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© Thomas Eichmann
Mikroskopisch kleine Fetttröpfchen unter der Lupe: Was treiben sie in den Sternzellen der Leber?
 
Hepatologie 12. Oktober 2015

Sternstunde an der Grazer Uni

Wissenschaftler fanden Hinweise, wie eine Fettleber die Leberfibrose anstößt.

An der Uni Graz wurden erstmals die Fettzusammensetzung und die Proteine von Sternzellen entschlüsselt.

Warum Sternzellen bei schweren Lebererkrankungen eine wichtige Rolle spielen, scheint mittlerweile klar zu sein: Bleibt beispielsweise eine Fettleber unbehandelt, so kann es zu einer Aktivierung dieses Zelltyps kommen. Dadurch transformieren Sternzellen zu muskelähnlichen Zellen und verändern ihre Eigenschaften. Diese Aktivierung wird als Schlüsselereignis der Entwicklung von der Fettleber zur Leberfibrose und schließlich zum Leberkrebs betrachtet. Einem Forscherteam der Karl-Franzens-Universität Graz ist es nun erstmals gelungen, die exakte Fettzusammensetzung sowie die Identität spezieller Proteine von Sternzellen zu entschlüsseln. Ihre Arbeit, die in der aktuellen Ausgabe des Journal of Lipid Research publiziert wurde, leistet einen grundlegenden Beitrag zum Verständnis der Physiologie von Sternzellen. „Wäre es möglich, ihre Aktivierung zu verhindern, könnte das einen positiven Einfluss auf die Entwicklung schwerer Leberkrankheiten haben“, so Assoz. Prof. Dr. Achim Lass, Leiter der Arbeitsgruppe dieser Studie am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz.

Lipidom und Proteom

Eines der Hauptmerkmale der Aktivierung von Sternzellen ist der rasche Abbau zellulärer, mikroskopisch kleiner Fetttröpfchen. Um jedes dieser Tröpfchen legt sich eine Hülle aus einer Vielzahl verschiedener Proteine, wobei manche davon für den Auf-, andere für den Abbau verantwortlich sind. „Kommt es schließlich nun zu einer Aktivierung der Sternzellen, so werden jene Proteine aktiviert, die den Abbau der Tröpfchen rasch vorantreiben“, erklärt Lass.

„Durch den Einsatz einer sogenannten unsterblichen Zelllinie konnten wir beliebig viele Sternzellen in unserem Labor züchten“, berichten Lukas Grumet, MSc und Dr. Thomas Eichmann, die Erstautoren der aktuellen Publikation. Durch verschiedene Kooperationen im Zuge der universitätsübergreifenden Forschungsinitiative BioTechMed-Graz gelang es den Wissenschaftlern letztendlich, das Lipidom – die genaue Fettzusammensetzung – sowie das Proteom – die Identität aller Proteine – der Fetttröpfchen aus gezüchteten Sternzellen zu charakterisieren.

„Bei dem Proteom handelt es sich um eine molekularbiologische Namensliste der Proteine“, sagt Lass. „Jetzt versuchen wir, mehr über die gefundenen Proteine in Erfahrung zu bringen, um den zellbiologischen Ablauf der Leberfibrosen besser zu verstehen.“

Originalpublikation: Lass et al. Adipose triglyceride lipase and comparative gene identification-58 are lipid droplet proteins of the hepatic stellate cell-line HSC-T6. The Journal of Lipid Research. DOI: 10.1194/jlr.M062372

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