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Gastroenterologie 20. April 2015

Lob der Langsamkeit

Endoskopiker mit einer Untersuchungszeit von über sieben Minuten erkennen bei der Ösophago-Gastro-Duodenoskopie signifikant häufiger Magenläsionen mit hohem Risiko als ihre schnelleren Kollegen.

Im Vorlauf der Studie wurden die gastroenterologischen Fachärzte des Universitätsklinikums Singapur mittels Zeitmessung für eine normale Untersuchung abzüglich der Zeit für Biopsien in eine Gruppe von langsamen und schnellen Endoskopikern eingeteilt. Während einer Dreimonatsperiode des Jahres 2010 wertete man die histologischen Daten von 837 symptomatischen Patienten, die sich erstmals im Universitätsklinikum einer ÖGD unterzogen hatten, aus und korrelierte sie mit der jeweiligen Endoskopiker-Gruppe (Teh et al.: Clin Gastroenterol Hepatol 2015; 13).

Die Ergebnisse: Bei 224 ÖGD mit normalem Ergebnis betrug die mittlere Untersuchungszeit 6,6 Minuten (Bereich 2–32 Minuten). Wählte man einen Cut-off bei sieben Minuten, so lagen acht Endoskopiker mit einer durchschnittlichen Untersuchungszeit von 5,5 ± 2,1 Minuten unter diesem Wert (die „schnellen“ Endoskopiker), acht weitere mit einem Wert von 8,6 ± 4,2 Minuten darüber (die „langsamen“ Endoskopiker).

Unter 837 symptomatischen Patienten wurden bei 86 maligne und prämaligne Befunde festgestellt. Elf davon waren Karzinome, 81 Läsionen wurden als prämaligne eingestuft. Von den prämalignen Veränderungen erwiesen sich 1,3 Prozent als Karzinom, ein Prozent als Dysplasie und 8,7 Prozent als intestinale Metaplasie und/oder gastrale Atrophie.

Die langsamen Endoskopiker entdeckten Läsionen mit hohem Risiko doppelt so häufig wie ihre schnellen Kollegen. Dieser Unterschied blieb auch bestehen, wenn man die unterschiedliche Erfahrung mit einberechnete. Bei den Neoplasien war der Unterschied noch größer. Sie wurden von den langsamen Endoskopiker sogar dreimal häufiger gefunden als von ihren schnelleren Kollegen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2015

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