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Innere Medizin 5. Oktober 2015

Allopurinol in Hochdosis

Gicht-Therapie: ein Blick nach Mexiko.

In Mexiko wird Allopurinol bis in den Gramm-Bereich auftitriert. Es gibt dort allerdings keine Alternative zu der Substanz.

Bei schwerer Gicht müssen die Harnsäurewerte runter, um Tophi abzuschmelzen und die Gelenkfunktion zu erhalten. Viele Patienten der Rheumatologin Dr. Janitzia Vazques Mellado aus Mexiko-Stadt haben eine schwere Gicht. Oft seien sie jünger als 40 Jahre, und die Serum-Harnsäurewerte lägen meist über 8 mg/dl.

Die Rheumatologin präsentierte beim EULAR-Kongress in Rom Fallbeispiele, in denen Allopurinol in hohen Dosen eingesetzt wurde. Bei einem Patienten mit schwerer tophöser Gicht gelang mit der Verdoppelung der Allopurinol-Tagesdosis von 300 auf 600 mg eine Harnsäuresenkung von 9,7 auf rund 4 mg/dl. Bei einem 24-jährigen Patienten mit schwerster Gicht, multiplen Gelenk- und intradermalen Tophi wurde Allopurinol sogar bis auf eine Dosis von 1,2 g/d gesteigert.

Die Rheumatologin aus Mexiko schien jedoch wenig beunruhigt bei solch hohen Dosierungen und präsentierte Studien zum Beispiel aus dem Iran, in denen Allopurinol mit über 2 g/d eingesetzt wurde. Allerdings gegen protozoische Parasiten wie Leishmania und nicht langfristig.

Auch eine allergische Reaktion auf Allopurinol, die bei etwas mehr als zwei Prozent ihrer Gicht-Patienten auftritt, bedeutet in Mexiko noch kein Aus für die Substanz. Dann beginnt Vazques Mellado mit einer Desensibilisierung. Gestartet wird mit 50 μg. Nach der Desensibilisierung würden die Patienten Allopurinol in Dosen bis zu 800 mg/d tolerieren.

Hierzulande dürften die meisten Ärzte allerdings kaum über 300 mg Allopurinol pro Tag gehen. Der Wunsch der Kollegin aus Mexiko war denn auch, andere Substanzen als Alternative oder als Kombinationspartner zu haben, beispielsweise Febuxostat oder Probenecid.

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