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Immunologie 22. April 2014

Allergologische Perlen

Von Wasserschäden, Tauchgängen und den Nachteilen eigener Beerengärten: aus Kasuistiken lernen.

Es gibt nichts, was es nicht gibt: Diesen Eindruck konnte man zumindest bei der Präsentation allergologischer Kasuistiken am 55. Kongress der DGP gewinnen, und gleichzeitig einiges Wissenswerte mit nach Hause nehmen, etwa die korrekte Sanierung von Schimmelpilzbefall.

Bei der Sanierung Pilzsporen verteilt

Zunächst schien alles noch überschaubar: Bei einem 14-jährigen Mädchen mit gut kompensiertem Asthma unter Medikation und laufender Desensibilisierung gegen Frühblüher verschlechtert sich die Lungenfunktion außerhalb der Saison deutlich. Ein Infekt kann als Ursache ausgeschlossen werden. Nach einer deutlichen Besserung der Beschwerden im Urlaub und erneuter Verschlimmerung nach Rückkehr wird im Wohnhaus des Mädchens nachgeforscht und im Keller ein umfangreicher Wasserschaden mit erheblicher Schimmelpilzbildung festgestellt. Damit war die Noxe gefunden. Jetzt ging es „nur noch“ darum, sie zu entfernen. Als grober Fehler erwies sich allerdings die Trocknung mittels eines Trocknungsgebläses, die von der für die Sanierung beauftragten Firma durchgeführt wurde. Denn dadurch wurden die Sporen im gesamten Wohninnenraum verteilt. Das Mädchen reagierte darauf mit einer heftigen Obstruktion der Atemwege. „Die Wärmelufttrocknung musste abgebrochen werden“, so Kinderarzt Dr. Hans-Ulrich Umpfenbach, Viersen. Mit dem Sanierungsbeginn, so betonte er, ist das Problem also noch lange nicht gelöst. Denn sie muss sachgerecht durchgeführt werden. Erforderlich ist ein physikalischer Austrag des Schimmels, eine Oberflächenabsaugung samt Scheuerwischdesinfektion, eventuell auch die Entfernung von Putz und Estrich und schließlich eine geschlossene Absaug-Trocknung mit Entlüftung außerhalb des Hauses samt Schleuseneingang. Und das über mindestens drei bis vier Wochen.

Katzennest in der Tauchbasis

Ein junger Mann mit gut kontrolliertem Asthma und einer Allergie auf Gräser, Milben und Katzenhaare, aber mit erfolgreicher Hyposensibilisierung gegen Milbe und Gräser, taucht seit sechs Jahren regelmäßig und ohne jedes Problem. Der PEF-Wert liegt stabil im grünen Bereich. Im vergangenen Urlaub in Kroatien leiht er sich eine Tauchausrüstung aus, um am Hausriff einer ihm bislang unbekannten Tauchbasis einen ersten Tauchgang zu unternehmen – mit weitreichenden Konsequenzen, trotz normalem Peak Flow vor dem Tauchgang: Zwei Minuten nach dem Eintauchen ins Wasser entwickelt er einen schweren Asthmaanfall. Nach verzögerter Inhalation von Salbutamol, das er in seinem Zimmer gelassen hatte, kommt es zu einer raschen Besserung. Ein Auslöser war auf den ersten Blick nicht erkennbar, verschiedene Allergenquellen wurden in Erwägung gezogen. Aber erst die genaue Inspektion der Tauchbasis brachte Licht ins Dunkel: Denn direkt unter dem Platz für die Atemwegsregler hatten Katzen ihren Nachwuchs in einem Korb untergebracht. Die weiteren Tauchgänge nach gründlichem Spülen des Reglers verliefen problemlos. Zwei Konsequenzen zog Norbert Mülleneisen vom Asthma- und Allergiezentrum Leverkusen: „Auch wenn Sie’s eigentlich wissen, gehen Sie nochmal auf Los“. Und: Das Spray sollte beim Tauchen immer griffbereit am Strand oder auf dem Schiff sein.

Allergisch auf Beerenwanze

Der Genuss einer Beerenmahlzeit mit Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren und Stachelbeeren aus dem eigenen Garten löste bei einer Frau allergische Beschwerden im Mundraum aus. Bis dahin war die allergologische Anamnese völlig blande. Die langwierige, aber engagierte Suche von Dr. Hanno Mildner, Pneumologe in Euskirchen, nach dem Allergen konnte die Übeltäter letztlich identifizieren: Nämlich die Beerenwanze, genauer gesagt deren Verdauungssäfte, auf die die Patientin im Prick-Test eine positive Reaktion zeigte. Die Frage, wie sich diese Wanzen künftig vom Beerengarten abhalten lassen, musste allerdings offen bleiben.

Quelle: Kasuistikkonferenz: Allergologische und immunologische Perlen für Experten, 27.3.2014, 55. Kongress der DGP und 36. Jahrestagung der GPP, Bremen

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2014

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