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Endokrinologie 14. November 2014

Purinarm bei Gicht

Ernährung in Prävention und Behandlung

Gicht ist eine Stoffwechselstörung, die durch Über- und Fehlernährung begünstigt wird. Dementsprechend spielt die Ernährung sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung eine wesentliche Rolle.

Vorbote der Gicht (Arthritis urica) ist die Hyperurikämie, ein Zuviel an Harnsäure im Blut. Das kann verschiedene Gründe haben, zum Beispiel eine andere Erkrankung, die die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren behindert oder eine zu hohe Zufuhr an Purinen über Lebensmittel. Denn Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Unbehandelt können sich im Verlauf Harnsäurekristalle in den Gelenken, an Sehnen und Schleimbeuteln sowie an den Nieren ablagern. Das verursacht Entzündungen, starke Schmerzen und letztendlich Deformierungen. Die Gicht manifestiert sich. Als Therapie stehen harnsäuresenkende Medikamente zur Verfügung. In vielen Fällen reichen bereits eine Reduktion des Körpergewichts sowie eine purinarme Kost, um die Harnsäurewerte zu normalisieren oder zumindest die Dosierung der Arzneimittel zu verringern.

Diätempfehlungen

Die eingeschränkte Purinzufuhr steht an erster Stelle der Empfehlungen für Gichtpatienten. Unterschieden wird zwischen „streng purinarmer Kost“ mit maximal 100 mg Purinen pro Tag. Dies führt zur Bildung von 300 mg Harnsäure. Bei „purinarmer Kost“ dürfen täglich 170 mg Purine aufgenommen werden, beispielsweise enthalten in etwa 100 bis 150 g Fleisch, Fisch oder Wurst. So wird der Körper mit maximal 500 mg Harnsäure belastet. Insgesamt sollte die durchschnittlich für eine Woche erlaubte Purinaufnahme konstant bleiben.

Als Proteinlieferanten bieten sich fettarme Milch und Milchprodukte sowie Eier an. Sie sind purinfrei bzw. -arm und begünstigen die Harnsäureausscheidung über die Nieren. Wegen des recht hohen Puringehalts sollten Hülsenfrüchte (z. B. Erbsen, weiße Bohnen, Linsen) sowie Spinat gemieden werden. Eine hohe Fettzufuhr führt ähnlich wie Fasten zur vermehrten Bildung von Ketonkörpern. Diese hemmen die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren. Daher sollte die tägliche Fettaufnahme nicht über 70 Gramm liegen, auf Fastenkuren sollten Betroffene verzichten.

Alkohol hemmt die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren, gleichzeitig steigert er die endogene Bildung in der Leber. Bier liefert zusätzlich noch Purine – unabhängig davon, ob es alkoholfrei ist oder nicht. Gefördert wird die Harnsäureausscheidung durch ausreichendes Trinken ungesüßter Getränke, mindestens zwei Liter pro Tag. Auf Kaffee, Tee und Kakao muss trotz enthaltener Purine nicht verzichtet werden. Diese Form der Purine wird im Körper nicht zu Harnsäure verstoffwechselt.

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Ernährung bei Hyperurikämie und Gicht

Die Feststellung, dass die Harnsäurewerte im Blut zu hoch sind oder ein bereits erlebter akuter Gichtanfall sind ein guter Anlass, dem Kunden mit Ernährungstipps eine Möglichkeit an die Hand zu geben, die Werte zu senken und die Krankheit in den Griff zu bekommen. Wichtig ist der Hinweis, dass die Ernährungstipps konsequent und langfristig umgesetzt werden müssen.

Grundlagen

• Basis ist eine ausgewogene, energieangepasste, purinarme Mischkost. Die in vielen Lebensmitteln enthaltenen Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut.

• Weist der Betroffene Übergewicht auf, sollte er versuchen, abzunehmen (BMI < 25 kg/m2). Das senkt die Harnsäurewerte.

• Fasten hemmt die Harnsäureausscheidung. Daher sollte auf Fastenkuren verzichtet werden.

• Darauf achten, nicht zu fettreich zu essen. Beim Fettabbau entstehende Abbauprodukte hemmen die Harnsäureausscheidung.

• Viel trinken, mindestens zwei Liter pro Tag (z. B. Mineralwasser, ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee). Das fördert die Harnsäureausscheidung.

Purinarm essen

• Möglichst ganz auf stark purinhaltige tierische Lebensmittel (z. B. Innereien, Krustentiere, Sardinen, Heringe, Haut von Geflügel) verzichten

• Im Rahmen einer „streng purin-armen Kost“ darf ein- bis zweimal pro Woche eine Fleisch-, Wurst- oder Fischmahlzeit von je 100 g verzehrt werden.

• Im Rahmen einer „purinarmen Kost“ dürfen täglich etwa 100 bis 150 g Fleisch, Fisch oder Wurst verzehrt werden.

• Eier, fettarme Milch und Milchprodukte (z. B. Käse, Joghurt, Quark, Buttermilch) sind praktisch purinfrei. Sie fördern gleichzeitig die Harnsäureausscheidung über die Nieren.

• Obst und Gemüse können im Prinzip reichlich verzehrt werden.

• Zu vermeiden sind zum Beispiel purinreiche pflanzliche Lebensmittel wie Kohl, Linsen, Erbsen, weiße Bohnen, Spinat.

Getränkeauswahl

• Auf Kaffee, Tee und Kakao muss nicht verzichtet werden. Die enthaltenen Purine werden nicht zu Harnsäure abgebaut.

• Bei alkoholhaltigen Getränken ist Zurückhaltung angesagt. Alkohol behindert die Harnsäureausscheidung und steigert deren Bildung in der Leber.

• Auf Bier sollte verzichtet werden, egal, ob alkoholfrei oder nicht. Beide enthalten Purine.

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