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Hinter unspezifischen Symptomen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich kann gastrointestinaler Reflux stecken.
 
HNO 1. April 2014

Reflux-Symptome geben Rätsel auf

Gastroösophagealer Reflux kann HNO-Ärzte vor Herausforderungen stellen.

Jeder Dritte leidet bereits an der Refluxkrankheit. Diese macht sich nicht nur durch Sodbrennen, saures Aufstoßen und Brustschmerz bemerkbar, sondern oft auch durch Halskratzen, Heiserkeit, Zungenbrennen, trockenen Husten und Asthma.

Wie kommt es eigentlich zum Sodbrennen? Schuld ist vor allem das „Essverhalten des Abendlandes“, erklärt Prof. Dr. Martin Riegler, Leiter des Reflux Medical Zentrums, Wien. Wir essen zu viel auf einmal, der Magen wird nach den Mahlzeiten stetig überdehnt. Im Lauf der Zeit wird damit auch der Speiseröhrenausgang trompetenförmig erweitert, das Rückflussventil wird immer kürzer. Im nächsten Stadium schiebt die trompetenförmige Erweiterung das Zwerchfell zur Seite (Zwerchfellbruch) und das Ventil kann den Rückfluss aus dem Magen nicht mehr verhindern.

Reflexartige Beschwerden im HNO-Bereich

Die typischen Symptome sind Sodbrennen und Aufstoßen. Oft sind die Symptome aber untypisch: Viele Patienten leiden an Heiserkeit oder Stimmverlust und suchen deswegen zunächst einen HNO-Facharzt auf. „Wir haben immer wieder Patienten mit unspezifischen Symptomen in Nase und Rachen“, berichtet Prof. Dr. Berit Schneider-Stickler, Universitätsklinik für HNO-Krankheiten, Wien. „Häufig ist zum Beispiel ein Kloß- oder Fremdkörpergefühl im Hals, ohne dass wir eine Ursache dafür finden. Andere Patienten haben stimmliche Probleme. Wir finden hier oft nur eine leichte Rötung des Rachens.“

Die Symptome, die Reflux-Patienten im HNO-Bereich aufweisen, sind nicht unbedingt durch direkten Kontakt mit Magensäure verursacht, wie Schneider-Stickler erklärt: „Auch wenn die Magensäure nur im unteren Speiseröhrenbereich hochsteigt, kann es zu reflexartigen Reaktionen der HNO-Schleimhäute kommen.“ Auch Nasenschleimhaut und Nebenhöhlen können anschwellen. Zu einem direkten Kontakt des HNO-Bereichs mit Magensäure kommt es meistens nur während des Schlafens.

„Bevor der Patient zur Reflux-Diagnostik weiter verwiesen wird, müssen Allergien ausgeschlossen werden“, betont Schneider-Stickler.

Jeder hat Reflux

„Gastroösophagealen Reflux hat jeder Mensch“, stellt Dr. Johannes Lenglinger, Facharzt für Physiologie und Allgemeinmediziner am AKH und im Reflux Zentrum, Wien, klar. Reflux wird erst zu einer Erkrankung, wenn er Symptome oder Komplikationen verursacht. Hier gibt es individuelle Unterschiede: „Manche Menschen haben mehr Reflux, manche weniger. Auch die Empfindlichkeit der Schleimhäute ist variabel. Rauchen, Stress und trockene Schleimhäute, z.B. bei Frauen nach dem Wechsel, führen dazu, dass Refluxe stärker verspürt werden.“

Das diagnostische Vorgehen umfasst eine endoskopische Untersuchung von der Speiseröhre bis zum Zwölffingerdarm und die Funktionsdiagnostik. Dazu zählen die Druckmessung der Speiseröhre (HR-Impedanz-Manometrie) und das Refluxmonitoring (Impedanz-pH-Metrie). Mit der Manometrie kann die Muskel- und die Transportfunktion des Ösophagus beurteilt werden. Beim Refluxmonitoring werden Flüssigkeits- und Luftbewegungen in der Speiseröhre über 22 bis 24 Stunden aufgezeichnet. Die Sonde wird dabei durch die Nase verlegt, sodass der Patient ungehindert essen kann. Die Untersuchungen sind nicht schmerzhaft, wie Lenglinger versichert („Die Schleimhaut wird betäubt.“) und ermöglichen es, einen Zusammenhang zwischen Refluxen und auftretenden Symptomen festzustellen. „Die meisten Refluxe finden unmittelbar nach dem Essen statt. Beschwerden lösen aber hauptsächlich die sauren Refluxe aus, die etwa eine halbe Stunde nach dem Essen auftreten, wenn schon mehr Magensäure produziert wurde“, berichtet Lenglinger.

Therapeutisch kann eine Ernährungsumstellung bereits erfolgreich sein, der nächste Schritt sind medikamentöse Maßnahmen. In schwereren Fällen kann durch einen operativen Eingriff wieder eine wirksame Barriere gegen Reflux hergestellt werden.

Die Reflux Krankheit hat also viele Gesichter. „Genau deshalb legen wir so viel Wert auf exakte Diagnose und individuelle, ganzheitliche Therapie“, resümiert Refluxexperte Riegler.

 

Reflux-Symptome im HNO-Bereich

  • Schluckstörungen
  • Zungenbrennen
  • Heiserkeit
  • Halsbrennen
  • Stimmverlust
  • Reizhusten
  • Asthma
  • Globus
  • Fremdkörpergefühl
  • Würgereiz
  • Räusperzwang

 

Quelle: „Nie wieder Sodbrennen!“, Thementag im Reflux Medical Zentrum, Wien, 13. März 2014

C. Lindengrün, Ärzte Woche 14/2014

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