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Innere Medizin 1. Dezember 2007

Gastroösophageale Refluxkrankheit bei Diabetikern: eine systematische Übersicht

GRUNDLAGEN: Diabetes mellitus (DM) und die Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) sind in der westlichen Welt durch eine rasch steigende Inzidenz charakterisiert, die enorme Kosten verursachen. DM betrifft etwa 10% der Bevölkerung, während GERD-Symptome und Refluxösophagitis bei rund 40% bzw. 20% beschrieben wurden. METHODIK: Dieser Übersichtsartikel fasst den derzeitigen Wissensstand über GERD bei Diabetikern zusammen und legt ein besonderes Augenmerk auf Symptome, diagnostische Ergebnisse, pathophysiologische Zusammenhänge und Therapieoptionen. Der Evidenzgrad ist gering, da es sich bei den meisten Arbeiten um Fall-Kontrollstudien mit limitierter Patientenzahl (Evidenz-Level IIIb) und Fallserien (Evidenz-Level IV) handelt. ERGEBNISSE: Refluxsymptome werden bei rund 50% der Diabetiker beschrieben, wobei sie bei Patienten mit oraler antidiabetischer Therapie am stärksten ausgeprägt sind. Lang bestehende Krankheitsdauer, schlechte Blutzuckereinstellung mit erhöhten HbA1c-Werten und Übergewicht verstärken diese Beschwerden. Die erosive Ösophagitis betrifft mehr als 40% der Diabetiker mit einer höheren Prävalenz bei Vorliegen einer autonomen Neuropathie. PH-metrische Untersuchungen waren bei bis zu 90% symptomatischer Refluxpatienten pathologisch, während bislang widersprüchliche manometrische Ergebnisse beschrieben wurden. Vermehrte Magensäure-, verminderte Bikarbonat- und Speichelsekretion, gesteigertes Auftreten von transienten Sphinkterrelaxationen und ein verminderter Tonus des unteren Ösophagussphinkters sind an der Entstehung der Refluxkrankheit ebenso beteiligt wie verminderte Ösophagus- und Magenmotilität. Überdies ist die Heilung von Schleimhautverletzungen bei Diabetikern verzögert. Daten zur Therapie der GERD bei Diabetikern mittels Protonenpumpenihibitoren sind ebenso wenig verfügbar wie Studien über die interventionelle oder chirurgische Behandlung dieser Patienten. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Es gibt einige Hinweise dafür, dass Diabetes, unabhängig von Adipositas, ein Risikofaktor für die Entstehung der GERD ist. Spezifische pathophysiologische Mechanismen sind für die Genese der GERD bei Diabetikern von Bedeutung, was die Notwendigkeit weiterer Studien unterstreicht.

R. Promberger, M. Gadenstätter, R. Ciovica, G. Schwab, C. Neumayer, European Surgery

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