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© Praxis Dr. Schätzler
Dr. Thomas Schätzler Facharzt für Allgemeinmedizin, Dortmund
 
Diabetologie 12. Oktober 2015

Gewichtsreduktion als Korrelat zu Bewegung

SGLT2-Hemmer senken möglicherweise dadurch die kardiovaskuläre Mortalität.

In der Placebo-kontrollierten Studie EMPA-REG OUTCOME unter dem Titel: „Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes“ von B. Zinman et al. wurde die Inzidenzrate für die Ereignisse kardiovaskulär bedingter Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall (primärer kombinierter Endpunkt) innerhalb von nur drei Jahren (Durchschnitt 3,1 Jahre) durch eine Behandlung mit Empagliflozin (10 mg oder 25 mg einmal täglich) als „add-on“ zu einer Standardtherapie bei Typ-2-Diabetes mellitus signifikant reduziert.

Die SGLT-2-Therapie führt über die Steigerung der Glucose-Ausscheidung im Urin (40–70 g Haushalts-Zucker pro Tag entsprechend) insbesondere bei diabetischer Hyperglykämie zu einer Glukosurie. Die damit verbundene tägliche Gewichtsreduktion ist ein Korrelat zu intensivierter körperlicher Aktivität, leichter Reduktionsdiät und metabolischer Verbesserung, welche ebenfalls hochsignifikant mit Evidenzgrad 1A zur Reduzierung kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität beiträgt.

Der Internist January 2012, Volume 53, Issue 1, pp 20-29 berichtete mit dem Titel: „Risikoreduktion kardiovaskulärer Erkrankungen durch körperliche Aktivität“ von H. und D. Löllgen – Zusammenfassung der Studie:

„Bewegungsmangel gilt als bedeutender Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Regelmäßige körperliche Aktivität und Bewegung führen zu Anpassungen in der Muskulatur, an Herz und Kreislauf sowie im Stoffwechselgeschehen.

Im Rahmen der Primärprävention sinkt durch körperliche Aktivität die Gesamtmortalität um 22–34 Prozent und die kardiovaskuläre Mortalität um 27–35 Prozent. Diese Befunde sind in zahlreichen prospektiven Kohortenstudien erhoben worden und durch vier Metaanalysen an bis zu 800.0000 Probanden belegt (Evidenzgrad IA). Eine Subgruppenanalyse ergibt eine bessere Wirkung bei Älteren im Vergleich zu Jüngeren und ebenso bei Frauen. Gleichzeitig erfolgen eine Steigerung der Leistungsfähigkeit (Fitness) sowie eine krankheitsbezogene Abnahme der Symptomatik (IA). Dies gilt für die koronare Herzkrankheit, die Herzinsuffizienz und den arteriellen Bluthochdruck (IA). Weitere evidenzbasierte Befunde liegen für das Auftreten von Schlaganfällen vor, für Auftreten und Entwicklung einer Demenz sowie für die periphere arterielle Verschlusskrankheit. Auch die zugehörigen Trainingsempfehlungen sind auf hohem Niveau evidenzbasiert (bis IA). Entsprechend sollte jeder Arzt, unabhängig vom Fachgebiet, bei jedem Patientenkontakt nach körperlicher Aktivität fragen und diese zur Prävention und Therapie empfehlen.“

SGLT2-Hemmer sind sozusagen das pharmakologische Korrelat und auch Surrogat für erhöhte körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion. Sie beginnen bereits nach drei Monaten kardioprotektiv wirksam zu werden. Langfristig weit über drei Jahre anhaltend wird dieser Effekt allerdings ohne ergänzende körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion sicher nicht Wirkstoff-spezifischen Bestand haben.

 

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In seinem Blog auf springermedizin.de nimmt Dr. Schätzler scharfzüngig und garantiert nicht neutral Stellung zu heißen Themen rund um Gesundheitspolitik und Medizin.

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