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HNO 23. Mai 2014

Fast nie oder praktisch immer?

So oft sind Bakterien bei akuter Rhinosinusitis wirklich im Spiel.

Zur Prävalenz bakterieller Infektionen bei akuter Rhinosinusitis kursieren in der wissenschaftlichen Literatur Angaben, die von 0,5 bis 86 Prozent reichen, also von „fast nie“ bis „praktisch immer“. US-Forscher wollten es etwas genauer wissen.

Ein Ärzteteam rund um die HNO-Spezialistin Stephanie Shintani Smith von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago hat sich im Zuge einer Metaanalyse einen systematischen Überblick über 9.600 Schniefnasen verschafft, die für insgesamt 29 Studien zum Thema akute Rhinosinusitis zur Verfügung gestanden hatten. Alle diese Untersuchungen gingen der Frage nach, wie hoch die Nachweisquote für Keime war, wenn etwas passierte, was bei Schnupfenpatienten fast nie passiert, wenn nämlich Material für das Anlegen von Bakterienkulturen gewonnen wurde.

Weder Schwarz noch Weiß

Davon, dass solche Nachweise fast nie zu führen wären, konnte danach nicht länger die Rede sein. Praktisch immer waren Bakterien aber auch nicht zu finden – die Wahrheit lag in der Mitte. Über alle Studien gerechnet, fielen die Kulturen in 53,7 Prozent der Fälle positiv aus. War der Verdacht bereits vorher radiologisch erhärtet worden, lag die Rate bei 52,5 Prozent. Gab es weder radiologische Anzeichen noch eitriges Sekret, erreichte der Anteil sogar 61,1 Prozent.

Proben aus dem mittleren Nasengang

Die Art der Probengewinnung wirkte sich darauf aus, wie viele Kulturen Keimwachstum zeigten. Wurde das Material per Abstrich aus der Kieferhöhle geholt, waren 61,0 Prozent der Kulturen positiv. Endoskopisches Beproben des mittleren Nasengangs führte bei 32,9 Prozent der Versuche zu positiven Ergebnissen. Dass die Sinus-maxillaris-Abstriche öfter positiv ausfielen, könnte am Einfluss dentaler oder oraler Flora liegen, mutmaßen die Autoren.

„Es ist anzunehmen, dass die Prävalenz bakterieller Infektionen – obzwar weiterhin unzureichend definiert – bei Patienten mit klinisch konstatierter akuter Rhinosinusitis größer ist als die oft zitierten 0,5 bis zwei Prozent“, resümieren Shintani Smith und ihre Kollegen. Möglichkeiten, die diagnostische Genauigkeit hinsichtlich der Beteiligung von Keimen an akuten Rhinosinusitiden zu verbessern, seien durchaus vorhanden.

Shintani Smith S et al. The prevalence of bacterial infection in acute rhinosinusitis: A systematic review and meta-analysis. Laryngoscope 2014, online 9. April; doi: 10.1002/lary.24709

springermedizin.de, Ärzte Woche 22/2014

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