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Innere Medizin 1. Juni 2007

Bedeutung des multidisziplinären Tumorboards in der Diagnostik und Behandlung des Ösophaguskarzinoms

GRUNDLAGEN: Diese Arbeit beschreibt Design und Betrieb eines interdisziplinären, täglichen Tumorboards unter besonderer Berücksichtigung von Patienten mit Ösophaguskarzinom. METHODIK: Das tägliche Tumorboard wurde mittels einer intranetbasierten Datenbank realisiert. Alle PC's der Klinik mit Netzzugang können diese über einen Standard-Internet-browser ansprechen. Lokale Therapierichtlinien wurden durch Disease Management Teams implementiert. UICC TNM Klassifikation, Behandlungskonzepte und perioperative Risikofaktoren sowie psycho-onkologische Stressfaktoren wurden prospektiv dokumentiert. In dieser Analyse wird zudem überprüft, inwieweit Tumorboardentscheide auch eingehalten werden und wie häufig die Expertenmeinung den initialen Therapieplan verändert. ERGEBNISSE: 6076 Patienten (900/Jahr, 64% Männer, medianes Alter 62 Jahre) wurden zwischen 9/1999 und 6/2006 in die Cancer center Datenbank aufgenommen. 1238 Patienten (20.4%) wurden mit der Diagnose Ösophaguskarzinom und 1212 mit Magenkarzinom (19.9%) eingeschlossen. Die primäre Intention bei Anmeldung zum Tumorboard war überwiegend kurativ, diese jedoch am höchsten in der Gruppe mit Adenokarzinomen (AEG, 79.2%) und am niedrigsten in der Gruppe mit zervikalen Plattenepithel-karzinomen (SCC, 67.5%). Die Rate von nicht-fortgeschrittenen Tumoren (T1/T2) im Gesamtkollektiv ist mit 18.5% niedrig. Das Board hat es überwiegend mit fortgeschrittenen Karzinomen zu tun, die einer multimodalen Behandlung bedürfen. Daten zum perioperativen Risiko, der psycho-onkologischen Basisdokumentation ergeben interessante Unterschiede zwischen den Tumorentitäten. In mehr als 95% der Fälle werden Entscheidungen des Tumorboards auch umgesetzt. Selbst in einem High-Volume Center werden nach einigen Jahren Tumorboard-laufzeit immer noch mehr als 15% der Therapiepläne verworfen und mehr als 21% modifiziert. Der Anteil neoadjuvanter Therapieverfahren stieg im Untersuchungszeitraum stetig an. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das tägliche Tumorboard hat sich an unserer Klinik bewährt und wird als sehr nützlich mit einem besonderen Benefit für Patienten mit Ösophaguskarzinom eingeschätzt, weil neoadjuvante Therapiekonzepte und Responseevaluation nur im interdisziplinären Kontext optimal gesteuert werden können.

R. Bumm, M. Feith, F. Lordick, P. Herschbach, J. R. Siewert, European Surgery

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