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HNO 26. Jänner 2015

Verschnupft

Pro Jahr durchlebt jeder Erwachsene in unseren Breitenkreisen im Durchschnitt zwei bis fünf Schupfenepisoden.

Die Rhinitis kann sowohl akut oder chronisch auftreten und führt als Entzündung der Nasenschleimhaut in erster Linie zu nasalen Symptomen wie Verlegung der Nasenatmung, Rhinorrhoe, Niesreiz und Juckreiz. Meist leiden die Betroffenen auch über Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Hält das zunächst lokale Geschehen länger an, kann es sich auf benachbarte Strukturen und Organe ausbreiten und auch einen Etagenwechsel vornehmen. Neben der infektiösen Herkunft kann dem Krankheitsbild auch eine allergische oder eine nicht allergische Ätiologie zugrundeliegen.

Akute infektiöse Rhinitis

Die akute infektiöse Rhinitis, bekannt als „banaler Schnupfen“, tritt meist im Rahmen einer Erkältung auf und ist in ihrer akuten Verlaufsform in der Regel ein harmloser Infekt. Nach lokaler Auskühlung der Nasenschleimhaut kommt es reflektorisch zur Minderdurchblutung der Nasenschleimhaut, wodurch die allgemeine Anfälligkeit für virale Infekte steigt. Auskühlung allein kann die Symptome allerdings nicht auslösen. Die Übertragung der Viren erfolgt auf Basis einer Tröpfcheninfektion, der eine Inkubationszeit von einigen Stunden bis mehreren Tagen folgt. In der Regel heilt die virale Verlaufsform innerhalb von zehn Tagen komplikationslos aus.

Vor allem bei länger anhaltenden Symptomen ist eine bakterielle Superinfektion möglich, bei der die Nasennebenhöhlen mitbetroffen sind. Weitere mögliche Komplikationen sind Tubenventilationsstörungen, die zu Paukenergüssen führen und so letztlich eine Otitis media auslösen können.

Niesen und Juckreiz in Nase und Rachen sind der Beginn

Der banale Schnupfen zeigt sich zunächst in Niesreiz und Kitzeln in der Nase und im Nasopharynx. Riechvermögen und Geschmacksempfinden können beeinträchtigt sein. Der Naseneingang ist gerötet.

Therapie

Bei der Behandlung der akuten Rhinitis geht es vor allem darum, die Symptome zu lindern, da eine Behandlung der viralen Infektion nicht möglich ist.

Topisch: Die topische Anwendung von lang wirksamen Sympathomimetika vom Imidazolintyp wie zum Beispiel Xylometazolin kann durch Minderung der verstärkten Durchblutung und dadurch der Abschwellung der Nasenschleimhaut die Beschwerden lindern. Die Präparate in verschiedenen Darreichungsformen, wie Tropfen, Salben und Sprays sollten nicht länger als fünf bis sieben Tage appliziert werden, da sonst eine Gewöhnung droht. Da die Gefäßregulation dabei gestört wird, kann sich dadurch ein medikamentös induzierter Schnupfen mit fortbestehender Schwellung der Schleimhaut entwickeln. Die richtige Anwendung von abschwellenden Nasentropfen, -sprays und -salben kann jedoch die typischen Komplikationen der akuten Rhinitis, die Mittelohrentzündung und die Nasennebenhöhlenentzündung vermeiden. Auch Nasenduschen, die Salzlösungen enthalten, können zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Inhalationen mit Kräuteressenzen oder ätherischen Ölen sind ein bekanntes Hausmittel. Auch wenn kein klinischer Vorteil in Untersuchungen nachgewiesen werden konnte, empfinden viele Menschen diese Form der Wärmeapplikation als angenehm.

Oral: Bei schlechtem Allgemeinbefinden ist die Anwendung von antiphlogistischen und antipyretischen Medikamenten möglich. Nicht steroidale Antirheumatika bessern die Allgemeinsymptomatik, nicht jedoch die nasalen oder respiratorischen Beschwerden. Glukokortikosteroide gelten als effektive Maßnahme bei Entzündungen der oberen Atemwege.

Antibiotika: Der Einsatz von Antibiotika im Rahmen der Behandlung eines Schnupfens wird kontrovers diskutiert. Bei abakteriellen Verläufen sind Antibiotika nicht indiziert und für ihren Einsatz liegt bei der infektiösen Rhinitis keine Evidenz vor. Zudem können Antibiotika häufig unerwünschte Nebenwirkungen wie Diarrhoe, Übelkeit, Exantheme sowie Resistenzen auslösen. Im Falle von Komplikationen wie einer akuten Sinusitis oder Otitis media, wird der Arzt die Anwendung von Antibiotika empfehlen.

Allergische Rhinitis

Die allergische Rhinitis stellt eine symptomatische Überempfindlichkeitsreaktion der Nasenschleimhaut dar, die durch eine IgE-vermittelte Entzündung unter dem Muster des Allergie-Typs I stattfindet. Dafür muss bei genetisch disponierten Personen ein vorangegangener, im allgemeinen symptomlos verlaufender Erstkontakt mit dem Allergen stattgefunden haben. Durch die Exposition wird das entsprechende Allergen von antigenpräsentierenden Zellen aufgenommen.

Beim nächsten Kontakt mit dem Allergen kommt es zu einer Bindung zwischen dem Antigen und dem IgE-Antigenrezeptor. Dadurch wird die Mastzellmembran destabilisiert und die Freisetzung verschiedener Mediatoren wie Histamin und Proteasen in Gang gesetzt. Auch bei der allergischen Rhinitis sind die Hauptsymptome Niesen, Juckreiz, Sekretion und Obstruktion. Hinzu können eine Konjunktivitis sowie Brennen beziehungsweise Juckreiz der Mundschleimhaut auftreten.

Saisonal: Für den saisonalen Typ, den Heuschnupfen, sind inhalativ aufgenommene Pollen, unter anderem von Bäumen und Gräsern verantwortlich

Perennial: Der perenniale Typ wird dagegen meist durch Innenraumallergene wie den Kot von Hausstaubmilben oder Haustierepi-thelien verursacht. Hier ist Allergenkarenz zwar sinnvoll, aber nicht immer möglich.

Therapie

Die zwei Wirkstoffgruppen, die sich in der Behandlung der allergischen Rhinitis als wirksam bewährt haben, sind Antihistaminika und nasale Glukokortikosteroide. H1-Antihistaminika der zweiten Generation zeichnen sich durch eine sehr geringe ZNS-Gängigkeit aus. Die spezifische Immuntherapie profilierte sich in den vergangenen Jahren als vielversprechende Maßnahme zur Reduktion beziehungsweise Eliminierung der Symptomatik. Die Vermutung liegt nahe, dass sie die sekundäre Entstehung eines allergisch bedingten Asthmas herabsetzt. Auch bei der allergischen Rhinitis kann es zu einer bakteriellen Superinfektion kommen.

Nicht allergische Rhinitis

Die nicht allergische Rhinitis ist ein Krankheitsbild mit heterogener Ätiologie und unterschiedlichen klinischen Schweregraden. Sie umfasst mehrere Unterformen, unter anderem die idiopathische, die hormonelle und die medikamenteninduzierte.Die Unterscheidung zwischen allergischer und nicht allergischer Rhinitis stellt sich nicht selten als schwierig heraus – bedingt durch Mischformen und durch ihre nicht unterscheidbaren nasalen Symptome.

Therapie

Je nach zugrundeliegender Ursache bzw. Entstehungsfaktoren der nicht-allergischen Rhinitis richtet sich auch die Behandlung, Parallelen zur pharmakologischen Therapie der allergischen Rhinitis bestehen.

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