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Dermatologie 15. Februar 2016

Nickelallergie manifestiert sich gerne auf der Haut

Die Prävalenz, eine Kontaktdermatitis zu entwickeln, weist regionale Unterschiede auf.

Mehr als jeder Vierte in Europa reagiert bei bestimmten Stoffen allergisch, wenn er mit ihnen in Kontakt kommt. Eine Bevölkerungsstudie in fünf Ländern zeigt: Auf Nickel folgt besonders oft eine allergische Hautreaktion.

Kontaktallergien sind keine Seltenheit, wie häufig sie in der Allgemeinbevölkerung vorkommen, ist umstritten, da in den meisten Studien zur Prävalenz nur bestimmte Risikogruppen untersucht werden. Um das Ausmaß von Kontaktallergien abzuschätzen, hat ein Team um Dr. Thomas Diepgen von der Universität in Heidelberg die bislang größte Querschnittstudie zu diesem Thema durchgeführt. Beteiligt war eine repräsentative Auswahl von knapp 12.400 Personen aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Schweden und Portugal. Ermittelt wurden in persönlichen Gesprächen etwa Hautbeschaffenheit, dermatologische Diagnosen und die Häufigkeit von Ekzemen (BJD 2015; online 26. Dezember).

Die Studienärzte haben zusätzlich ein Viertel der Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip per Patchtest auf eine Kontaktallergie untersucht. Dabei haben sie alle drei Panels des Thin-Layer Rapid Use Epicutaneous Test (TRUE) verwendet sowie einen Duftstoffmix. So konnten sie über 30 der wichtigsten Kontaktallergene abdecken.

Kontaktdermatitis bei 16 Prozent

Knapp 16 Prozent der Befragten gaben an, im Laufe ihres Lebens schon einmal an einer Kontaktdermatitis erkrankt zu sein, 8 Prozent nannten eine atopische Dermatitis und 14 Prozent andere Ekzemformen. Immerhin 20 Prozent erinnerten sich an einen juckenden Hautausschlag mit mehr als drei Tagen Dauer im zurückliegenden Monat, 52 Prozent hatten darunter nach eigenen Angaben schon einmal im Laufe ihres Lebens gelitten, Frauen häufiger als Männer (59 vs. 45 %). 53 Prozent hatten eine trockene Haut, 41 Prozent eine sensible Haut.

Bei den Patchtests zeigten 27 Prozent der Personen ein positives Ergebnis auf mindestens eine der Substanzen. Am häufigsten wurde eine Kontaktallergie gegen Metalle (15,5 %) und Konservierungsmittel (6,2 %) nachgewiesen. Als Einzelsubstanzen ragten hier Nickel und das quecksilberhaltige Thiomersal heraus: Jeweils 14,5 Prozent und 5,0 Prozent der Getesteten waren gegen diese Substanzen allergisch. Kobalt konnten 2,2 Pro-zent nicht vertragen und ebenfalls 2,2 Prozent reagierten positiv auf eine Duftstoffkomponente. Mehr als jede dritte Frau (36 %) hatte ein positives Patchtest-Ergebnis, bei den Männern war der Anteil weniger als halb so hoch (17 %).

Seltener Allergien in Schweden

Interessanterweise zeigten sich bei der Prävalenz von Kontaktallergien deutliche regionale Unterschiede. So reagierten nur 8,3 Prozent der Schweden positiv auf Nickel, aber 18,5 Prozent der Portugiesen. Von den Schweden hatte nur 1,0 Prozent ein Problem mit Thiomersal, 7,3 Prozent waren es in Deutschland und Portugal. Eine Kontaktallergie fiel gehäuft bei solchen Personen auf, die in der Vergangenheit schon einmal einen Kontaktdermatitis hatten – bei ihnen war die Prävalenz verdoppelt. Auch bei Personen mit Hautausschlägen in der Vergangenheit war die Prävalenz erhöht. Sie könnten daher von einem Patchtest profitieren, schreiben Diepgen und Mitarbeiter. Dagegen war eine Kontaktallergie bei Patienten mit atopischer Dermatitis ähnlich häufig anzutreffen wie bei solchen ohne.

Die Wissenschaftler geben jedoch zu bedenken, dass ein positiver Patchtest nicht mit einer dermatologischen Erkrankung gleichzusetzen ist. Der Test verweise lediglich auf ein immunologisches Reaktionsmuster, das sich als allergische Kontaktdermatitis manifestieren könne, aber nicht müsse. Nicht jeder mit positivem Test hat also tatsächlich ein Problem.

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