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© Ugreen/istock
Die Darmschleimhaut im Fokus eines neuen Diabetes-Therapiekonzepts.
 
Diabetologie 8. Juni 2015

Hoffnung bei Typ-2-Diabetes

Die endoskopische Verschorfung der Schleimhaut im Zwölffingerdarm könnte heilsam sein.

Bei nahezu der Hälfte der Patienten ist der Diabetes unzureichend eingestellt, trotz der zahlreichen zur Verfügung stehenden medikamentösen Maßnahmen. Ein neues endoskopisches Verfahren, bei dem die Schleimhaut im Zwölffingerdarm verschorft wird, macht Hoffnung bei der Behandlung von Diabetes-Typ-2-Patienten, bei denen die Erkrankung trotz Medikamenten nur schlecht eingestellt ist.

Dem neuen endoskopischen Behandlungskonzept gehe die Beobachtung voraus, dass fettleibige Menschen mit Typ-2-Diabetes, die durch eine Bypass-Operation abnehmen wollen, nicht nur ihr Körpergewicht, sondern auch ihren Diabetes verlieren, so Prof. Dr. Horst Neuhaus, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf. Da bei einer Bypass-Operation der Magen direkt mit dem oberen Dünndarm verbunden wird, fließt der Speisebrei danach am Zwölffingerdarm vorbei, der in einer Schlinge blind endet. „Bei den meisten Patienten normalisiert sich der Blutzucker, noch bevor sie wesentlich an Gewicht verlieren“, so Neuhaus.

Die genauen Zusammenhänge seien derzeit nicht bekannt. „Hormone, die beim Durchtritt des Speisebreis in der Schleimhaut des Zwölffingerdarms gebildet werden, spielen aber offenbar eine wichtige Rolle“, so Neuhaus: „Diese Inkretine regen in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin an, was längerfristig zu einem Wirkungsverlust führt.“ Um die übermäßige Freisetzung stoffwechselaktiver Hormone aus der Schleimhaut des Zwölffingerdarmes zu verhindern, könnten Ärzte in Zukunft auf einen nichtoperativen Eingriff setzen. Dafür wird ein speziell entwickelter Ballon mit einem Endoskop durch den Zwölffingerdarm geschoben. „Durch kurzzeitige Erhitzung wird dabei die Schleimhaut verschorft, während tiefer liegende Schichten der Darmwand verschont bleiben“, beschreibt Neuhaus das Vorgehen.

Vielversprechende Ergebnisse einer Pilotstudie

Das als „Erneuerung der Schleimhaut im Zwölffingerdarm“ bezeichnete Verfahren ist bereits in einer ersten Pilotstudie an einer Klinik in Chile an 30 Patienten erprobt worden. Die Ergebnisse waren laut Neuhaus vielversprechend. „Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c sank von 9,2 auf 7,1 Prozent, was die Wirkung der meisten Blutzucker senkenden Medikamente übertrifft.“

Mehr noch: Die Wirkung scheint längerfristig anzuhalten, sodass die Therapie möglicherweise nur selten wiederholt werden müsste. Das Verfahren wird derzeit an mehreren klinischen Zentren in Europa überprüft. Wenn sich die Ergebnisse der Pilotstudie bestätigen sollten, könnte das innovative Therapiekonzept für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes geeignet sein.

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