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© Lauren Hurley/PA
Gary Marsden, das Vorher-nachher-Modell des in England beliebten Slimming World-Diätplans. Immerhin: Der Fabriksarbeiter verlor 113 Kilo.
 
Diabetologie 30. November 2015

Diäten: Wie gut sie wirklich sind

Expertenbericht: Wissenschaftlichen Ansprüchen genügt keine der gängigen Schlankheitskuren.

Immer mehr Menschen sind mit ihrem Gewicht unzufrieden und versuchen, teils mit Unterstützung durch Ernährungsberater, abzunehmen. Das Institut für Ernährungsmedizin hat einige Trend-Diäten kritisch untersucht. Resümee: Die meisten verhelfen zu kurzfristigen Erfolgen, für eine dauerhafte Ernährungsumstellung sind sie ungeeignet.

Das Wort „Diät“ leitet sich vom griechischen Wort „diaita“ ab und bedeutet „Lebensführung, Lebensweise“. Hippokrates meinte mit Diät „eine spezielle Ernährung des Menschen, bei der dauerhaft nur eine spezielle Auswahl von Nahrungsmitteln verzehrt wird“.

Heute versteht man unter Diät:

• eine kurzfristige Veränderung der Ernährungsform, nicht mit „Verzicht“ verbunden

• zur Gewichtsreduktion oder auch –zunahme

• zur unterstützenden Behandlung von Erkrankungen

„Diäten“ liefern häufig eine sehr einseitige Lebensmittelauswahl, was zu Fehlernährung und einer möglichen Gesundheitsgefährdung führen kann. Sie versprechen in den meisten Fällen eine Gewichtsreduktion sowie mögliche heilende Effekte. Doch meist fehlen wissenschaftliche Beweise und daher sind sie größtenteils nicht langfristig praktizierbar.

Low Carb

Bei einer Low-Carb-Diät handelt es sich um eine Reduktionsdiät, bei der der Kohlenhydratanteil der Nahrung deutlich reduziert wird. Damit soll eine langfristige Reduktion des Körpergewichts erreicht werden. Unter den Low-Carb-Diäten gibt es sehr viele unterschiedliche Formen. Als bekanntestes Beispiel ist die „Atkins Diät“ zu nennen. Kohlenhydrate werden dabei stark reduziert, während Eiweiß und Fette uneingeschränkt verzehrt werden dürfen. Sie basiert auf der Theorie, dass ein hoher Blutzuckerspiegel, und damit verbunden eine hohe Kohlenhydrataufnahme, als Ursache für viele Erkrankungen gilt. Eine hohe Fettaufnahme führt hingegen zu einer vermehrten Bildung von Ketonkörpern. Die daraus resultierende Ketose ist von Vorteil um das Hungergefühl zu dämpfen, und damit einen höheren Gewichtsverlust zu erreichen. Es ist allerdings wissenschaftlich bewiesen, dass es dabei auch zu großen Wasserverlusten kommt. Die „Atkins-Diät“ ist nach einem 4-Phasenprogramm aufgebaut.

1. Phase: max. 20 g Kohlehydrate täglich, ohne Einschränkung erlaubt: rotes Fleisch, Geflügel, Fisch, Schalentiere, Eier, Butter, Öle, usw., verboten: Obst, stärkehaltiges Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Getreideprodukte, Teigwaren, Milchprodukte

2. Phase: zur Dauergewichtsabnahme

3. Phase: zur Vor-Erhaltung

4. Phase: zur lebenslangen Erhaltung

Von Phase 2 bis 4 soll stufenweise der Kohlenhydratgehalt der Nahrung um +5/+10 g erhöht werden, bis zum sog. „Atkins Carbohydrate Equilibrium“, das ist jene Kohlenhydratmenge, bei der weder Gewicht zugenommen noch abgenommen wird. Die Kost ist dabei weiterhin deutlich Kohlenhydrat-reduziert und reich an Eiweiß und Fett. Wissenschaftliche Bewertung der Atkins- bzw. Low-Carb Diäten:

• auf kurze Sicht (3 bis 6 Monate) – effektiv

• nach spätestens 12 Monaten – kein signifikanter Vorteil gegenüber anderen Diäten

Low-GI

Bei den Low-GI-Diäten steht neben der Gewichtsreduktion ein „gesunder“ Insulinspiegel im Vordergrund. Dies soll durch Bevorzugung von Lebensmitteln mit niedrigem Glykämischen Index (GI) und Meiden von Lebensmitteln mit hohem GI erreicht werden. Daneben außerdem wichtig:

• Eiweiß 1g/kgKG/d: wichtige Rolle als Fatburner und zur Erhaltung der Muskelmasse; bevorzugt: Fisch, Eier, weißes Fleisch, Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse, Getreide, Milchprodukte

• Fett: hochwertige Pflanzenöle (vor allem Raps- und Olivenöl)

• ausreichend Bewegung

Wissenschaftliche Bewertung: Positiv anmerken kann man die hohe Aufnahme von Obst und Gemüse, die Einschränkung der Zufuhr einfacher Kohlenhydrate und die Empfehlung zu regelmäßig körperlicher Bewegung.

Negativ fällt folgendes auf: Es ist fraglich ob GI als alleinige Bewertung für die Lebensmittelauswahl ausreichend ist. Und es kommt nur zu einer kurzfristigen Gewichtsreduktion. Außerdem fehlen Langzeitstudien. GI-Diäten sind daher auf Dauer nicht zu empfehlen.

Low-Fat-Diäten

Low-Fat-Diäten sind Reduktionsdiäten, bei denen die Fettaufnahme möglichst gering gehalten und unter 15 Prozent der Energie liegen sollte, während Kohlenhydrate auf über 70 Energie-Prozent erhöht werden. Hintergrund sind ungünstige Wirkungen von gesättigten Fettsäuren auf das kardiovaskuläre Risiko weshalb der Fettanteil der Nahrung möglichst reduziert werden soll.

Als bekanntestes Beispiel ist die „Ornish Diät“ zu nennen. Es handelt sich dabei um eine „Very-Low-Fat-Diät“ bei der die Fettzufuhr auf unter 10 Energie-Prozent reduziert wird. Daneben wird eine vegetarisch-betonte Kost empfohlen. Die Nährstoffrelation: 70 bis 75 Prozent Kohlenhydrate, 15 bis 20 Prozent Protein, 10 Prozent Fett. Die Grundlage der Lebensmittelauswahl bilden pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst und Gemüse. Daneben gibt es in geringen Mengen fettarme Milch und Milchprodukte.

Vor allem eine Very-Low-Fat Diät, mit einem Fettgehalt von unter 10 Prozent der Energie, ist langfristig nur schwer praktizierbar. Durch den daraus resultierenden hohen Kohlenhydratanteil kann es zu einer möglichen ungünstigen Erhöhung des Triglycerid- und Blutzuckerspiegels kommen, sowie einem damit verbundenen hohen Gesundheitsrisiko.

Metabolic Balance

Bei „Metabolic Balance“ steht ein „gesunder, ganzheitlicher Stoffwechsel“ im Mittelpunkt. Das Grundkonzept stammt aus den USA. Basierend auf „Blutwerten“ wird mit Hilfe eines Computerprogramms ein „persönlicher Ernährungsplan“ erstellt. Diätprogramm in 4 Phasen: Vorbereitung (Beratungsgespräch und Anamnese, Blutabnahme und Erstellung einer individuellen Lebensmittelliste), strenge Umstellung (Zeit für den Stoffwechsel sich neu einzustellen, Computerprogramm gibt individuellen Ernährungsplan vor, drei Mahlzeiten pro Tag, genaues Wiegen der Lebensmittel, 5 Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten), gelockerte Umstellungsphase (vorher verbotene Lebensmittel sind wieder erlaubt), Erhaltungsphase (ab Erreichen des Wunschgewichts soll dieses auch gehalten werden durch spezielle Ernährungs- und Bewegungsrichtlinien).

Die wichtigsten Kritikpunkte sind:

• alle Daten werden nach Deutschland geschickt (kein Einblick in „Entscheidungen“);

• ein „individueller Plan“ über Computer ohne die Person persönlich zu kennen scheint schwer umsetzbar;

• geworben: „ohne fasten zum Wunschgewicht“ – die „strenge Umstellungsphase“ macht einen anderen Eindruck;

• wenn wieder alles erlaubt – Gefahr Jo-Jo-Effekt.

Metabolic Balance enthält kein wissenschaftlich abgesichertes Konzept und basiert auf Grundlagen die den ernährungsmedizinischen Modelle widersprechen. Solange keine ausreichende Evidenz vorliegt ist Metabolic Balance als Kostform nicht zu empfehlen.

Alternierendes Fasten

Bei dieser „Diät“ geht es darum Fastentage einzulegen. Es soll immer jeweils an einem Tag nichts gegessen werden, dafür kann am nächsten Tag, ohne Verzicht, alles gegessen werden was man gerne hat. Dadurch kann auf Dauer Gewicht, und vor allem Körperfett reduziert werden. Die Gewichtsreduktion wird beim alternierenden Fasten dadurch erreicht, dass an den Fastentagen der Körper das eigene Körperfett „isst“, und damit wirksam abbauen kann. Es gibt einige wissenschaftliche Daten zum alternierenden Fasten. Es hat sich gezeigt, dass es sich durchaus um eine metabolisch wirksame und über längere Zeit durchführbare Diätform handelt. Es ist besonders effektiv hinsichtlich Gewichtsreduktion und Reduktion des Körperfett. Daneben gibt es auch Evidenz für kardioprotektive Wirkungen. Allerdings kann das alternierende Fasten nicht für jeden uneingeschränkt empfohlen werden. Nicht für jeden ist es umsetzbar einen Tag lang nichts zu essen.

„Diäten“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Allerdings fehlen in den meisten Fällen bewiesene wissenschaftliche Daten. Daher sind sie größtenteils nur kurzfristig praktizierbar und keinesfalls für eine langfristige Änderung der Ernährungsgewohnheiten empfehlenswert.

• ärztliche Untersuchungen, ausschließen von Hypertonie, Herzproblemen, Gelenksproblemen, Diabetes

• ist eine Bedarfsdeckung mit den Empfehlungen der Diät möglich?

• sind Nebenwirkungen/Risiken vorhanden?

Prof. Dr. Kurt Widhalm ist Präsident des Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin.

Mag. Karin Gatternig ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts.

K. Gatternig und K. Widhalm, Ärzte Woche 49/2015

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