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Innere Medizin 1. März 2007

Impfstoffe gegen Durchfallserkrankungen – am Beispiel der Impfstoffe gegen Reisediarrhoe und gegen R

Durchfallserkrankungen stellen ein weltweit großes Gesundheitsproblem dar. Besonders betroffen, sowohl in der Häufigkeit wie auch in der Schwere der Erkrankung, sind Kinder bis zu 5 Jahren in Entwicklungsländern. Bei Reisenden in diese Gebiete spielen Durchfallserkrankungen ebenfalls eine große Rolle; etwa 20–50 % der Reisenden entwickeln Reisediarrhoe, vorwiegend hervorgerufen durch Bakterien, Viren oder Protozoen. Bei den bakteriellen Durchfallserkrankungen werden in Abhängigkeit des betreffenden Landes (Mexiko, Lateinamerika, Afrika, Philippinen) 30–70 % der Fälle durch enterotoxigene E.coli (ETEC) hervorgerufen. Die Pathogenität dieser nicht invasiven Bakterien wird primär durch hitze-stabile (ST) und hitze-labile (LT) Toxine bedingt, wobei etwa 20 % aller Reisedurchfallserkrankungen durch LT-sezernierende ETEC hervorgerufen werden. Dieses hitzelabile Toxin hat eine strukturelle Identität und 80 % Sequenzhomologie mit Choleratoxin. Der derzeit am Markt befindliche orale Choleraimpfstoff (Dukoral®) enthält nebst abgetöteter Choleravibrionen auch die nicht toxische, aber immunogene B-subunit des Cholera Toxins in rekombinanter Form. Daher ist dieser orale Impfstoff auch für ETEC-Reisediarrhoe von Nutzen. Effizienzberechnungen der Impfung ergaben, dass bis zu 25 % der Reisenden dadurch gegen Diarrhoe geschützt werden können. Rotaviren (RV) gehören besonders bei Kindern zu den wichtigsten Durchfallserregern in Industrie- und Entwicklungsländern. Aufgrund der weltweit hohen Inzidenz dieser Durchfallserkrankung wurden 2 orale Lebendimpf-stoffe gegen Rotaviren entwickelt, die seit 2006 in Europa registriert sind. Aufgrund der Bedeutung dieser Erkrankung auch in Österreich wurde im österreichischen Impfplan eine allgemeine Impfempfehlung von Säuglingen zwischen 6 und 24 Wochen ausgegeben. Es handelt sich bei den oralen Impfstoffen einerseits um einen attenuierten, humanen, monovalenten RV-Lebendimpfstoff, der eine breite Kreuzimmunität gegen die gängigsten Serotypen aufweist (Rotarix®), und andererseits um einen attenuierten pentavalenten Lebendimpfstoff, der 5 human-bovine Reassortanten enthält (RotaTeq®). Verträglichkeit und Wirksamkeit der beiden Impfstoffe sind in etwa vergleichbar: die Wirksamkeit gegen schwere RV-Gastroenteritiden liegt zwischen 85–98 %, bezüglich Verträglichkeit bestand kein Unterscheid zur Placebokontrolle und keine Assoziationen mit Invaginationen konnten festgestellt werden.

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