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Abb. 1 Patienten mit Psoriasis leiden offenbar gehäuft an erektiler Dysfunktion
 
Dermatologie 21. September 2016

Psoriasis-Patienten auf erektile Dysfunktion screenen?

Männer mit Psoriasis sollten chinesischen Forschern zufolge routinemäßig nach Erektionsstörungen befragt  werden. Patienten, bei denen Psoriasis und Erektionsstörungen zusammentreffen, sind möglicherweise  besondere Risikokandidaten für kardiovaskuläre Erkrankungen und Depressionen. 

Die Studie aus dem chinesischen  Guangzhou [ 1 ] ist nicht groß, sie liefert  aber  deutliche  Hinweise  darauf,  dass   man eine erektile Dysfunktion (ED) bei  Patienten mit Plaque Psoriasis besonders  ernst  nehmen  sollte  (Abb. 1 ).  Die  ED  tritt  bei  Letzteren  offenbar  gehäuft auf und ist in besonderem Maße mit Risiken  für  das  Herz Kreislauf System sowie mit Depressionen assoziiert.

ED häufiger und schwerer

Das Team um Dr. Suyun Ji vom Guangdong  Provincial  Dermatology  Hospital   hat  eine  Gruppe  von  191  männlichen  Psoriasis Patienten aus fünf dermatologischen Zentren mit ebenso vielen hautgesunden  Teilnehmern  verglichen.  In   der Gruppe der Psoriatiker litten 52,9  % unter  ED,  in  der  Vergleichsgruppe  waren es 40,3  %. Dies entspricht einer adjustierten relativen Risikoerhöhung um den Faktor 1,97 in der Gruppe  mit  der  Hauterkrankung. Die Männer in beiden  Gruppen waren im Schnitt 45 Jahre alt.  38  % der Psoriatiker wiesen Hautveränderungen an den Genitalien auf. Wie  Ji  und  Kollegen  berichten,  trat  die  ED  bei  Psoriasis-Patienten  besonders  schwerwiegend  in  Erscheinung:  9,9  % wiesen eine mittelgradige, 5,8  %  eine  schwere  Form  auf.  In  der  Vergleichsgruppe waren es entsprechend  4,2 %  bzw.  1,6 %.

» In der Gruppe der Psoriatiker litten  52,9  % unter ED, in der Vergleichs- gruppe waren es 40,3  %

Auch auf Blutdruck und Lipide  achten!

Im  Vergleich  zur  Kontrollgruppe  zeigten sich bei den Männern mit Psoriasis  zudem häufiger Bluthochdruck (33,5  %  gegenüber  19,9  %),  Hyperlipidämie   (32,5  % vs. 23,6  %) und Diabetes mellitus (11,5  % vs. 5,2  %). Die Wahrscheinlichkeit  einer  ED  war  bei  den  Psoriatikern  bei  Vorliegen  von  Bluthochdruck  um den Faktor 2,79 erhöht, bei Vorliegen einer Hyperlipidämie um den Faktor 2,47 (der Unterschied beim Diabetes war nicht signifikant).

» Im Vergleich zur Kontrollgruppe  zeigten sich bei den Männern mit  Psoriasis zudem häufiger Bluthoch- druck, Hyperlipidämie und Diabetes  mellitus 

Gehäuft Depressionen

Auch  selbst  berichtete  Depressionen   schienen bei den Patienten mit Psoriasis  mit dem Auftreten von Erektionsstörungen assoziiert zu sein. Dafür spricht eine  Multivariatenanalyse auf der Grundlage  des CES-D-Scores (Center for Epidemiologic Studies Depression Scale). Eine Berechnung  unter  Berücksichtigung  des  Alters ergab, dass bei schweren Depressionen auch der Anteil mittel bis hochgradiger  ED-Formen  anstieg.  Welche  Mechanismen dabei eine Rolle spielen, bleibt noch zu klären.

Zeitfenster für Interventionen

Der  Zusammenhang  zwischen  der  ED  und einem erhöhten kardiovaskulären  Risiko ist durch mehrere Studien belegt.  Frühe  atherosklerotische  Veränderungen in den kleinen Beckengefäßen gelten  heute  als  eine  der  Hauptursachen   für  die  Erektionsstörung.  Schätzungen   gehen  davon  aus,  dass  vom  Auftreten   der ED an in der Regel zwei bis drei Jahre vergehen, bis es zu kardiovaskulären Symptomen kommt. Dies, so Ji und Kollegen, ließe ein Zeitfenster für Interventionen  wie  Gewichtsabnahme,  Bewegung,  Rauchstopp  und  Reduktion  des  Alkoholkonsums. Die  Forscher  fordern  nun,  bei  Psoriasis-Patienten  ein  stärkeres  Augenmerk auf die Sexualfunktion zu lenken.  Die  frühe  Diagnose  einer  ED  könne   ein  wertvoller  Hinweis  auf  drohende   kardiovaskuläre  und  bestehende  psychische Probleme sein. 

Literatur   

1.  Ji S et al (2016) Erectile dysfunction in  patients with plaque psoriasis: the relation  of depression and cardiovascular factors.  Int J Impot Res 28:96–100. doi:  10.1038/ ijir.2016.6

Quelle:
Dr. Elke Oberhofer, SpringerMedizin.de

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