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Diabetologie 9. Mai 2014

Error – typische Fehler bei der Selbstmessung

Fehlbedienungen des Messgeräts, gequetschte Finger und ungewaschene Hände sind häufige Fehlerquellen.

Wenn Diabetiker ihren Blutzucker selbst messen, können sie vieles falsch machen. Moderne Messgeräte können allerdings eine Reihe von Fehlbedienungen erkennen.

Gerade bei Therapiebeginn ist die Blutzuckerselbstmessung ein geeignetes Instrument, um den positiven Effekt von Lebensstil-Änderungen sichtbar zu machen. Dabei ist die Messung nicht als Intervention per se wertvoll, sondern nur als Teil eines Gesamtprogramms – sie muss Konsequenzen nach sich ziehen und somit handlungsleitend sein.

Umso wichtiger ist es für den Patienten, dass die Selbstmessung zu plausiblen Ergebnissen führt. Hierfür ist die fachkundige Anleitung eine wichtige Voraussetzung.

Erfahrungen über drei Tage sammeln

Im Endokrinologikum Frankfurt, wie auch in vielen Schwerpunktpraxen üblich, hat sich bewährt, dass Patienten, die erstmals ihren Blutzucker selbst messen müssen, die Bedienung zusammen mit einem Diabetesberater üben. Dazu gehört unter anderem das Einsetzen der Nadeln in das Stechgerät, die Gewinnung des Bluttropfens und die richtige Handhabung der Teststreifen. Anschließend misst der Patient drei Tage lang ein Sechs-Punkte-Tagesprofil (jeweils vor und ein oder zwei Stunden nach dem Essen), bevor er wiederbestellt wird, um mit ihm unter anderem Messergebnisse und die Erfahrungen in der Handhabung des Geräts sowie die weitere Therapie zu besprechen.

Dennoch stoßen Diabetesberater auf unterschiedliche, typische Fehler in der Handhabung der Geräte. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Messgeräte in den vergangenen Jahren immer fehlersensitiver geworden sind, Fehlbedienungen erkennen und durch Klartextangaben im Display oder definierte Error-Meldungen verzerrte Messergebnisse verhindern. Mehrere Fehlerquellen sind möglich, die von der überwiegenden Zahl der Geräte jedoch erkannt und angezeigt werden:

  • Je nach verwendetem Teststreifen und Messgerät sind zwischen 0,3 bis 2 Mikroliter Blut zur Messung nötig. Zu den häufigsten Fehlern gehört, dass der Patient den Teststreifen direkt in die Haut drückt. In diesem Fall wird verhindert, dass der Teststreifen das Blut aufsaugen kann.
  • Eine Variante dieses Fehlers besteht darin, dass ein Patient Blut von oben auf den Teststreifen tropft. Auch hier kann der aus zwei Schichten bestehende Teststreifen das Blut nicht mehr von der Seite oder von der Spitze des Teststreifens einsaugen.
  • Ebenfalls zur Fehlbedienung führt es, wenn erst Blut auf den Teststreifen getropft wird und dieser dann in das Messgerät gesteckt wird. In diesem Fall wird ein Error-Code angezeigt, wonach der Teststreifen schon als benutzt erkannt wurde.

In den meisten Fällen erkannt wird von den Geräten heutzutage auch eine weitere Fehlerquelle, nämlich abgelaufene Teststreifen. Diese sind in der Regel bis sechs Monate nach Verkauf haltbar. Handelt es sich aber beispielsweise um einen mit oraler Therapie behandelten Patienten, der nur selten misst, dann kann diese Situation durchaus eintreten.

Auch die falsche Aufbewahrung von Teststreifen, etwa in einem unverschlossenen Behälter in der Küche, kann aufgrund hoher Luftfeuchte verzerrte Ergebnisse erzeugen. Haben die Teststreifen bereits Flüssigkeit angesaugt, kann mit ihnen entweder gar nicht mehr gemessen werden (Error-Meldung des Geräts) oder es kann zu Messungenauigkeiten kommen.

Gequetschte Finger und ungewaschene Hände

Schwieriger zu erkennen sind nicht von den Messgeräten detektierte Anwendungsfehler. Hier muss im Beratungsgespräch die Ursache abgeklärt werden – drei Beispiele:

  • Patienten, die die Fingerkuppe nicht sanft massieren, sondern regelrecht quetschen, um mehr Blut zu erhalten, drücken auch Gewebeflüssigkeit in das Blut, sodass der Messwert falsch-niedrig ausfallen kann.
  • Eine weitere Fehlerquelle liegt in der Verwendung von Desinfektionsmitteln vor der Messung – was nicht indiziert ist. Wird nicht zugewartet, bis das Mittel komplett auf der Haut abgetrocknet ist, kann der Blutstropfen verflüssigt werden, falsch-niedrige Messwerte sind dann möglich.
  • Einer der häufigsten Handhabungsfehler liegt umgekehrt vor, wenn die Hände des Patienten ungewaschen sind. Beispielhaft sei hier der Diabetespatient erwähnt, der aufgeregt in der Sprechstunde von viel zu hohen Messwerten berichtet. Die Rekonstruktion der Messsituation mit der Diabetesberaterin ergab, dass der Patient kurz vor der Messung Obst geschnitten hatte. Anschließend maß er nicht vermeintlich erhöhte Blutzuckerwerte, sondern die Glukose- respektive Fruktoserückstände an seinen Fingern.

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