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Innere Medizin 1. August 2008

Inzidenz und Vorhersagbarkeit der Amiodaron-induzierten Schilddrüsenfunktionsstörungen

EINLEITUNG: Ziel dieser Studie war die Erfassung von Inzidenz und Prädiktabilität der Amiodaron-induzierten Hyperthyreose (AIT) und Hypothyreose (AIH) bei Patienten mit Kardiomyopathie. METHODEN: 72 Patienten (mittleres Alter 69 ± 11 Jahre) aus einem ehemaligen Jodmangelgebiet wurden hinsichtlich der Schilddrüsenfunktionsparameter vor, während und nach einer Amiodarontherapie untersucht. Alle Patienten wurden dabei zum ersten Mal mit Amiodaron behandelt. Der mediane Beobachtungszeitraum betrug 8 Monate bei 71 (98,6%) Patienten. ERGEBNISSE: Nur 18 von 72 Patienten (25,0%) hatten eine morphologisch unauffällige Schilddrüse. Die Prävalenz der Schilddrüsenfunktionsstörungen vor Amiodarontherapie betrug 37,6% (27 von 72) mit gleichem Verhältnis von Hypo- und Hyperthyreose (14 bzw. 13 Fälle). Eine Funktionsstörung nach Therapiebeginn wurde bei 56,8% (25 von 44) der Patienten ohne präexistente Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert. Davon entwickelten 36,0% (9 von 25) der Patienten entweder eine subklinische oder klinisch manifeste AIH, 64,0% (16 von 25) eine subklinische oder manifeste AIT. Der Anteil der Patienten mit normaler Schilddrüsenfunktion sank von 61,1% (44 von 72) vor Therapiebeginn auf 26,7% (19 von 71, p < 0,001) unter Therapie. Die Entwicklung beider Funktionsstörungen war weder mit einer Schilddrüsenautoimmunerkrankung, dem 99mTc-Pertechnetat Uptake, höherem Lebensalter, Schilddrüsenautonomie noch einer abnormen Schilddrüsenmorphologie signifikant assoziiert. SCHLUSSFOLGERUNG: Es findet sich eine hohe Prävalenz von Schilddrüsenfunktionsstörungen bei älteren Patienten mit Kardiomyopathie, die mit Amiodaron behandelt werden. Über- oder Unterfunktion zeigten sich sowohl bei Patienten mit präexistenten Schilddrüsenfunktionsstörungen, als auch bei initial euthyreoten Patienten. Aufgrund der hohen Inzidenz von Schilddrüsenfunktionstörungen empfehlen sich regelmäßige Funktionskontrollen während und im Anschluss an eine Amiodarontherapie.

Andrea Hofmann, Clemens Nawara, Sedat Ofluoglu, Johannes Holzmannhofer, Bernhard Strohmer, Christian Pirich, Wiener klinische Wochenschrift

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