozyten, Makrophagen und T-Zellen oder von antioxidativ wirkenden Schutzenzymen wie der Gluta-thionperoxidase – zahlreiche Mikronährstoffe sind unverzichtbar für ein funktionierendes körpereigenes Abwehrsystem. Hierzu zahlen unter anderem Vitamin A, C und D, Eisen, Selen und Zink. Intensiv geforscht bezüglich immunmodulierender Effekte wird derzeit auch im Bereich der sekundären Pflanzenstoffe.

Vitamin A

Damit Bakterien und Viren gar nicht erst in den Körper gelangen, ist eine intakte Haut- und Schleimhaut notwendig. Für das Wachstum der Hautzellen ist Vitamin A ein wesentlicher Baustein. Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass das Vi-tamin die Aktivität natürlicher Killerzellen steigert und an der Bildung von Antikörpern beteiligt ist.

Vitamin C

Ascorbinsäure (Vitamin C) besitzt antioxidative Eigenschaften und liegt zum Beispiel in hoher Konzen-tration in den Granulozyten vor. Nach wie vor umstritten ist, ob die vorbeugende Einnahme das Risiko, sich zu erkälten, senkt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass sich die Infektdauer durch die prophylaktische Einnahme verringern lässt. Von einer Monosubstitution wird heute eher abgeraten. Vielmehr bietet sich eine komplexe Lösung an, die auch Zink und Vitamin D sowie gegebenenfalls weitere Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe berücksichtigt.

Vitamin D

Stark in den Fokus ist seit einigen Jahren Vitamin D gerückt, vor allem die in Lebensmitteln tierischer Herkunft vorkommende Form Cholecalciferol (Vitamin D3). In Bezug auf das Immunsystem haben Forscher inzwischen herausgefunden, dass das Vitamin an der Aktivierung von T-Zellen beteiligt ist. Fehlt es, bleiben diese inaktiv und sind nicht in der Lage, eindringende Bakterien oder Viren gezielt zu bekämpfen. Vitamin D kann zwar in der Haut aus 7-Dehydrocholesterol gebildet werden. Die Daten der NVS II zeigen jedoch große Defizite in weiten Teilen der Bevölkerung. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die Effektivität der Eigensynthese von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Hierzu zählen die richtige UV-Wellenlänge sowie eine ausreichende UV-Dosis. Der Einsatz von Sonnenschutzpräparaten mit hohem Lichtschutzfaktor hemmt zudem die Eigensynthese. Daher empfiehlt die DGE eine Supplementierung, wenn eine ausreichende Vitamin-D-Produktion nicht durch Sonnenexposition sichergestellt werden kann.

Eisen, Selen, Zink

Von den Mineralstoffen haben Eisen, Selen und Zink die größte Bedeutung für das Immunsystem. Ein Eisenmangel mindert beispielsweise die Aktivität von Makrophagen, senkt die Zahl an B- und T-Lymphozyten und verringert die Bildung von Antikörpern. Die immunstimulierende Wirkung von Selen ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass es Co-Faktor des Enzyms Glutathionperoxidase ist. Diese fängt im Körper aggressive Peroxide ab, die das Immunsystem schädigen. In Untersuchungen wurde bei Selenmangel zudem eine verringerte Aktivität der Natürlichen Killerzellen festgestellt, dagegen steigerte sich aber die Bildung von Antikörpern.

Ein Zinkmangel kann ebenfalls eine Ursache für eine erhöhte Infektanfälligkeit sein. Denn ein solcher schränkt die Funktion der Makrophagen ein, verringert die Lymphozytenzahl und vermindert die zellulare Immunantwort.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Pflanzen besitzen keine adaptive (erworbene) Immunantwort, also auch keine T-Zellen oder Antikörper. Sie schützen sich mit der Bildung von verschiedenen Substanzen vor dem Eindringen von Schädlingen. Diese sekundären Pflanzenstoffe werden derzeit intensiv erforscht. Für viele von ihnen (z. B. Flavonoide, Beta-Glucane, Carotinoide) konnten inzwischen immunmodulierende Effekte nachgewiesen werden.

Beratungsalltag

Eine suboptimale Mikronährstoffversorgung ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Oftmals treten unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder auch erhöhte Infektanfälligkeit auf. Hier sollten Sie hellhörig werden. Im Beratungsgespräch sollte daher zunächst einmal ausgelotet werden, wie sich der Kunde ernährt und welche Medikamente er einnimmt, welche Krankheiten er hat. Möglicherweise liegen sogar Werte einer Blutuntersuchung vor, die auf einen Mangel eines bestimmten Nährstoffs hinweisen. Da-rauf aufbauend, kann ein auf seine Situation zugeschnittenes Mono- oder auch Kombipräparat zur Nahrungsergänzung empfohlen werden.

Springer Medizin

Fünf wichtige Fragen für das Beratungsgespräch

• Wie ernähren Sie sich?

• Nehmen Sie dauerhaft Medikamente ein?

• Sind Sie chronisch krank?

• Wie häufig sind Sie erkältet?

• Liegen Werte von Blutuntersuchungen vor?

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben