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Diabetologie 8. Juni 2015

Vom Nutzen des Sports bei Diabetes

Paradoxe Wirkungen sind möglich, der Nutzen von richtiger Bewegung aber unbestritten.

Durch regelmäßige Bewegung lässt sich Diabetes verhindern, heißt es immer wieder. Eine (kleine) Studie zeigt nun: Bei manchen Menschen verschlechtert Sport den Stoffwechsel gar und steigert die Diabetes-Gefahr.

Bei etwa zehn Prozent aller Menschen reagiert der Insulinstoffwechsel nicht auf Ausdauertraining oder wird sogar schlechter, meint Dr. Anja Böhm vom Universitätsklinikum Tübingen aufgrund der Ergebnisse einer eigenen kleinen Studie mit insgesamt 16 jungen inaktiven Freiwilligen.

Alle Studienteilnehmer, wovon jeweils die Hälfte Responder oder Non-Responder waren, profitierten hinsichtlich ihrer körperlichen Fitness vom neunwöchigen Ausdauertraining (dreimal pro Woche eine Stunde) und verloren zum Teil auch deutlich an Gewicht, betonte Böhm beim Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin. Bei der Insulin-Sensitivität zeigten sich deutliche Unterschiede. In der Responder-Gruppe hatte sich bei Studienende der Anteil der Personen mit einer normalen Glukosetoleranz beim orale Glukosetoleranztest verdoppelt; eine gestörte Glukosetoleranz wurde bei keinem mehr nachgewiesen.

Non-Responder schwer zu erkennen

Bei den acht Personen der Non-Responder-Gruppe hingegen nahm die Zahl der Probanden mit normaler Glukosetoleranz von vier auf zwei ab und die Zahl derjenigen mit erhöhten Nüchternblutzuckerwerten von vier auf fünf zu. Bei einer Testperson wurden nach Angaben von Böhm sogar sowohl erhöhte Nüchternblutzuckerwerte als auch eine gestörte Glukosetoleranz nachgewiesen. Die Ursachen dafür sind unklar. Ebenso gelingt es bisher nicht, die Personen herauszufiltern, die auf Sport schlecht ansprechen. Dafür lassen sich, so Böhm, „lediglich Indizien erkennen: „Kränkere Personen scheinen von Bewegungstherapie mehr zu profitieren als gesündere.“ Nicht-Ansprechen war auch mit einer schlechten Insulinsensitivität und -sekretion, mit hohem viszeralen Fettanteil, Fettleber und hohen Fetuinspiegeln assoziiert, sowie mit niedriger körperlicher Fitness und niedrigen Adiponektin-Spiegeln. Body-Mass-Index, Alter und Geschlecht scheinen keine Rolle zu spielen. Ebenso sind vermutlich genetische Faktoren relevant.

Nächstes Ziel: Pharmakologische Alternativen

Das Ziel wäre, Non-Responder auf Bewegungstherapie mit Arzneimitteln zu Respondern zu machen oder, noch ambitionierter, gleich eine Ersatzpille für Sport anzubieten. Insbesondere für nicht motivierbare Menschen oder sehr stark Übergewichtige wird dies als mögliche Alternative diskutiert.

Pharmakologische Forschungsansätze betreffen derzeit beispielsweise das Zytokin Irisin, das im Skelettmuskel freigesetzt wird und Resveratrol, das Antioxidans in roten Trauben. Allerdings zeigt sich für Irisin, dass es beim Menschen keinen Einfluss auf den Stoffwechsel hat, während Resveratrol zwar als aussichtsreichster Kandidat erscheint, in höheren Dosierungen jedoch möglicherweise sogar toxisch für den Muskel ist.

Richtiger Sport im Allgemeinen sei weiterhin der beste Weg zur Verbesserung der Stoffwechsellage und Diabetikern unbedingt zu empfehlen, so die Diabetesexperten. Die besten Effekte hatten in Studien, nach Angaben von Dr. Martin Röhling aus Düsseldorf, isoliertes Ausdauer- und Krafttraining oder kombiniertes Training, moderat-intensiv, mindestens drei Einheiten pro Woche, ab 45 Minuten pro Training. Die HbA1c-Werte wurden dadurch relativ um fünf bis 13 Prozent gesenkt.

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