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HNO 17. April 2014

Stress nimmt Stimme

Frühe Diagnose von Stimmproblemen erspart chronische Erkrankungen und Spätfolgen.

Aktuelle Untersuchungen belegen, dass ein Fünftel der Bevölkerung an Stimmstörungen leidet. Weltweit war die menschliche Stimme am 16. April 2014 zentrales Thema, als der alljährliche World Voice Day stattfand. Forscher der MedUni Graz zeigen, dass Veränderungen des Kehlkopfs stark von den unterschiedlichen beruflichen Anforderungen an die menschliche Stimme abhängen.

Eine kräftige und ausdrucksstarke Stimme ist die Grundvoraussetzung für viele Berufe. Stimmprobleme können nicht nur die Karriere erschweren, sondern auch im Privatbereich sehr belastend sein. „Untersuchungen haben ergeben, dass aktuell bereits 20 Prozent der Bevölkerung von einer Stimmstörung betroffen sind. Diese Menschen erleben vor allem im psychosozialen Bereich starke Auswirkungen, aber auch die Volkswirtschaft wird durch Aufwendungen für Diagnose und Therapien belastet“, erklärt Dr. Georg Hammer von der Klinischen Abteilung für Phoniatrie der HNO-Universitätsklinik der MedUni Graz. „Eine frühe Diagnose ist essenziell, um einem möglichen chronischen Leiden entgegenwirken zu können.“

Dauerbelastung und Stress

Organische Veränderungen des Kehlkopfs bzw. der stimmbildenden Organe betreffen rund ein Drittel der mit einer Kehlkopfspiegelung untersuchten Patientinnen und Patienten. Hammer: „Der überwiegende Teil von 90 Prozent bezieht sich auf gutartige Veränderungen, der Rest betrifft bösartige Veränderungen und deren Vorstufen, wobei das Rauchen den Hauptrisikofaktor darstellt.“ Eine ständige Überlastung der Stimme kann zur Schwellung der Schleimhaut an den Stimmlippen führen. Diese kann sich in weiterer Folge zu Stimmlippenknötchen, sogenannte Schrei- oder Sängerknötchen, weiterentwickeln. Aber auch hormonelle, entzündliche sowie allergische Komponenten können als zusätzliche Faktoren neben der stimmlichen Dauerbelastung eine Rolle spielen. „Ebenso ist fortwährender Stress ein Risikofaktor für eine spätere Stimmstörung“, so Hammer.

Ein Leben in körperlich-seelischem Einklang bildet die Grundlage für eine klangvolle, ausdrucksstarke Stimme. Stressreduktion ist ein wichtiger Teil mehrerer stimmhygienischer Maßnahmen: Es gilt belastende Lebensumstände zu überdenken, im Alltag Energiequellen zu finden und Ressourcen zu aktivieren, sich Zeit zur Regeneration zu nehmen und Krankheiten auszukurieren. Eine maßgebliche Rolle spielt auch eine gesunde Ernährung: Leicht verdaulich, nicht zu stark gewürzt, Alkohol in Maßen, und nicht zu spät abends zu essen. In diesem Zusammenhang muss auch auf potenzielle Auswirkungen eines gastro-ösophagealen Reflux-Geschehens hingewiesen werden.

Eine aktuelle Studie an der Klinischen Abteilung für Phoniatrie der MedUni Graz hat organische Veränderungen des Kehlkopfs untersucht, die auf eine länger währende stimmliche Überbeanspruchung zurückzuführen sind (sekundär-organische Stimmlippenveränderungen). „Wir konnten bei unseren Untersuchungen nachweisen, dass unterschiedliche stimmliche Anforderungen im Beruf den Kehlkopf unterschiedlich stark beeinflussen können“, berichtet Hammer. Die Grazer Wissenschaftler konnten ebenfalls festhalten, dass es signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede im Auftreten dieser Veränderungen gibt. Während bei Männern oft eine kurze, jedoch heftige Stimmbelastung wie beispielsweise lautes Schreien zur Entwicklung eines Stimmlippenpolypen führen kann, so treten bei Frauen eher Stimmlippenknötchen als Ausdruck von chronischer stimmlicher Überlastung auf.

Eine frühe Diagnose von Stimmstörungen kann Betroffenen einen langen Leidensweg ersparen. Da die Anforderungen an die Stimme heute wesentlich höher sind als noch vor Jahrzehnten, sind der richtige Umgang mit Stimmproblemen sowie das Augenmerk auf den sorgfältigen Umgang mit der gesunden Stimme unerlässlich. Allen Menschen, die beruflich permanent viel sprechen müssen, rät der Experte, beim Auftreten von Heiserkeit über einen Zeitraum von maximal zwei bis drei Wochen eine Abklärung durch den HNO-Facharzt durchführen zu lassen. „Nach umfangreicher Diagnostik wird ein individuelles therapeutisches Vorgehen gemeinsam mit den Patienten vereinbart“, erklärt Hammer den Ablauf der Behandlung von Stimmstörungen.

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