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© frentusha / iStock
 
Gastroenterologie 28. April 2014

Probiotika & Immunsystem

Ist die Darmflora im Gleichgewicht, können Körper und Geist optimal arbeiten

Wird durch ungesunde Ernährung Vielfalt und Zusammensetzung der Magen-Darm-Flora gestört, können entzündliche Darmerkrankungen oder immunologische Erkrankungen wie Zöliakie und Allergien die Folge sein. Auch Typ-2-Diabetes, Autismus und Depression lassen sich mit einer Dysbalance erklären. Der Gut Microbiota For Health-Weltgipfel in Miami, Florida, beschäftigte sich kürzlich mit neuen Erkenntnissen rund um Funktion, Beeinflussung und Wiederherstellung der gesunden Darmflora. Am 29. Mai findet der Welt-Verdauungsgesundheitstag statt.

Der Darm als eigenständiges Organ und seine Rolle für das Wohlbefinden und die physische wie psychische Gesundheit steht seit einigen Jahren im Mittelpunkt des Interesses. Er spielt mit seiner vielfältigen Besiedelung mit Mikroorganismen eine Schlüsselrolle in der Verdauung, im Stoffwechsel und den Immunfunktionen. Das Gleichgewicht der Mikroorganismen ermöglicht dem Körper, die für die Gesundheit erforderlichen Mechanismen und Abläufe aufrecht zu erhalten. Eine Störung des Gleichgewichts, wie beispielsweise durch Antibiotika, kann zu schwerwiegenden Gesundheitsstörungen führen. So gibt es derzeit Überlegungen, dass dies eine der Ursachen für den dramatischen Anstieg von weit verbreiteten chronischen Krankheiten wie Adipositas, Typ 1-Diabetes, entzündliche Darmerkrankungen, Allergien und Asthma sein könnte.

„Wir sind gerade erst am Beginn, die Rolle der Darmflora für das normale Wachstum und die Entwicklung zu verstehen“, stellte Dr. Laura Cox, New York University, fest. Eine der Vermutungen: Eine Veränderung der Darmflora durch häufige Antibiotika-Exposition kann zur Gewichtszunahme führen. Dabei reicht bereits die mancherorts immer noch praktizierte Beimengung geringer Antibiotikadosen in der Viehzucht. Diesbezügliche Untersuchungen sollen Aufschluss geben, welche Mikroorganismen der Darmflora Adipositas fördern und welche davor schützen können.

Ungünstig für die Darmflora ist tierisches Fett, günstig sind fermentierte Milchprodukte mit Probiotika. Sie stehen durch Moleküle mit dem Wirtsorganismus in Wechselwirkung und halten so Krankheitserreger in Schach. Indem sie die Darmbarriere verbessern, bremsen sie das Eindringen von Krankheitskeimen. Probiotika stimulieren Immunmechanismen im Darm, regulieren Darmbewegungen und hemmen Entzündungen auch über den Darm hinaus.

Untersuchungen belegen, dass Probiotika bei Kindern mit Magen-Darm-Entzündung, Kolik, Ekzemen, Durchfall und nekrotisierender Enterokolitis gesundheitsfördernd wirken. Lactobacillus rhamnosus unterstützt die Krankheitsvorbeugung bei Kindern, bei denen die Vielfalt der Darmflora reduziert ist, weil sie nicht gestillt werden, Antibiotika erhielten oder per Kaiserschnitt zur Welt kamen.

Darmgesundheit und Wohlbefinden

Der Darm und die Darmgesundheit standen auch beim diesjährigen Kongress des Verbandes der Diaetologen Österreichs Ende März zur Diskussion. Beschwerden des Verdauungstrakts zählen zu den häufigsten Beeinträchtigungen des Wohlbefindens überhaupt und die Darmgesundheit nimmt einen wesentlichen Anteil an der Gesundheit insgesamt ein, so das Leitthema.

„Im Darm findet sich das größte Reservoir von Immunzellen des Körpers, die ein eigenes Immunsystem darstellen“, stellt Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg fest: „Ebenso findet sich im Darm die größte Ansammlung von Nervenzellen neben dem Gehirn und Rückenmark und auch diese bilden ein eigenes Nervensystem.“ Daraus ergeben sich vielfältige Einflüsse auf den gesamten Organismus. Die Barrierefunktion der Darmschleimhaut, die durch ihre große Fläche die größte Kontaktfläche des Körpers zur „Außenwelt“ darstellt, schützt den Organismus, stellt bei Störungen aber auch die Ursache für vielfältige Fehlfunktionen dar. „Darmgesundheit bedeutet daher“, so Tilg, „dass viele verschiedene Funktionen optimal ablaufen. Dazu gehören Verdauung und Stoffwechsel, Immunabwehr und Immuntoleranz, aber auch Funktionen, bei denen man nicht in erster Linie an den Verdauungstrakt denkt. Eine Vielzahl von Signalen aus dieser Region beeinflusst das Nervensystem und das Herz-Kreislauf-System.“

Je nach Art der Ernährung ändert sich die Zusammensetzung der Darmflora, deren Funktion noch nicht vollständig aufgeklärt ist. Die ausgewogene Versorgung mit Nährstoffen ist jedenfalls essentiell.

Informationen: www.worldgastroenterology.org , www.gutmicrobiotaforhealth.com

Quelle: springermedizin.de/Presseaussendung Verband der Diaetologen Österreichs, Apotheker Plus 4/2014

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