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Prof. Dr. Florian Thalhammer Stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin an der Universitätsklinik für Innere Medizin I der Medizinischen Universität Wien
 
Innere Medizin 22. September 2014

„Ich liebe die Pro-und-Kontra-Sitzungen“

Die ÖGIM setzt auf praxisrelevante Fortbildung und Konfrontationssitzungen.

Die diesjährige Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) findet erneut in Salzburg statt. Warum dabei Mozartkugeln keine Rolle spielten und wie die Posterausstellungen modernisiert wurden, weiß natürlich der ÖGIM-Tagungssekretär.

Tagungssekretär der ÖGIM 2014 Prof. Dr. Florian Thalhammer erklärt, warum sich der Kongress die Fortbildung auf die Fahnen geschrieben hat, dass er sich auf möglichst schlagfertige Pro-und-Kontra- Diskussionen freut und welche Anreize die ÖGIM für junge Kolleginnen und Kollegen bereithält, die den Kongress besuchen möchten.

Salzburg soll gemäß Vorstandsbeschluss jedes Jahr der Ort der Jahresversammlung sein. Keine Bedenken, dass sich Wien, Graz und Innsbruck furchtbar vernachlässigt fühlen? Oder wurden Sie mit Mozartkugeln bestochen?

Thalhammer:Nein, denn es hat sich gezeigt, dass Salzburg für alle Internistinnen und Internisten gut erreichbar ist, das Kongresszentrum die ideale Größe hat und der gute interdisziplinäre Meinungsaustausch sowohl von allen Teilnehmern als auch von den Sponsoren mehrfach gelobt wurde. Mozartkugeln haben keine Rolle gespielt, sie wären in der dafür notwendigen Menge auch nicht wirklich der Gesundheit förderlich.

„Fortbildungsschiene + Hands-on-Kurse“ sind als neue Punkte des Kongresses vermerkt. Ist dies ein Zeichen dafür, dass man früher die praxisrelevanten Aspekte der Inneren Medizin vernachlässigt hat, und dass praxisorientierte Fortbildungsmöglichkeiten generell zu selten sind? Oder wir bereits in der Ausbildung bei der praktischen Wissensvermittlung ein Problem haben?

Thalhammer: Keine Ihrer konspirativen Vermutungen trifft zu. Tatsache ist, dass die ÖGIM mit den Fortbildungsseminaren in Krems als auch der Veranstaltungsserie FLIP, regelmäßig bei stets hohen Teilnehmerzahlen hervorragendes Feedback erhalten. Basierend auf diesen guten Erfahrungen wollten wir – Kongresspräsident und Präsident der ÖGIM Prof. Dr. Herbert Watzke und ich – beginnend mit der heurigen Jahrestagung das breite Angebot an qualitativ hochwertiger Fortbildung um eine weitere, anders strukturierte Möglichkeit erweitern. Die laufenden Anmeldungen bestätigen unsere Entscheidung.

Sind Sie generell zufrieden mit der Qualität der eingereichten Arbeiten oder könnte man sich hier noch steigern?

Thalhammer: Steigern kann man sich immer, insbesondere da Abstracts primär bei den spezifischeren beziehungsweise bei internationalen Kongressen eingereicht werden. Für einen nationalen Kongress sind wir mit den Abstract-Einreichungen sehr zufrieden. Bei der Präsentation derselben gehen wir heuer übrigens einen neuen Weg, da es – wie international inzwischen üblich – eine elektronische Posterausstellung geben wird.

Die drei besten Poster sollen mit 1.000 Euro prämiert werden. Wer entscheidet eigentlich über die Qualität der Poster?

Thalhammer: Es wird eine kleine Jury vor Ort geben, die sich die Präsentationen anhört und anschließend entscheiden wird. Das Poster mit den meisten Punkten gewinnt.

Auf welche Vorträge freuen Sie sich besonders?

Thalhammer: Mein Interesse gilt natürlich einerseits den fachnahen Vorträgen, die mit Infektionen und Tropenmedizin Berührungspunkte haben, sowie andererseits der Gesellschaftssitzung der Österreichischen Gesellschaft für Angiologie, da diese ihr heuriges Symposium in Pro-und-Kontra-Diskussionen aufgelöst hat.

Apropos pro und kontra: Zum Thema Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori ist eine Pro-und-Kontra-Session angekündigt. Erhoffen Sie sich hier und auch auf anderen Gebieten hitzige Gefechte?

Thalhammer: Ich liebe Pro-und-Kontra-Sitzungen. Wenn diese von beiden Diskutanten gut aufbereitet sind, gibt es bei einem pointierten, aber freundschaftlichen Schlagabtausch einen enormen Erkenntnisgewinn für die Teilnehmer. Zusätzlich kommen sie in den Genuss einer hochwertigen medizinischen Unterhaltung. Für die Referenten ist diese Form der Präsentation allerdings schwieriger als ein normaler Plenarvortrag.

Der Kongress ist für drei Tage anberaumt. Haben Sie das Gefühl, allen Themen ausreichend Zeit eingeräumt zu haben, oder hätten Sie noch einige Tage mehr füllen können?

Thalhammer: Die Innere Medizin ist ein sehr breites Fach, und in drei Tagen kann man sicher nicht alle Themen präsentieren, insbesondere da wir allzu viele Parallelveranstaltungen vermeiden. Da die Programmgestaltung gemeinsam mit den Teilgesellschaften erfolgt – siehe Tandemsitzungen –, können wir jedoch gewährleisten, dass die Hot-Topics nicht zu kurz kommen. Man muss auch bedenken, dass eine längere Kongressdauer kein Ausweg wäre, weil die Kolleginnen und Kollegen ja nicht so einfach eine Woche ihre Praxis schließen oder vom Krankenhaus fernbleiben können.

Sind junge und ältere Semester gleichermaßen vertreten? Gibt es spezielle Anreize für jüngere Kollegen und Kolleginnen?

Thalhammer: Ja, für die Junginternistinnen und Junginternisten stellt die ÖGIM für die Teilnahme an der Jahrestagung Stipendien zur Verfügung. Des Weiteren wird für die jungen Kollegen, sofern sie sich entschließen, der ÖGIM beizutreten, für zwei Jahre in Kooperation mit einem Sponsor die Mitgliedsgebühr übernommen.

Im Rahmen der Kongresseröffnung hat ein Vortragender das Thema „Primary Health Care – eine Chance für Internisten“ gewählt. Was kann man sich darunter vorstellen: Internisten als Allgemeinmediziner?

Thalhammer: Wie Sie wissen, wird die Facharztausbildung in allen Fächern derzeit nach EU-Konformität ausgerichtet. Hier gab es in der Vergangenheit und gibt es derzeit noch viele Diskussionen. Es sollen die Spitalsambulanzen entlastet und die Patientenströme vermehrt in Gruppenpraxen gelotst werden. Hier gibt es – wie den Medien nahezu täglich zu entnehmen ist - viele Diskussionen. Der Bundesgruppenobmann der Internisten wird dies skizzieren.

Das Gespräch führte Dr. Lydia Unger-Hunt.

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