zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 15. September 2015

Mythos oder Wahrheit – Ist Joggen schlecht fürs Knie?

Ob Joggen den Knien schadet, ist seit jeher umstritten. Sportmediziner haben die aktuelle Studienlage jetzt  intensiv unter die Lupe genommen.

„Die Frage, ob Hobbyläufer eine  Kniearthrose riskieren, entzieht sich  einer definitiven Antwort.“ So lautet  das Fazit eines Übersichtsartikels von  Sportmedizinern um Dr. Richard Leech  (University of Nottingham), betreffend  den Einfluss des Joggens unterhalb der  Schwelle zum Leistungssport auf pathologische Veränderungen im Kniegelenk  (Br J Sports Med 2015, online 28. Juli). Denn die Studienlage zu Knieproblemen von Freizeitläufern krankt an methodischen Mängeln. Einer dieser Mängel: Joggen ist bisher relativ selten separat untersucht worden. Meist taucht es  in einer Liste von sportlichen Aktivitäten  bestimmter Intensität auf, die dann eine  Gruppenanalyse durchlaufen. Sofern sich dann am Ende eine Risikoerhöhung ergibt, bezieht sie sich nicht aufs Laufen allein. Hinzu kommt,  dass die Kriterien für die Laufbelastung und die Diagnose einer Arthrose variieren. Wo explizit das Joggen unter die  Lupe genommen wurde, haben die beteiligten Forscher zumeist keinen Zusammenhang zwischen der sportlichen  Kniebelastung und dem Arthroserisiko  gefunden. Anders stellte sich die Lage  für Langstrecken laufende Leistungssportler dar: Sie tun ihren Knien nichts  Gutes und tragen ein signifikant erhöhtes Arthroserisiko.  

Wie viel Laufen ist noch gesund? „Wie  sich die Kurve gestaltet, die ein Bild des  höheren oder niedrigeren Arthroserisikos je nach Laufbelastung zeichnet, ist  unbekannt“, schreiben Leech und Mitarbeiter. Kann man auch zu viel laufen?  Und wenn ja, wie viel Lauferei ist noch  gesund? Das Ermitteln einer Dosis-Wirkungs- Beziehung und individualisierter Risiken für das Laufen wäre nach Ansicht  der Sportmediziner bahnbrechend. Dazu bedürfte es prospektiver longitudinaler Beobachtungsstudien, in die  dann auch jüngere Läufer einzubeziehen wären. Denn die Ergebnisse der gegenwärtigen Laufforschung sind systematisch  verzerrt, weil sie im Wesentlichen von  älteren Läufern stammen. All dies geben Leech und sein Team den Läufern  mit auf die Strecke. Sie gestehen durchaus zu, die vorhandenen Daten sprächen dafür, im Hobbylaufen keinen Risikofaktor für Arthrose zu sehen. Doch definitiv lässt sich das, wie erwähnt, nicht bestätigen. 

Quelle: Ärzte Zeitung/Robert Bublak

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben