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Innere Medizin 1. Mai 2006

Präoperative Lymphszintigraphie für die Sentinel-Lymphknotenbiopsie beim malignen Melanom

ZIEL: Auswertung unserer vierjährigen Erfahrung mit der präoperativen Lymphszintigraphie, andererseits Auswertung der Genauigkeit von Sentinel (SN)-Biopsien bei Melanompatienten unserer Institution mit verschiedener Tumordicke. Zusätzlich sollte ein Zusammenhang zwischen der Rezidivrate und den histopathologischen Ergebnissen evaluiert werden. PATIENTEN UND METHODEN: Von Februar 2002 bis November 2005 wurde bei 201 Patienten eine SN-Lymphknoten-Biopsie durchgeführt. Die Lymphszintigraphie zur Identifikation des SN Knotens fand vier bis sechs Stunden vor der Operation statt. Die SN Biopsie wurde bei allen Patienten mit Hilfe einer manuell gelenkten Gamma-Probe gemacht – eine weite lokale Exzision der Biopsiewunde oder der primären Läsion wurde bei 56 Patienten durchgeführt. Bei Patienten mit SN-Metastasen wurde das Drainagegebiet nach Exzision sofort komplett disseziert. Bei 4 Patienten wurde eine komplette Lymphknotendissektion wegen der erst bei der definitiven histopathologischen Diagnose erkannten Malignität verspätet in einem zweiten Schritt durchgeführt. Die Genauigkeit der SN-Biopsien wurde durch Vergleich der intraoperativen SN-Identifizierung und der folgenden Entwicklung von Lymphknoten-Metastasen im regionalen Bereich von Patienten mit Tumor-negativen mit den bei Patienten mit Tumor-positiven SN Knoten erhobenen Ergebnissen evaluiert. ERGEBNISSE: Der SN-Knoten wurde durch die Lymphszintigraphie bei nur einem Patienten nicht erkannt (99 %). In 248 Drainagegebieten (1,2/Patient) wurden 372 SN Knoten (1,52 SN/Drainagegebiet; 1,8 SN/Patient) beobachtet. Bei Patienten mit Melanomen im Bereich der unteren Extremität wurde die höchste Zahl von SN-Knoten in der Leistengegend (1,5/Patient), gefolgt von der Axillargegend (1,3/Patient) gefunden. Abnorme Muster der Lymphdrainage beobachteten wir bei 15 % der Patienten. Die SN-Identifikationsrate war insgesamt bei 99 %, 100 % für die Leistengegend und 98 % für die Stationen in der Axilla und dem Kopf-Hals-Bereich. 42 Patienten (20,8 %) hatten Tumor-positive SN-Knoten. 10 Patienten (5,0 %) hatten in einer medianen Nachbeobachtungsperiode von 23,1 Monaten (2–46 Monate) lokale oder entfernte Rezidive. Die Rate der falsch-negativen Lymphknoten, bzw. der falsch negativen SN-Biopsien (erhoben durch den Nachweis von Rezidiv im Knoten eines Tumornegativen SN-Patienten) lag bei 1,3 %. Während der Nachbeobachtung (Median: 13,5 Monate; 12–22 Monate) starben 3 der 201 Patienten an einer vom Melanom unabhängigen Todesursache und 3 an Metastasen des Melanoms. SCHLUSSFOLGERUNG: Die präoperative Lymphknotenszintigraphie ist eine empfindliche, billige und wesentliche Methode zur Erfassung des Drainagewegs, zur Bestimmung der Zahl und der Lage der SN-Knoten und auch für die Lokalisierung außerhalb der üblichen Lymphknotenstationen. Aufgrund der unvorhersagbaren Lymphdrainage können die Ergebnisse der Szintigraphie zu Änderungen des chirurgischen Vorgehens führen. Das seltene Vorkommen eines lokalen Rezidivs bei Patienten mit Tumor-negativen SN-Knoten ist ein weiteres Argument für den Einsatz der präoperativen Lymphszintigraphie für das Staging der regionalen Drainagegebiete beim malignen Melanom.

Borki Vučetić, Sunčica Andreja Rogan, Antonija Balenović, Mirko Ivkić, Mirna Šitum, Narcis Hudorović, Zvonko Kusić, Wiener klinische Wochenschrift

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