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Cochlea Implantat: Derzeit wird eine Variante entwickelt, bei der sich alle Elemente im Körper befinden.
 
HNO 19. September 2016

Neues bei Kopf und Kragen

HNO 2016. Neues zu Allergien, Hörimplantaten und Kehlkopfschrittmachernsowie Änderungen bei Mandeloperationen an Kindern und Ausgefallenes wie etwa das Usher Syndrom wurden auf dem Kongress diskutiert.

Letzte Woche trafen sich rund 650 Ärzte auf der 60. Jahrestagung der Österreichischen HNO-Gesellschaft um über Aktuelles zu diskutieren. Gute Nachrichten gab es beispielsweise im Bereich der Kehlkopfschrittmacher.

„Österreichische Kliniken sind an der Entwicklung des Kehlkopfschrittmachers maßgeblich beteiligt. Die erste Studie am Menschen konnte nun erfolgreich abgeschlossen werden“, berichtet Dr. Claus Pototschnig, Geschäftsführender Oberarzt der HNO-Klinik der MedUni Innsbruck. „Bestätigt sich bei weiteren Implantationen der Erfolg des Schrittmachers, ist davon auszugehen, dass viele betroffene Patienten wieder einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können und ihre Lebensqualität erheblich verbessert wird.“

Der diesjährige HNO-Kongress beschäftigte sich auch intensiv mit dem Themenbereich Allergien. Allergieprävention und neue Antikörper-Therapien werden ebenso besprochen wie speziellere Themen über Allergie und Schwangerschaft oder Innenraumallergene. Prof. Dr. Verena Niederberger-Leppin, Oberärztin an der Univ.-HNO-Klinik der MedUni Wien erläutert: „Auch wenn bei Allergien zuerst oft an andere medizinische Fachrichtungen gedacht wird, ist häufig der HNO-Arzt der Diagnosesteller und Erstbehandler bei der allergischen Rhinitis. Bei Patienten mit Nasensymptomen ist die Allergie immer eine Möglichkeit, aber nur durch den HNO-Arzt ist eine Abgrenzung gegen andere Nasenerkrankungen möglich.“

Mandeln werden bei Kindern seltener entfernt

Dr. Wilhelm Streinzer, HNO-Facharzt in Wien und HNO-Bundesfachgruppenobmann der Österr. Ärztekammer sprach über die Änderungen in der Mandel-OP-Technik: „Nach Todesfällen bei Mandeloperationen an Kindern in den Jahren 2006 und 2007 hat die Österreichische HNO Gesellschaft rasch reagiert und in einem Konsensuspapier ein Umdenken eingeleitet. Diese Veränderung kann nun auch mit wissenschaftlichen Zahlen belegt werden: Die Raten und Arten der Mandel-OPs haben sich entsprechend der Empfehlungen entwickelt.“ Die früher häufige Tonsillektomie wird bei Kindern heute deutlich seltener angewendet. Stattdessen wird der Tonsillotomie der Vorzug gegeben. Die Nachblutungsrate sei, laut Streinzer, bei der Verkleinerung der Gaumenmandeln deutlich geringer als bei der kompletten Ausschälung.

„Viele moderne Errungenschaften der Medizin kommen aus der HNO, zum Beispiel gelang es der HNO als erster Disziplin ein menschliches Sinnesorgan komplett zu ersetzen.“ So unterstreicht Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Vorstand der Univ.-HNO-Klinik der MedUni Wien, die Innovationskraft des Faches. Dank der konsequenten Weiterentwicklung der medizinischen Implantat-Technik stehen nun auch für spezielle und besonders herausfordernde Hör-Beeinträchtigungen Implantat- und Operationsmöglichkeiten zur Verfügung.

Bei Erkrankungen des Hörnervs kann nun das Implantat sogar direkt am Hirnstamm angekoppelt werden, um das Hören wieder zu ermöglichen. Laut Gstöttner ist es vor allem bei Kindern wichtig, das so eine Erkrankung am besten bereits nach der Geburt diagnostiziert wird. Mit einer Implantation bis zum zweiten Lebensjahr wird dem Kind, aufgrund der ausreichenden Plastizität des Gerhirns, ein „normales“ Erlernen der Sprache und damit ein normales Leben ermöglicht.

Mehr Awareness wird gefordert

Das Usher Syndrom ist eine erblich bedingte Hörsehbeeinträchtigung. Sie verläuft progredient und ist die häufigste Ursache für Taubblindheit. „Der HNO-Facharzt hat eine Schlüsselposition. Nach dem Neugeborenen-Hörscreening ist er der erste Ansprechpartner und die erste Chance auf eine zielgerichtete Diagnosestellung, welche im Falle von Usher Syndrom ausschließlich durch einen Gentest erfolgen kann. Er wirkt also nicht nur bei der Entscheidung über Hörgeräte (bei Schwerhörigkeit) oder Cochlea Implantate (bei Gehörlosigkeit) mit, sondern überweist auch zum Genetiker zur Abklärung der Ursache“, sagt Mag. Dominique Sturz, die stellvertretende Vorsitzende des neu gegründeten Forums für Usher Syndrom, Hörsehbeeinträchtigung und Taubblindheit.

Sollte nämlich beispielsweise im Gen von Connexin 26 eine Mutation vorliegen, müssten unbedingt die zwölf Gene, die für das Usher Syndrom relevant sind, analysiert werden. „Erst durch die Frühdiagnostizierung erhalten wir die so wichtige Gewissheit und die noch wichtigeren Zahlen für Gesundheits- und Sozialpolitik und für die Forschung.“

Public Health PR/PK, Ärzte Woche 38/2016

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