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Innere Medizin 23. November 2015

Unverdaut durch den Darm

Studie an der MedUni Wien: Eine Magenverkleinerung erhöht die Allergiewahrscheinlichkeit im Darm.

Magenverkleinerungen können bei betroffenen Patienten das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, mitunter deutlich erhöhen. Wird ein Großteil des Magens entfernt, gelangen Nahrungsbestandteile quasi „unverändert“ in den Darm, da nicht mehr ausreichend Verdauungssäfte gebildet werden. Dadurch steigt das Risiko für Allergien.

Die Studie wurde im Zuge von endoskopischen Magenverkleinerungen von stark adipösen Patienten durchgeführt. „Operiert wird ab einem Body-Mass-Index von 35 Kilogramm pro Quadratmeter mit weiteren bestehenden Erkrankungen und ab einem BMI von 40 Kilogramm pro Quadratmeter ohne Komorbiditäten. Und je nach Vorbefunden – die Vorbereitungszeit dauert etwa vier bis sechs Monate – sowie nur mit gültiger OP-Freigabe wird operiert“, erläutert Untersmayr-Elsenhuber anlässlich des Welttags des Darms am 7. November.

Der Magen von stark adipösen Menschen ist meist nicht viel größer als jener von Normalgewichtigen und fasst etwa 1,2 bis 1,6 Liter. „Doch die späte Ausdehnung und somit die Sättigung unterscheidet sich deutlich – sie müssen und können mehr essen“, sagt die Immunologin, die sich seit 2001 der Untersuchung von Risikofaktoren für Allergieentwicklung und der Entwicklung neuer Therapien verschrieben hat.

Verdauungssäfte reichen nicht

Nach der Magenverkleinerung beträgt das Magenvolumen allerdings nur noch 15 bis 25 Milliliter. Für die Patienten bringt die OP eine wesentliche Steigerung der Lebensqualität, verlieren sie doch innerhalb kurzer Zeit sehr viel Körpergewicht. Doch der „Restmagen“ ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Verdauungssäfte zu produzieren und so die aufgenommene Nahrung zur Gänze in ihre Bestandteile zu zerlegen, die nun „unverändert“ in den Darm gelangt. Da dieser als Ort der Entstehung von Allergien angesehen wird, steigt nun die Gefahr für allergische Reaktionen.

Dementsprechend aufwändig ist die postoperative Behandlung der Patienten, die das Krankenhaus meist schon zwei bis drei Tage nach dem Eingriff wieder verlassen können. Für die Studie wurden insgesamt 34 verschiedene Allergene getestet. Sonst werden routinemäßig alle drei Monate Vitamine, Folsäure, sämtliche Hormone inklusive Schilddrüsenwerte sowie Eisen regelmäßig kontrolliert. Nach einem Jahr folgen Kontrollen im Jahres-Rhythmus – ein Leben lang. „In Zukunft sollte aber auch das Allergierisiko bedacht und die Patienten entsprechend medizinisch betreut werden“, sagt Untersmayr-Elsenhuber.

Wie wichtig die richtige Ernährung und damit der Magen-Darm-Trakt zur Vorbeugung von Allergien ist, betont die MedUni Wien in einer gemeinsamen Broschüre mit dem Interuniversitären Messerli Forschungsinstitut Wien (Vetmeduni Vienna). Neben längst allgemein gültigen „No-Go’s“ wie Rauchen und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, zählen auch ausschließliches Stillen bis zum vierten Lebensmonat, der Verzicht auf allergenarme Diät (außer bei bestehenden Allergien), die Vermeidung von Kaiserschnittgeburten und Antibiotika-Gaben (außer wenn medizinisch notwendig) zu den empfohlenen Präventionsmöglichkeiten.

MedUni Wien, Ärzte Woche 48/2015

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