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Gastroenterologie 17. Oktober 2014

Darmbewohner

Die Vielfältige Wirksamkeit der Darm-Mikrobiota

Lange war die Darm-Mikrobiota (Darmflora) ein Stiefkind der Forscher. Seit einigen Jahren wächst das Interesse an ihr. Studien zeigen: Sie hat einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Der Magen-Darm-Trakt beherbergt ein großes und vielfältiges Ökosystem, das durchaus als ein „neues Organ“ angesehen werden könne, berichtete Prof. Francisco Guarner, Hospital General Vall d’Hebron in Barcelona auf dem „Gut Microbiota for Health“-Weltgipfel 2014. Im Darm eines gesunden Menschen werden potenziell schädliche mikrobielle Arten von nützlichen Arten unter Kontrolle gehalten. Das Wechselspiel der gesamten intestinalen Mikrobiota (früher: Darmflora) ist für die Gesundheit wichtig.

Gerät das ausgeklügelte System jedoch aus dem Lot, sind gesundheitliche Probleme vorprogrammiert. Betroffen ist dann nicht nur die Verdauungsleistung; auch andere Bereiche wie das Immunsystem können in Mitleidenschaft gezogen werden.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass eine gestörte Darm-Mikrobiota in Verbindung steht mit der Entwicklung einer Reihe von Krankheiten, darunter funktionelle und chronisch entzündliche Darmerkrankungen, immunologisch beeinflusste Störungen wie Zöliakie und bestimmte Allergien. Aber auch Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes sowie möglicherweise Störungen wie Autismus und Depressionen könnten mit einem mikrobiellen Ungleichgewicht verknüpft sein, so die Experten.

Probiotika

Für den Erhalt einer gesunden Darm-Mikrobiota ist die Ernährung von großer Bedeutung. „Indem wir essen und verdauen, füttern wir buchstäblich unsere Darmbewohner und beeinflussen dadurch ihre Vielfalt und Zusammensetzung“, erklärte Guarner. Neben einer gemüse-, salat- und obstreichen Ernährung hätten sich fermentierte Milchprodukte als positiv für eine gesunde Verdauung sowie eine gute Gesundheit erwiesen. Warum das so ist, zeichnet sich mit zunehmendem Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen immer deutlicher ab, so Guarner. Einige Probiotika verhindern das Eindringen krankheitsverursachender Mikroorganismen, indem sie die Funktion der Darmbarriere verbessern. Ebenfalls nachgewiesen wurde ein stimulierender Effekt auf das Immunsystem.

Immungeschwächte Personen, die für bakterielle Infektionen anfällig sind, profitieren möglicherweise davon, wenn probiotische Bakterien durch probiotische Derivate ersetzt werden, erklärte Prof. Brent Polk von der Universität Südkalifornien. Seine Forschergruppe identifizierte ein von Lactobacillus rhamnosus abgeleitetes lösliches Protein, welches im Tiermodell an der Maus getestet wurde. Dieses p40 genannte Protein aktiviert in den Epithelzellen des Darms bestimmte Rezeptoren und schützt so vor Entzündungen.

In jungen Jahren. Polk berichtete darüber hinaus über Präventionsstudien. In diesen sei gezeigt worden, dass Lactobacillus rhamnosus bei Kindern mit einer gestörten Darm-Mikrobiota (z. B. durch Antibiotikaeinnahme, Flaschennahrung statt Stillen, Geburt per Kaiserschnitt) krankheitsvorbeugend wirkt.

Reizdarmsyndrom

Lange Zeit gingen Experten davon aus, dass das Reizdarmsyndrom vor allem psychischer Natur sei. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass bei den Betroffenen das System, welches das Verhältnis zwischen nützlichen und potenziell schädlichen Bakterien im Darm kontrolliert und ausbalanciert, gestört ist, erläuterte Prof. Giovanni Barbara von der Universität Bologna. Jeder Zehnte, der erstmalig eine entzündliche, durch Salmonella, Shigella oder Campylobacter ausgelöste Darmerkrankung durchlaufen hat, entwickelt, so Barbara, Reizdarmsymptome.

Aber auch als Gegenmittel eingesetzte Antibiotika können die Darm-Mikrobiota negativ verändern und so unter Umständen das Reizdarmrisiko erhöhen.

Einfluss der Ernährung

Neue Untersuchungen zeigen, dass blähungsfördernde Lebensmittel wie Müsli, Bohnen, Sojabohnen, Erbsen oder Feigen die Mikrobiota von Reizdarmpatienten tiefgreifend verändern, die Beschwerden verstärken und deren Dauer verlängern. Geklärt scheint, dass ballaststoffarme Lebensmittel die Symptome bei den Betroffenen deutlich verbessern.

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