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Dermatologie 2. November 2015

Chronischer Juckreiz

Expertenbericht:Kinder betroffen.

Chronischer Pruritus (Dauer: mehr als 6 Wochen) triff in jedem Lebensalter auf. Auch Kinder können von dem Symptom betroffen sein, obwohl es in dem Alter deutlich seltener ist als bei Erwachsenen.

Chronischer Pruritus tritt bei Kindern mit einer Prävalenz von ca. 2 bis 3 Prozent auf; bei Erwachsenen bis zu 23 Prozent. In erster Linie kann das Symptom im Rahmen von Dermatosen (z. B. atopische Dermatitis) schon bei Säuglingen beobachtet werden. Weitere häufige dermatologische Differentialdiagnosen pruritogener Erkrankungen im Kindesalter sind Genodermatosen (verschiedene Ichthyosen), Skabies, Mastozytose, Psoriasis und selten Urtikaria.

Als systemische Erkrankungen sind Lebererkrankungen führend, andere systemische Erkrankungen, die bei Kindern chronischen Pruritus hervorrufen, sind selten. Somit ist eine schnellere diagnostische Einordnung des Symptoms als im Erwachsenenalter oder bei geriatrischen, häufig multimorbiden Patienten möglich. Obwohl eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz bei Erwachsenen ein häufiger Grund für chronischen Pruritus ist (Prävalenz 20 %), leiden nur ca. 9 Prozent der dialysepflichtigen Kinder an diesem Symptom. ZNS Tumore sind ein seltener Grund für einen lokalisierten neuropathischen Pruritus bei Kindern.

Kinder werden nach dem gleichen Therapieschema behandelt wie Erwachsene. Für die spezifische antipruritische Therapie kann auf eine Leitlinie zurück gegriffen werden ( www.awmf.org ), jedoch sind für Kinder anerkannte systemische antipruritische Therapien aufgrund der eingeschränkten Studienlage und Anwendungsbeschränkungen häufig nicht verfügbar. Expertenerfahrung bestehen zu wenigen systemischen Therapien wie z. B. Naltrexon, Gabapentin oder Cyclosporin A bei unterschiedlichen Indikationen. Neue Therapien lassen eine bessere Therapie von Kindern mit juckenden Erkrankung erwarten.

Prof. Dr. Sonja Ständer leitet das Kompetenzzentrum chronischer Pruritus (KCP) und Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Münster.

S. Ständer, Ärzte Woche 45/2015

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