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Diabetologie 13. Mai 2014

Richtig Insulin spritzen

Von der Injektionstechnik und -stelle hängt es unter anderem ab, wie gut das Medikament wirkt.

Viele Diabetespatienten spritzen sich mehrmals täglich Insulin, fast 90 Prozent nutzen dafür einen Pen. Was bei der Wahl der Hautpartie, bei Nadellänge und Einstich zu beachten ist, erklären Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Besonders wichtig sei es, dass Patienten sich den Zeitpunkt der Injektion notieren, rät Doz. Dr. Erhard Siegel, Präsident der DDG. Immer wieder komme es vor, dass Patienten davon ausgehen, sie hätten Insulin gespritzt – haben es aber gar nicht. „In Wirklichkeit erinnern sie sich an die Injektion von vorgestern“, so Siegel.

Grundsätzlich gilt: Kurzwirksames Insulin, das zu Mahlzeiten gespritzt wird, wird am besten in den Bauch verabreicht. Langwirksame Humaninsuline dagegen werden besser in die Außenseite des Oberschenkels oder ins Gesäß appliziert. „Damit die Haut sich nicht entzündet, sollte man die Einstichstelle innerhalb dieser Partien regelmäßig wechseln“, rät Siegel. Eine solche Rotation kann nach vier Quadranten, die im Uhrzeigersinn aufgesucht werden, oder Wochentagen erfolgen. „Je nachdem, welches Muster sich der Patient am besten merken kann“, so Siegel.

Pen überprüfen

Vor der Injektion stellt der Patient sicher, dass es sich um das richtige Insulin handelt, und sucht die gewünschte Einstichstelle mit bloßem Auge auf Hautveränderungen ab. „Die Haut sollte sauber sein, nicht entzündet oder gerötet“, erläutert Prof. Dr. Andreas Frische, Mediensprecher der DDG. Nicht in Narben oder Muttermale stechen! Trübe Insuline – sogenannte NPH- und Mischinsuline – müssen vor Verabreichung zwanzigmal sanft hin- und hergeschwenkt werden, damit sich der Wirkstoff gut verteilt.

„Patienten, die einen Pen nutzen, prüfen vor der Injektion dessen Funktion“, empfiehlt Fritsche. Dafür ein bis zwei Einheiten einstellen, den Pen senkrecht mit der Pennadel nach oben halten, Dosierknopf drücken und schauen, ob Insulin an der Nadelspitze austritt. Ist dies nicht der Fall, Vorgang wiederholen. Ist der Pen einsatzbereit, kann die gewünschte Insulindosis eingestellt werden.

Jetzt bildet der Patient mit Daumen und Zeigefinger an der Einstichstelle eine Hautfalte. „Idealerweise befördert man die Nadel senkrecht ins Unterhautfettgewebe, im 90-Grad-Winkel zur Einstichstelle“, sagt Siegel. Insulin langsam und gleichmäßig injizieren, Nadel noch etwa zehn Sekunden in der Haut lassen, damit nichts zurückfließt. Zum Schluss die Nadel wieder im 90-Grad-Winkel herausziehen, Falte loslassen. Für die Nadellänge gilt: Da unsere Haut maximal drei Millimeter dick ist, sind Nadeln mit einer Länge von vier bis sechs Millimetern für Erwachsene ausreichend.

„Ist an der Injektionsstelle genügend Unterhautfettgewebe vorhanden, um eine Injektion in den Muskel ausschließen zu können, kann auch bedenkenlos ohne die Bildung einer Hautfalte injiziert werden“, sagt Siegel.

Nicht in Lipohypertrophien stechen

Knapp die Hälfte aller insulinspritzenden Diabetespatienten weisen sogenannte Lipohypertrophien auf. „Dabei handelt es sich um beulenartige Verdickungen, um Ansammlungen von Fettzellen, die man ertasten kann“, erklärt Fritsche. In diesen Lipohypertrophien schmerzt das Stechen weniger, weshalb Betroffene solche Stellen gerne für die Injektion auswählen. „Das Insulin kann dort aber nicht mehr richtig wirken“, warnt Fritsche. Mit der Folge, dass die Patienten sich immer höhere Dosen spritzen.

Wer den Eindruck gewinnt, das Insulin würde seine Wirkung verlieren, sollte daher Hausarzt, Diabetologen oder Diabetesberater aufsuchen. „Diese Experten können die Haut untersuchen und wertvolle Tipps sowie Hinweise rund ums richtige Insulinspritzen geben. Das so aufgefrischte Wissen sollte idealerweise immer auch gleich angewandt und vorgeführt werden“, erklärt Elisabeth Schnellbächer, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD). „Manchmal ist sogar eine Neueinstellung und gründliche mehrmalige Überprüfung, Anleitung und Kontrolle der Injektionstechnik unter alltagsnahen Bedingungen im Krankenhaus nötig“, ergänzt Fritsche.

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