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Innere Medizin 19. Jänner 2015

Neujahrskonzert: Das Publikum „atmete“ mit

Musik ist doch „ansteckend“. Eine Studie der MedUni Wien zeigt, dass Orchestermusiker und Zuhörer praktisch im selben Rhythmus atmen.

Zehn Musiker und zehn Zuschauer wurden während eines Konzerts mit Elektroden versehen. Das Ergebnis der EKG-Daten zeigt eine verblüffende Konformität des Atem-Rhythmus‘ zwischen Künstlern und Publikum.

„Das war ein unerwartetes Ergebnis“, sagt Prof. Dr. Klaus Laczika von der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien, Leiter der Studie und selbst Pianist. „Als Piano-Solist atmest du wie ein Sänger. Und drei der Zuhörer atmeten exakt gleich wie ich, obwohl sie das Konzert noch nie gehört hatten.“ Also atmeten höchstwahrscheinlich auch am Neujahrstag beim weltberühmten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker viele Zuhörer mit den Künstlern mit – vielleicht sogar viele tausende Zuseher an den Fernsehschirmen.

Musik als Therapie

Der Internist Laczika arbeitet an der MedUni Wien seit mehreren Jahren mit dem Einfluss der Musik auf die Vitalparameter des Menschen und insbesondere mit Musiktherapie und Musikmedizin auf der Intensivstation. „Jedes Mozart-Klavierkonzert ist eine Hochschaubahn sämtlicher menschlicher Existenzzustände, von Ekstase bis zu Friede und Humor, die mittels modernster Stressforschungstechnik sichtbar gemacht werden können“, erklärt Laczika. Dieses Sichtbarmachen von Stress und Entspannung ist auch bei schwerkranken Krebspatienten auf der Palliativstation möglich und kann in der Therapie eingesetzt werden.

Zusammenarbeit mit Wiener Philharmonikern

In einer weiteren Studie an der MedUni Wien spielten fünf Philharmoniker zwei Jahre lang regelmäßig für Patienten, die einer Stammzellentransplantation bzw. Knochenmarkstransplantationen unterzogen wurden. Der komplette Austausch der blutbildenden Zellen erfordert eine längere intensivmedizinische Behandlung mit erheblichen Belastungen für die Patienten. Mithilfe der Musik ist es nachweislich gelungen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Studienleiter Prof. Dr. Peter Kalhs zu den Ergebnissen: „Gefühle wie Freude und generell erhöhtes Wohlbefinden konnten wir in der Gruppe, die regelmäßig Musik vorgespielt bekam, viel stärker zeigen als in der anderen Kontrollgruppe.“

Die Studien resultieren aus einer langjährigen Partnerschaft der Universitätsklinik für Innere Medizin I und der Initiative Krebsforschung der MedUni Wien mit den Wiener Philharmonikern.

 

MedUni Wien, Ärzte Woche 4/2015

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