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Innere Medizin 1. Oktober 2014

Vom Verständnis des Pathomechanismus

Neue Moleküle, neue Indikationen, neue Formulierungen

Neue Moleküle, neue Indikationen, neue Formulierungen – in den nächsten vier und mehr Jahren plant der Pharmakonzern Novartis eine Fülle an neuen pharmazeutischen Entwicklungen auf den Markt zu bringen. Innovationen auf verschiedenen Ebenen sollen dem Patienten zugutekommen und damit auch den Erfolg des Unternehmens sicherstellen. Über die aktuellsten Projekte und grundlegende Strategien berichteten führende Forschungsmitarbeiter und Kooperationspartner von Novartis Anfang des Sommers in einem internationalen Medientreffen am Hauptsitz in Basel. 

Einer der tragenden Pfeiler des Erfolgs ist die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Klinik. Eine neue Entwicklung, um das Potential neuer Substanzen bestmöglich auszuschöpfen, ist die parallele Erprobung in unterschiedlichen Indikationen. Die bisher geübte Vorgangsweise, eine neue Substanz zunächst in einer Indikation und erst Schritt für Schritt in anderen Anwendungsgebieten einzusetzen, macht der neuen Strategie Platz. „Damit kann die ganze Bandbreite genützt werden“, so Wright: „Es hilft dem Patienten früher.“ So wird beispielsweise für 2016 die Zulassung für sieben neue Moleküle, acht neue Indikationen und eine neue Formulierung von Novartis erwartet, für den Zeitraum 2014 bis 2018 stehen 33 neue Moleküle, 29 neue Indikationen und zwei neue Formulierungen auf dem Programm. Am Anfang der Entwicklung neuer Substanzen, so Tim Wright, Leiter der weltweiten Forschung von Novartis, stehe das Verständnis des molekularen Pathomechanismus. Als Beispiel nannte Wright den monoklonalen Antikörper Secukinumab, der gegen IL-17 gerichtet ist. Aufgrund dieses Wirkmechanismus wurde der Wirkstoff zur Behandlung der Psoriasis eingereicht, für die Indikationen Psoriasis Arthritis, rheumatoide Arthritis und ankylisierende Spondylitis werden derzeit jeweils Phase III-Studien durchgeführt, für die Indikation Asthma eine Phase II-Studie.

Krebs: Immunsystem unterstützen, Resistenzen überwinden

Im Bereich der Onkologie investiert Novartis als zweigrößtes onkologisches Unternehmen weltweit jährlich etwa zwölf Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung, berichtete Alessandro Riva, Leiter der Onkologischen Entwicklung. Das grundsätzliche Problem bei der Suche nach wirksamen Substanzen sind die vielfältigen onkopathogenen Mechanismen, die die Behandlung onkologischer Erkrankung schwierig machen. Am meisten Erfolg versprechend sind derzeit zwei Therapieansätze: Die Immuntherapie und die zielgerichtete Therapie und Überwindung der Resistenz. In ein neues Stadium der Entwicklung im Bereich der Immuntherapie ist der Adoptive Zell Transfer (ACT) getreten. Dabei werden T-Zellen des Patienten entnommen und so verändert, dass sie chimärische Antigenrezeptoren (CAR) produzieren, die spezielle Angriffsziele auf der Krebszelle erkennen und zerstören. Dann werden diese CAR T-Zellen expandiert und wieder in den Körper infundiert, wo dieser Mechanismus aktiv wird und die unkontrollierte Ausbreitung der malignen Zellen damit gestoppt wird. Studie überprüfen derzeit die Umsetzung dieses Konzepts in die Praxis.

„Path to Cure“

Zielgerichtete Therapien werden bereits für solide Tumoren und hämatologische Erkrankungen erfolgreich eingesetzt. So hat beispielsweise der spezifische BCR- ABL-Tyrosinkinase-Inhibitor Nilotinib dazu geführt, dass die zuvor tödlich verlaufene chronisch myeloische Leukämie (CML) in eine chronische Erkrankung mit guter Lebensqualität transformiert wurde. In einem nächsten Schritt wird nun untersucht, ob die Therapie auch abge - setzt werden kann, nachdem ein tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen erreicht worden ist. Unter dem Motto „Path to Cure“ unterstützt Novartis acht therapiefreie-Remissions Studien in 30 Ländern mit insgesamt mehr als 2500 Patienten. Um im Zusammenhang mit der anhaltenden Krankheitskontrolle auch sehr niedrige Spiegel von BCR-ABL, dem defekten Gen des Philadelphia Chromosoms, das bei 95 P rozent der Patienten mit CML zu finden ist, messen zu können, wird derzeit ebenso an der Entwicklung verbesserter und empfindlicherer Tests gearbeitet. Für die Vermeidung bzw. Überwindung von Resistenzen werden auch Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Therapieansätze erprobt.

Ein weites Forschungsfeld

Im Bereich „Seltene Erkrankungen“ arbeitet man bei Novartis derzeit an mehr als 40 Projekten unter denen beispielsweise der Bereich muskuloskelettale Erkrankungen einen Schwerpunkt darstellt. Diese Gruppe von Erkrankungen ist der Hauptgrund für Einschränkungen und Beeinträchtigungen der Lebensqualität. Mit dem vollständig humanen HuCAL-Antikörper Bimagrumab wird der Typ II Aktivinrezeptor blockiert, wodurch die natürlichen Liganden wie Myostatin und Activin den Rezeptor nicht mehr besetzen können und die Signale der Moleküle, die das Muskelwachstum hemmen, damit blockiert werden: Der Muskel wächst weiter. Untersucht wird Bimagrumab u. a. in den Indikationen Sarkopenie, Tumor-assoziierte Kachexie bei Pankreas Ca und NSCLC, COPD und bei künstlich beatmeten Patienten. Weitere Forschungsgebiete mit neuen Substanzen stellen derzeit sowohl die akute als auch die chronische Herzinsuffizienz, die Psoriasis, die Multiple Sklerose sowie die Altersbedingte Makuladegeneration dar.

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