zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 1. Juli 2006

Molekulare Mechanismen der Cholestase

In den letzten Jahren hat sich unser Verständnis der molekularen Mechanismen der Cholestase zunehmend vertieft. Mutationen einzelner Transportergene können angeborene Cholestasesyndrome verursachen, während bei erworbenen Cholestaseformen cholestatische Noxen (wie z. B. Medikamente, Hormone, inflammatorische Zytokine) zu einer veränderten Transporterexpression und -funktion führen. Diese Veränderungen können einerseits die Cholestase verstärken, andererseits werden so hepatoprotektive Mechanismen aktiviert und eine alternative "retrograde" Gallensäureexkretion in die systemische Zirkulation begünstigt. Dies führt zu einer gesteigerten renalen Elimination toxischer gallepflichtiger Substanzen (z. B. Gallensäuren, Bilirubin) bei Cholestase. Zusätzlich werden Gallensäuren in der Leber vermehrt entgiftet. So machen Hydroxylierung, Sulfatierung und Glucuronidierung Gallensäuren hydrophiler und damit weniger toxisch. Diese molekularen Mechanismen werden durch die Wirkung von Kernrezeptoren vermittelt. Die Aktivität dieser Rezeptoren selbst wird durch Gallensäuren, inflammatorische Zytokine, Medikamente und Hormone reguliert. Zusätzlich zu den transkriptionellen Veränderungen, werden auch ein verminderter Einbau und gesteigerter Ausbau von Transporterprotein aus der Zellmembran beobachtet. Störungen der Zellpolarität, des Zytoskeletts und der Zellkontakte sind ebenso involviert. Das genaue Verständnis dieser molekularen Veränderungen sollte es uns in Zukunft ermöglichen, neue Therapieansätze für cholestatische Lebererkrankungen zu entwickeln. Diese Therapieformen könnten darauf abzielen, eine gestörte Transporterexpression wiederherzustellen und die hepatischen Verteidigungsmechanismen gegen toxische Gallensäuren weiter zu stimulieren.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben