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HNO 1. Juni 2008

Operative Blutstillung bei 8388 Patienten nach kalter Adenotonsillektomie

ZIEL DER STUDIE: Tonsillektomie und Adenoidektomie sind die häufigsten Operationen in der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde. Die schwerwiegendste Komplikation ist die postoperative Blutung, die in 2% bis 4% Prozent der Fälle auftritt. Das Ziel dieser Studie war es, die Inzidenz und mögliche prediktive Faktoren von postoperativen Blutungen, die eine operative Sanierung benötigten, bei Patienten nach Tonsillektomie/Adenoidektomie zu bestimmen. STUDIENDESIGN: An einer einzigen Institution wurden retrospektiv 8388 Patienten nach Tonsillektomie/Adenoidektomie im Zeitraum 1994 bis 2006 untersucht. Die Tonsillektomie wurde mit Hilfe von Kaltinstrumenten und bipolarer Diathermie für die Hämostasis durchgeführt. RESULTATE: Eine postoperative Blutung, die eine chirurgische Versorgung in Intubationsnarkose notwendig machte, trat bei 114 Patienten nach Tonsillektomie (1,78%) und bei 7 Patienten (0,35%) nach Adenoidektomie auf. Nach Tonsillektomie traten 85,09% der Blutungen später als 24 Stunden nach Operation (zwischen dem ersten Tag nach der Operation und dem 15. postoperativen Tag) auf. Nach Adenoidektomie traten hingegen in 85,71% die Blutungen unmittelbar nach der Operation (innerhalb der ersten 24 Stunden) auf. Zwei Patienten (0,03%) benötigten eine Bluttransfusion, weder wurde eine Ligatur der A. carotis externa durchgeführt noch traten Todesfälle ein. Die höchste Inzidenz war bei Patienten älter als 16 Jahre (2,19%) zu beobachten. In den wärmeren Jahreszeiten war die Inzidenz höher (1,98%) als in den kälteren (1,63%). Assistenzärzte hatten eine geringere Blutungsinzidenz (1,75%) als Fachärzte (1,84%). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Adenoidektomie ist ein sicherer Eingriff, der tagesstationär durchgeführt werden kann. Unsere Daten zeigen aber, dass Patienten nach Tonsillektomie eine Hospitalisierung bis zum 15. postoperativen Tag benötigen würden. Dennoch besteht kein Zweifel, dass sowohl ökonomische, soziale als auch organisatorische Faktoren gegen diese Forderung sprechen. Daher bleibt die sorgfältige Aufklärung des Patienten und/oder der Eltern eines der wichtigsten Parameter, um die Sicherheit der Tonsillektomie zu erhöhen.

Christoph Arnoldner, Matthäus Ch. Grasl, Dietmar Thurnher, Jafar-Sasan Hamzavi, Alexandra Kaider, Markus Brunner, Boban M. Erovic, Wiener klinische Wochenschrift

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