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Innere Medizin 1. Juli 2006

Familiäres medulläres Schilddrüsenkarzinom in Slowenien: Genotyp-Phänotyp Korrelation

HINTERGRUND: Das medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC) ist ein seltener endokriner Tumor, der sporadisch oder vererbt als Teil von MEN 2A beziehungsweise MEN 2B, oder als familiärer Tumor (FMTC) auftreten kann. Keimbahn-Punkt-Mutationen im RET-Proto-onkogen sind für die Tumorentstehung, die Vererbung und für die große klinische Variabilität verantwortlich. Ziel dieser Studie war es, den Genotyp mit dem Phänotyp (Alter bei Diagnoseerstellung, Geschlecht, TNM Klassifikation und Klinik) von Patienten mit vererbbarem MTC zu korrelieren. PATIENTEN: Von 1997 bis 2003 wurden bei 69 von 98 Patienten mit so genanntem "sporadischem" MTC Genanalysen durchgeführt. Es wurden 14 (20,2%) Mutationsträger (= Index-Patienten) gefunden. Bei 16 (51,6%) der 31 Verwandten dieser Index-Patienten wurde dieselbe Mutation festgestellt. Ein Patient mit MEN 2B (Mutation im Codon 918) wurde nicht in die Studie aufgenommen. METHODEN: Genomische DNS wurde aus den Leukozyten des peripheren Blutes isoliert. Die Exons 10, 11, 12, 13, 14, 15 und 16 des RET-Protoonkogens wurden in der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) amplifiziert. Die Punktmutationen im RET-Gen wurden durch Single Strand Conformation Analyse (SSCA) und DNS Sequenzierung entdeckt. Die beobachteten Mutationen wurden durch Restriktions-Enzyme bestätigt. ERGEBNISSE: Mutationen im Codon 634 wurden bei 15 Patienten (50%; Alter: 18–76 Jahre; 6 Familien), im Codon 618 bei 9 Patienten (30%; Alter 12–65; 4 Familien) und im Codon 790 bei 5 Patienten (16,6%; Alter 16–74; 3 Familien) entdeckt. Der Median des Alters bei Diagnosestellung lag bei 31 ± 17,3 (Codon 618); bzw 33 ± 15,9 (Codon 634), bzw 36 ± 23,8 (Codon 790) Jahren. Frauen mit den Mutationen im Codon 618 und im Codon 634 hatten ein medianes Alter bei Diagnoseerstellung von 34,5 ± 15,6 verglichen mit 43,5 ± 22,9 bei den Patienten mit Mutation im Codon 790. Bei Männern war im Gegensatz dazu das Alter bei der Diagnose 26,5 ± 18 im Vergleich zu 16 Jahren bei der Mutation im Codon 790. Der Mann/Frau Quotient war 1:2 bei Patienten mit Veränderungen im Codon 618 und 634 und 1:4 bei Patienten mit Mutation im Codon 790. Ein Phäochromozytom (12/15 Patienten) bzw. ein primärer Hyperparathyreoidismus (6/15 Patienten) wurde nur bei Patienten mit einer Mutation im Codon 634 gefunden. Es wurde ein Patient mit einem FMTC und der Hirschsprung'schen Erkrankung in einer Familie mit Mutation im Codon 618 gefunden. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Unsere limitierte Studie gibt Hinweise auf eine Korrelation des Genotyps mit der Tumorgröße und dem MTC Tumorstadium vor allem bei Frauen mit einer Mutation im Codon 790. Der Umstand, dass diese Tumore später auftreten und einen weniger aggressiven Verlauf nehmen, sollte bei der Planung einer prophylaktischen Schilddrüsenentfernung Berücksichtigung finden. Das MEN 2A Syndrom wurde ausschließlich bei Patientne mit der Mutation im Codon 634 beobachtet.

Damijan Bergant, Marko Hocevar, Nikola Besic, Damjan Glavac, Branka Korosec, Simon Caserman, Wiener klinische Wochenschrift

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