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Abb. 1 Männer mit Alopezie könnten ein erhöhtes Risiko haben ein metabolisches Syndrom zu entwickeln
 
Dermatologie 21. September 2016

Gemeinsamkeiten von Glatzenbildung beim Mann und Ovarialsyndrom

Männer mit androgenetischer Alopezie haben offenbar ein ähnliches Hormonmuster wie Frauen, die an  einem polyzystischen Ovarialsyndrom erkrankt sind. Entsprechend ist möglicherweise das Risiko, etwa für  ein metabolisches Syndrom, erhöht.

In mehreren Studien wurde bereits  eine  Verbindung  zwischen  dem  Hormonstatus bei Männern mit androgenetischer  Alopezie  (Abb.  1 )  und  dem  von  Frauen  mit  polyzystischem  Ovarialsyndrom  (PCOS)  vermutet.  In   einer  aktuellen  Untersuchung  haben   sich indische Dermatologen um Dr. Sarita Sanke vom Lady Hardinge Medical College  in  Neu Delhi  das  Hormonprofil  bei  betroffenen  Männern  im  Frühstadium  in  einer  Fall-Kontroll-Studie   genauer angeschaut und mit dem von Männern ohne Alopezie verglichen [ 1 ].  Männer mit endokrinen Störungen, Diabetes oder einer kardiovaskulären Erkrankung  oder  mit  einer  oralen  Behandlung oder Hormontherapie gegen Alopezie  waren  zuvor  ausgeschlossen   worden.

Vergleich des Hormonprofils

Gemessen  wurden  bei  57  Männern   mit   androgenetischer   Alopezie   im    Frühstadium  und  bei  32  Männern  der  Kontrollgruppe ohne diese Störung die  Blutwerte  für  Testosteron,  SHBG  (sex   hormone-binding  globulin),  DHEAS  (Dehydroepiandrosteronsulfat),   LH,    FSH,  Prolaktin,  Nüchternglukose  und   Insulin.  Die  Blutentnahme  erfolgte  morgens  zwischen  8  und  9  Uhr  nach   einer  Fastendauer  von  acht  Stunden.  Primäres Studienziel war der Vergleich  des  Hormonprofils  mit  dem  von  Frauen mit PCOS.

Die  Analysen  ergaben,  dass  der   Testosteronwert   bei   den   Patienten  im  Vergleich  zur  Kontrollgruppe  signifikant  erhöht  war  (24,61  vs.   20,57 nmol/l;  p  =    0,04). Dies war auch  bei  den  Werten  für  DHEAS  (3,63  vs.   2,64  μg/ml;  p   =  0,02),  LH  (7,78  vs.   4,56  mIU/ml;   p  < 0,001)  und  Prolaktin  (14,14  vs.  9,97   ng/ml;   p  = 0,01)  der Fall. Dagegen waren die Werte für FSH  (4,02  vs.  5,66  mIU/ml;   p  < 0,001)  und  SHBG  (35,07  vs.  46,41  nmol/l;   p  <    0,001) signifikant niedriger. Ebenfalls erhöht waren der freie Androgenindex   FAI   (Gesamt-Testosteron   zu   SHBG; 74,49 vs. 49,99;  p  < 0,001)  und  der  Quotient  LH/FSH  (2,34  vs.  0,89;   p   <    0,001),  wie  die  Ärzte  berichten.   Keine  Unterschiede  gab  es  hingegen   bei den Insulinwerten. Nach  Angaben  von  Sanke  und  ihren  Kollegen  ähnelt  das  bei  den  Patienten   gemessene   Hormonprofil    mehr  oder  weniger  dem  von  Frauen   mit  PCOS.  Deshalb  könnten  die  Männerwie die Patientinnen – ein erhöhtes  Risiko  etwa  für  ein  metabolisches  Syndrom,  Insulinresistenz,  kardiovaskuläre  Erkrankungen  und  Unfrucht barkeit  haben,  wie  die  Autoren  vermuten. Allerdings sei ihre Studie klein  gewesen. Die Ergebnisse müssten deshalb  in  größeren  Multicenterstudien   überprüft werden. 

Literatur   

1.  Sanke S et al (2016) A Comparison of  the Hormonal Profile of Early Androgenetic  Alopecia in Men With the Phenotypic  Equivalent of Polycystic Ovarian Syndrome  in Women. JAMA Dermatol. doi: 10.1001/ jamadermatol.2016.1776

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