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Rotaviren sind häufige Erreger von Brechdurchfällen.
 
Gastroenterologie 15. Dezember 2014

Angriff auf die Darmflora

Diarrhoen als häufigste Antibiotikanebenwirkung

Die gewünschte Wirkung des Antibiotikums, die pathogenen Bakterien bei schweren Erkrankungen zu vernichten, hat als unerwünschte Wirkung auch einen massiven Angriff auf die physiologische Bakterienbesiedelung des Darms zur Folge. Das aus dem Gleichgewicht gebrachte komplexe System der Darmflora äußert sich häufig in Durchfällen. Diarrhoen zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotika. Eine entsprechende Aufklärung und sinnvolle und rechtzeitige Gegenmaßnahmen können schwere Belastungen des Betroffenen verhindern.

Grundsätzlich, so Prof. Dr. Ahmed Madisch vom Klinikum Siloah, Medizinische Klinik I, Hannover, können alle Antibiotika eine Diarrhoe verursachen, „dieses gilt jedoch insbesondere für Aminopenicilline, Clindamycin, Cephalosporine, Chinolone und Makrolide. Die Antibiotika-assoziierte Diarrhoe, speziell die Clostridium-difficile-assoziierten Erkrankungen (CDAD), stellen ein zunehmendes Problem im klinischen Alltag dar.“

Verschiedene Ursachen müssen abgeklärt werden

Drei verschiedene Mechanismen der Antibiotika können für die Durchfallerkrankung verantwortlich sein, wobei es einerseits die direkt toxische/allergische Wirkung auf die Darmflora oder der pharmakologische Einfluss auf die Darmmotilität, ebenso sein kann, wie die Störung der normalen intestinalen Darmflora und damit des Kohlenhydrat- und Gallensäuren-Metabolismus oder die dadurch ausgelöste Störung der Darmflora mit sekundärer Überwucherung pathogener Keime. Die durch Antibiotika induzierte Diarrhoen können in sehr unterschiedlicher Schwere auftreten.

„Das Spektrum der AAD reicht von der unkomplizierten Diarrhoe, die meist nach Absetzen der Antibiotika spontan sistiert, bis hin zur Kolitis mit und ohne Nachweis von Clostridium difficile sowie der pseudomembranösen Kolitis, bei der in 95 ProzentClostridium difficile nachweisbar ist“, erklärt Madisch. Um die schweren Verläufe möglichst früh gezielt behandeln zu können und die unkomplizierten Fälle nicht überzutherapieren, ist eine diagnostische Abgrenzung wesentlich. Der Anamnese der aktuell oder in den letzten Wochen oder Monaten eingenommenen Antibiotika kommt bei der Abklärung chronischer Durchfälle daher große Bedeutung zu.

Milde Symptomatik gut zu behandeln

Bei milder Symptomatik ist häufig das Absetzen der Antibiotika ausreichend. Bei Diarrhoe als Folge und Ausdruck einer veränderten Darmflora oder der motilitätsfördernden Wirkung der Antibiotika, kann, so Madisch, unterstützend ein Probiotikum sinnvoll sein. Sehr lange anhaltende und massive Verläufe müssen freilich ärztlich abgeklärt werden.

Quelle: MMW Fortschr. Med. Nr.12 / 2013 (155. Jg.)

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