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Gastroenterologie 19. Oktober 2015

Helicobacter pylori: Jede Infektion behandeln!

Aber: Tripletherapie versagt immer wieder

Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann zu lebensbedrohlichen Krankheiten wie Magenkrebs und Geschwüren führen. Obwohl sie meist harmlos bleibt, und es sogar Hinweise auf nützliche Effekte gibt, sollte ein Befall mit dem Bakterium in jedem Fall therapiert werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

H. pylori kann sich trotz Magensäure im Magen des Menschen einnisten, was lange Zeit als unmöglich galt. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung ist mit dem Bakterium besiedelt, in Ländern mit hohem Lebensstandard beträgt der Anteil etwa ein Drittel. Zu den möglichen Folgeerkrankungen zählen Magenschleimhautentzündungen, Geschwüre im Magen oder im Zwölffingerdarm, Tumore im Lymphgewebe und Magenkrebs. Allerdings bleibt die Infektion in den meisten Fällen symptomfrei, nur bei etwa einem Fünftel der Betroffenen führt sie zu einer Erkrankung.

„Jede Infektion sollte therapiert werden“, so Prof. Joachim Labenz, Chefarzt am Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen. Obwohl es Hinweise darauf gebe, dass das Bakterium vor bestimmten Erkrankungen schütze. Fettleibigkeit, Sodbrennen und Speiseröhrenkrebs haben in Ländern mit abnehmender Helicobacter-Durchseuchung zugenommen. Ein direkter Zusammenhang sei aber bisher nicht erwiesen, so Labenz. Eine zuverlässige Unterscheidung von einer möglicherweise harmlosen von einer riskanten Infektion fehlt derzeit. „Nach kritischer Abwägung aller bisherigen Erkenntnisse, scheint das Risiko einer Infektion weit größer als deren Nutzen zu sein“, sagt Labenz.

Die bisher bevorzugte Behandlung einer Helicobacter-Infektion als Triple-Therapie aus einem Magensäurehemmer, dem Antibiotikum Clarithromycin sowie einem der beiden Antibiotika Amoxicillin oder Metronidazol, versagt häufiger als bisher angenommen. Daher werden heute in vielen Situationen Vierfachtherapien bevorzugt. „In mehr als 90 Prozent der Fälle kann der Keim so eliminiert werden“, so Labenz.

Quelle: Presseaussendung DGVS

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