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Innere Medizin 17. April 2014

Rechtzeitig aufhören

Betablocker-Therapie bei Leberzirrhose: Therapie-Ende zum richtigen Zeitpunkt kann die Überlebensdauer erhöhen.

Die Therapie mit Betablockern ist bei einer Leberzirrhose bis zu einem gewissen Krankheitsstadium sinnvoll, danach verringert sie die Lebenserwartung jedoch deutlich. Bestehende Therapiepläne sollten deshalb den aktuellen Erkenntnissen angepasst werden. Das ist die Kernaussage einer aktuellen Studie der MedUni Wien.

Im Rahmen der soeben im TopJournal Gastroenterology, dem führenden Journal des medizinischen Fachbereichs erschienenen Studie untersuchte das Team der Vienna Portal Hypertension Study Group um Dr. Mattias Mandorfer und Prof. Doz. Thomas Reiberger , Universitätsklinik für Innere Medizin III der Medizinischen Universität Wien den Einfluss der Betablockertherapie auf das Auftreten von Komplikationen und das Überleben bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose.

Erforscht wurden in der Arbeit die Effekte einer Betablockertherapie an 607 PatientInnen mit Leberzirrhose und Bauchwassersucht, einer schweren Komplikation infolge einer Leberzirrhose. Aufgrund der Studienresultate sollte bei Auftreten einer Bauchwasserinfektion eine sofortige Beendigung der Betablockertherapie erfolgen.

Neue Definition des therapeutischen Fensters für Betablocker

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen , dass im Gegensatz zu bisherigen Empfehlungen die Therapie mit Betablockern nur bis zu einem gewissen Krankheitsstadium zu empfehlen ist. Um welchen Zeitpunkt es sich dabei handelt, erklärt Mandorfer folgendermaßen: „Die Arbeit zeigt, dass das Auftreten einer Bauchwasserentzündung das therapeutische Fenster der Betablockertherapie schließt. Andernfalls verkürzt sich bei dieser Gruppe von Patienten aufgrund von Nebeneffekten wie ausgeprägtem Blutdruckabfall und Nierenfunktionseinschränkung die Überlebensdauer deutlich.“

Betablocker: erwünschte und unerwünschte Wirkungen

Bei der Reduktion des Blutdrucks im Pfortaderkreislauf handelt es sich um eine erwünschte Wirkung der Betablockertherapie, weshalb Betablocker seit Jahrzehnten zur Therapie des Pfortaderhochdrucks bei Patienten mit Leberzirrhose eingesetzt werden. Denn der Großteil der schwerwiegenden Komplikationen, die bei Patienten mit Leberzirrhose auftreten, wird durch die Entstehung eines Pfortaderhochdrucks ausgelöst. Neben der Therapie der Grunderkrankung sind Betablocker derzeit die einzige medikamentöse Behandlungsoption gegen Pfortaderhochdruck.

Die Kehrseite der Medaille: Während Patientinnen und Patienten mit einer frühen oder nicht sehr weit fortgeschrittenen Leberzirrhose in der Regel normale oder nicht maßgeblich erniedrigte Blutduckwerte aufweisen und dadurch über eine ausreichende Blutdruckreserve verfügen, leiden Patienten mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose in der Regel bereits ohne Betablockertherapie an einem deutlich erniedrigten Blutdruck.

Bauchwasserinfektion verstärkt die Belastung des Kreislaufs

Eine hinzutretende Bauchwasserinfektion verstärkt die Belastung des Kreislaufs erheblich. Dazu Thomas Reiberger der Vienna Portal Hypertension Study Group: „Die zusätzliche Entwicklung einer Bauchwasserinfektion stellt eine ausgeprägte Kreislaufbelastung dar. Patientinnen und Patienten mit einer solchen Infektion wiesen in unserer Studie deutlich niedrigere Blutdruckwerte als Patienten ohne Betablockertherapie auf.“ Als Folge entwickelten Patienten mit einer Betablockertherapie zum Zeitpunkt der Bauchwasserentzündung deutlich häufiger lebensbedrohliche Komplikationen, insbesondere Einschränkungen der Nierenfunktion.

 

Literatur:

Non-selective ß Blockers Increase Risk for Hepatorenal Syndrome and Death in Patients with Cirrhosis and Spontaneous Bacterial Peritonitis.“ Mandorfer M, Bota S, Schwabl P, Bucsics T, Pfisterer N, Kruzik M, Hagmann M, Blacky A, Ferlitsch A, Sieghart W, Trauner M, Peck-Radosavljevic M, Reiberger T: Gastroenterology 2014 Mar 12. pii: S0016-5085(14)00306-0. doi: 10.1053/j.gastro.2014.03.005. [Epub ahead of print]. PMID 24631577.

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