zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 20. November 2015

Weniger ist mehr

Ein Eiweißmolekül hemmt die Eisenaufnahme stärker als vermutet.

Wird Eisen therapeutisch in zu rascher Folge verabreicht, könnte es weniger Wirkung haben, wie eine Schweizer Studie zeigt. Schuld daran ist ein kleines, eiweißähnliches Molekül.

Bei Blutarmut steckt oft ein Eisenmangel dahinter. In dem Fall werden den Person – meist ist das eine Frau – Eisentabletten zur täglichen Einnahme verschrieben. Bei starkem Mangel wird die Dosis auf mehrere Tabletten täglich erhöht. Eine Studie zeigt auf, dass der Körper Eisen, das ihm im 24-Stunden-Rhythmus zugeführt wird, möglicherweise gar nicht in den gewünschten und benötigten Mengen aufnehmen kann.

Schuld daran ist ein kleines, eiweißähnliches Molekül: Hepcidin. Sobald der Körper Eisen erhält, setzt in der Leber die Hepcidin-Produktion ein. Das Eiweiß gelangt dann über das Blut auch in den Darm. Dort reguliert es u. a., wie viel Eisen aus dem Nahrungsbrei in den Körper aufgenommen wird. Wie ein Forscherteam der ETH Zürich zeigt, hemmt Hepcidin bei der Eisensupplementierung die Eisenaufnahme im Darm stärker als bisher angenommen. In ihrer Studie untersuchten sie über 50 junge Frauen, deren Eisenvorrat erschöpft war, die jedoch noch nicht an Blutarmut litten. Die Frauen erhielten eine tägliche Dosis von mindestens 40 mg Eisen, wie sie üblicherweise bei Eisenmangel verabreicht wird. Danach wurde überprüft, wie sich die Hepcidin-Konzentration entwickelte, und quantifizierten deren Effekt auf die Absorption der nachfolgenden Eisendosen.

Dabei zeigte sich, dass die Hepcidin-Konzentration nach sechs bis acht Stunden ihren Höhepunkt erreichte, aber auch 24 Stunden nach der ersten Eisengabe noch immer in genügend hohen Mengen vorlag, um die Aufnahme der zweiten Eisendosis markant zu reduzieren. Diese zweite Dosis, die entweder schon am gleichen Tag oder 24 Stunden nach der ersten verabreicht wurde, konnte der Körper demnach verglichen mit der ersten Gabe nur in verminderter Menge absorbieren.

Bei der herkömmlichen Eisensupplementierung treten oft unerwünschte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden auf. Diese stehen in einem engen Verhältnis zur verabreichten Eisenmenge und sind mit ein Grund, weshalb viele Patientinnen die Eisenergänzung abbrechen. Könnte man die Absorptionseffizienz verbessern, wäre es möglich, mit einer kleineren Eisendosis einen größeren biologischen Effekt zu erzielen, und dies bei verminderten Nebenwirkungen. Die Autoren räumen jedoch ein, dass die Aussagekraft der Studie aus zwei Gründen begrenzt ist: Bei den Testpersonen handelte es sich ausschließlich um gesunde, junge Frauen, und die Eisenabsorption wurde nur während zwei Tagen untersucht. Wie sich die HepcidinKonzentration während einer mehrwöchigen Eisensupplementierung verhält, wird in einer Folgestudie untersucht.

Originalpublikation: Moretti D et al. Blood 2015; 126:1981–1989

DOI: 10.1182/blood-2015-05-642223

ETH Zürich, Ärzte Woche 47/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben