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Untersuchungen zufolge könnte Staphylococcus aureus in der Pathogenese der chronischen Rhinosinusitis eine Rolle spielen.
 
HNO 21. Februar 2014

Nasensprays als Keimkanonen

Hygienische Maßnahmen sind unbedingt durchzuführen.

Auf den Düsenspitzen von Sprays, wie sie etwa für die Steroidtherapie der chronischen Rhinosinusitis verwendet werden, können sich Nasenkeime ein schönes Leben machen.

In einer Studie mit 25 prospektiv rekrutierten Patienten, die ihrer stabilen chronischen Rhinosinusitis mit nasalen Steroidsprays (Mometason oder Fluticason) zu Leibe rückten, haben australische HNO-Ärzte von der University of Adelaide die wechselseitigen Kontaminationen von Nasen und Nasenspray untersucht. Dazu nahmen sie Abstriche vom mittleren Meatus nasi, vom Nasenvorhof und von der Spitze des Sprayfläschchens, das seit mindestens zwei Wochen täglich genutzt gewesen sein musste. Auch der Inhalt des Sprays wurde mikrobiologisch untersucht.

Bei allen Patienten fanden sich – meist Koagulase-negative – Staphylokokken im Nasenraum, bei 18 war auch der Befund auf dem Spray positiv (J Laryngol Otol 2014; 128 (Suppl. S1): S28–S33). Sieben Patienten beherbergten Staphylococcus (S.) aureus, der bei fünf auch die Fläschchenspitze besiedelt hatte. Die Rate der Kreuzkontaminationen für S. aureus betrug damit 71 Prozent für die Träger des Keims und 20 Prozent bezogen auf alle Probanden. Immerhin erwies sich die Sprühflüssigkeit als mikrobiologisch einwandfrei.

Reinfizieren sich die Patienten ständig selbst?

Dass die Oberfläche von Nasensprays S. aureus eine Heimstatt bieten kann, ist nicht nur unschön, sondern potenziell auch ungesund. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge könnte der Keim in der Pathogenese der chronischen Rhinosinusitis eine Rolle spielen, vor allem in Fällen, die weder für eine medikamentöse noch eine chirurgische Therapie empfänglich sind. „Unsere Entdeckung wirft also Bedenken auf, Patienten könnten sich womöglich ständig selbst mit Bakterien reinfizieren, indem sie die verschriebene Arznei verwenden“, schreiben die australischen Experten.

Um Abhilfe bemüht, haben die Forscher aber auch untersucht, wie sich die Sprayspitze von Keimen befreien lässt. Dabei bewährten sich drei Verfahren: Abwaschen in kochendem Wasser, Abwischen mit Alkohol und einminütiges Bestrahlen der Spitze in der Mikrowelle. Kaltes Wasser oder Geschirrspülmittel bewirkten hingegen nichts oder wenig.

Die HNO-Ärzte aus Adelaide mahnen eindringlich, jeden chronisch Nasennebenhöhlen-Kranken nicht nur mit dem entsprechenden Nasenspray, sondern auch mit Hinweisen zum hygienischen Umgang mit demselben zu versorgen. Die empfohlenen Methoden zur Keimbefreiung sind jedenfalls allesamt haushaltstauglich.

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