zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 22. Februar 2016

Der Darm als Schaltstelle

Bakterielle Besiedlung ausschlaggebend für komplexen Wirkmechanismus

Der Darm wird heute als entscheidende Stelle für unsere Auseinandersetzung mit der Umwelt betrachtet. Dementsprechend folgenreich sind Störungen des Gleichgewichts in der Physiologie. Mit der schrittweisen Erforschung des Mikrobioms und seiner Funktionen lassen sich neue Ansätze für die Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen und die verbesserte Wirksamkeit von Therapien entwickeln. „Probiotika in Prävention und Therapie“ standen Ende vergangenen Jahres im Mittelpunkt eines internationalen Symposiums der Österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin in Wien.

Allergien aber auch Erkrankungen des Urogenitaltrakts, der Leber, des Darms oder die Migräne werden heute mit Störungen in der mikrobiellen Besiedelung der Darmschleimhaut in Zusammenhang gebracht. „Eine Vielzahl von chronischen Erkrankungen ist oft mit Darmproblemen verbunden“, stellte Dr. Svent Haufe, Zentrum für Prävention und Regeneration, Dresden, fest: „Wissenschaftliche Untersuchungen des Mikrobioms und seines Einflusses auf den Gesamtorganismus eröffnen völlig neue Möglichkeiten.“ Dabei kommt auch jenen Stoffen, die Prä- und Probiotika und das Mikrobiom modulieren, eine besondere Rolle zu. In diesem Zusammenhang sind die Huminsäuren, die aus mikrobiellen Ab- und Umbauprozessen von tierischem und pflanzlichem Material im Boden entstehen, ins Interesse von Forschung und Therapie gerückt. Die Huminsäuren WH67® können auf eine umfangreiche wissenschaftliche Basis verweisen. Sie vereinen in sich, so Haufe, ein Wirkprinzip mit mindestens fünf Hauptwirkungen auf die Schleimhaut des Verdauungstrakts: abdeckend, absorptiv, antiphlogistisch, anitmikrobiell und immunmodulierend. Dadurch könne die Darmschleimhaut und damit ihre Funktion so natürlich wie möglich wieder hergestellt werden. Diese Wirkmechanismen spiegeln die Komplexität des gesamten Geschehens im Organismus wider.

Von der intestinalen Mikrobiota zum Urogenitaltrakt

Die Forschungen bezüglich des Einflusses der Mikrobiota auf den Urogenitaltrakt sind noch am Anfang. „Während bei Harnwegs- und Vaginalinfekten der Zusammenhang mit der intestinalen Mikrobiota bereits Eingang in den ärztlichen Alltag gefunden hat, befinden sich Erkenntnisse über mögliche Einflüsse beim Harnblasenkarzinom, bei Nephrolithiasis und Prostataerkrankungen noch im experimentellen bzw. präklinischen Stadium“, stellte Prof. DDr. Hartwil Wilhelm Bauer, Facharzt für Urologie und Andrologie an der Ludwig Maximilians Universität München fest. Die intestinale Mikrobiota beeinflusse die Gesundheit, auch jene des Urogenitaltrakts, stärker als dies heute vorstellbar sei, so Bauer. Störungen der intestinalen Mikrobiota werden beispielsweise durch Erkrankung, Haustiere, Antibiotika, Reisen und Hormone verursacht. Eine Entwicklung der modernen Ernährung, die viel zu wenig beachtet werde, sei beispielsweise der Einsatz von Zuckerersatzstoffen. Die fehlende Zuckerzufuhr führe dazu, dass die Bakterien im Darm zu wenig Nahrung erhalten und damit ihre Funktion nicht optimal wahrnehmen können.

Auch die Wirksamkeit von Medikamenten ist abhängig von der Mikrobiota, ein Umstand, der, so Bauer, ebenfalls noch zu wenig beachtet werde. Im Bereich der Allergien führe die geschädigte Darmschleimhaut zu erhöhter Durchlässigkeit von Histamin und reduzierter Immunabwehr.

Für Entzündliche Darmerkrankungen und Reizdarm konnte nun ein Mangel an Faecalibacterium prausnitzii als eng verbunden festgestellt werden. Daher ist F. prausnitzii nun ein wichtiger Akteur in der Entwicklung neuer präventiver und kurativer Strategien für gastrointestinale Störungen, berichtete Dr. Philippe Langella, Research Director INRA, Jouy en Josa, Paris: „Wir sind sehr nahe daran, entsprechende Formulierungen für die praktische Anwendung zu produzieren und werden damit bald in die klinische Testung gehen.“

Probiotika können auch die Darm-Leber-Achse positiv beeinflussen, stellte Prof. Dr. Veronika Stadlbauer-Köllner, Klin. Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie, MedUni Graz, fest. Störungen im Lebermetabolismus können durch Alkohol verursacht werden, der zu einer gestörten Darmmotilität, zu einer gestörten Magensäuresekretion und zu einer veränderten Immunantwort führe. Auch das Mikrobiom, so Stadlbauer-Köllner, werde durch Alkohol verändert. Probiotika werden daher bei Leberzirrhose zur Verbesserung der Leberfunktion, zur Behandlung der hepatischen Enzephalopathie sowie zur Infektionsprophylaxe eingesetzt.

Quelle: Internationales Symposium: Probiotika in Prävention und Therapie – 2015, 5. Dezember 2015, Wien, veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben