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Die Neurodermitis zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter.
 
Dermatologie 18. August 2015

Konsequenz bringt Besserung

Mit Ausdauer und geeigneten Präparaten die gestörte Barrierefunktion bei Neurodermitis unterstützen.

Mit ihren juckenden Entzündungen kann die Neurodermitis das Leben der Betroffenen schwer belasten. Das Erscheinungsbild der Hauterkrankung kann sehr vielfältig sein. Es reicht von nässenden Ekzemen über eher unauffällige Hautveränderungen an Fingerspitzen oder Augenlidern bis zu großflächigen ekzematösen Herden. Gemeinsam ist den Betroffenen, dass sie eher trockene Haut aufweisen; und zwar lebenslänglich. Gute Pflege ist gefragt.

Das atopische Ekzem (AE), auch endogenes oder konstitutionelles Ekzem, atopische Dermatitis und Neurodermitis genannt, gehört zusammen mit Asthma bronchiale zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. In westlichen Industrienationen plagen sich bis zu 20 Prozent mit den entzündlichen, meist stark juckenden Hautveränderungen. Unter Erwachsenen in unseren Breiten beträgt die Prävalenz zwischen 1,5 bis drei Prozent. Die Suche nach möglichen Auslösern, die erforderlichen Hautpflegemaßnahmen, aber auch der quälende Juckreiz und die damit verbundenen Kratzattacken können die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen. Nur durch die enge Zusammenarbeit von Patienten, Eltern, Arzt und Apotheke lassen sich die Symptome in den Griff bekommen und Schübe hinauszögern.

Eingeschränkte Barrierefunktion

Genetische und immunologische Defekte allein erklären die Ursachen der Neurodermitis nicht ausreichend. Wesentlich beteiligt an der Entstehung der entzündlichen Herde sind die mit dem Krankheitsbild einhergehenden Störungen der epidermalen Barrierefunktion und die damit verbundene Hauttrockenheit. Während bei Gesunden die Hornschicht eine physische Barriere gegen Schadstoffe aus der Umwelt bildet und die Haut vor Feuchtigkeitsverlusten schützt, ist diese oberste Hautschicht bei Neurodermitispatienten aufgelockert und durchlässiger. Das begünstigt nicht nur Feuchtigkeitsverluste, sondern auch Allergisierungen. Wissenschaftler machen u. a. Veränderungen des Filaggrin-Gens (FLG) für die gestörte Barriere verantwortlich. FLG steuert die Bildung eines gleichnamigen Filaggrin-Proteins, das als Schlüsselelement Verhornungsprozesse an der Hautoberfläche regelt. Darüber hinaus sind auch die Menge und die Zusammensetzung der hauteigenen Lipide – vor allem der Ceramide – sowie der pH-Wert auf der Hautoberfläche bei Neurodermitikern verändert. Zudem mangelt es Menschen mit Neurodermitis an Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff.

Provokationsfaktoren beseitigen und die Haut pflegen

Zu den wichtigsten Bausteinen einer erfolgreichen Neurodermitisbehandlung gehört die Basistherapie. Dabei sollen Provokationsfaktoren ausgeschaltet und die Haut regelmäßig mit wirkstofffreien, an den aktuellen Hautzustand angepassten Produkten gepflegt werden. Ziel der Pflegemaßnahmen ist der Ersatz fehlender Lipide, der Ausgleich von Feuchtigkeitsverlusten und die Stabilisierung der angegriffenen Hautbarriere, um so neue Schübe hinauszuzögern. Regelmäßig bedeutet, die Haut auch dann einzucremen, wenn die Ekzeme abgeheilt sind. Und das am besten zweimal täglich. Damit die Patienten dieses „Geschmiere“ durchhalten, müssen neben dem aktuellen Hautzustand Jahreszeit und persönliche Vorlieben berücksichtigt werden. (Fett-)Salben decken die Haut stark ab, was im Sommer einen Wärmestau mit Juckreiz und follikulären Reizungen begünstigt. Bei feucht-warmer Witterung bevorzugen viele Patienten daher Cremes und Lotionen. Im Winter sind fetthaltigere Zubereitungen die bessere Wahl.

Optimale Basispflegeprodukte fetten die Haut effizient, ohne sie „zuzukleben“, allergisieren nicht und lassen sich gut verstreichen. Wasserbindende Zusätze (Feuchthaltefaktoren) wie Harnstoff oder Glycerin tragen zur Befeuchtung bei. Doch Vorsicht: Harnstoffzubereitungen brennen bei Säuglingen und Kleinkindern häufig auf der Haut (stinging effect). Sie sollten in diesem Alter nicht angewendet und durch Glycerol und Dexpanthenol ersetzt werden. Ältere Kinder vertragen Harnstoff – außer im Gesicht oder in der akuten Phase – in der Regel besser. Ob eine Creme, Lotion oder Salbe als Grundlage eingesetzt wird, hängt vom aktuellen Hautzustand ab.

Gemäß dem dermatologischen Grundsatz „feucht auf feucht“ behandelt man in akuten Phasen nässende Ekzeme mit feuchten (Schwarztee)-Umschlägen, ergänzt durch Öl-in-Wasser- Emulsionen. Chronische Stadien sind das Einsatzgebiet von (Fett)-Salben mit Moisturizer-Zusatz.

Antientzündliche Therapie

Neben konsequenter Hautpflege und dem Meiden von Provokationsfaktoren ist die Bekämpfung akuter, subakuter und chronisch ekzematöser Areale ein weiterer wichtiger Baustein der Therapie. Mittel der Wahl sind nach der aktuellen AWMFS2- Leitlinie Neurodermitis topische Glukokortikoide, die in der Regel zeitlich befristet mit ausreichend hohen Konzentrationen einmal täglich oder in Ausnahmen als Intervalltherapie (zweimal täglich) mit einer Pflegecreme zum Einsatz kommt. Bei der Abgabe in der Apotheke sollten PTA und Apotheker versuchen, besorgten Eltern und Patienten ihre Vorbehalte und Ängste gegen diese Wirkstoffklasse zu nehmen. Wichtig für die Patienten ist zudem der Hinweis, die Substanzen langsam ausschleichend abzusetzten. Denn ein abruptes Ende der Kortikoidtherapie kann ein rasches Wiederaufflammen der Ekzemherde (Rebound) begünstigen.

Springer-gup.de

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