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Dermatologie 15. Juli 2015

Die Risken der Selbstepilation

Der Laie kann nicht beurteilen, ob eine Behaarung krankhaft ist.

Intense Pulsed Light ist eine Technik zur Enthaarung und der letzte Schrei auf dem Beauty-Markt. IPL-Geräte können von jedermann zu erschwinglichen Preisen über das Internet bezogen werden. Doch in Laien-Hand sind sie alles andere als sicher.

Der Dermatologe Dr. Reinhard Gansel ist der Leiter des deutschen Laser Medizin Zentrums Rhein Ruhr in Essen (Nordrhein-Westfalen). Die MMW (Münchener Medizinische Wochenschrift, © Springer Verlag) hat bei dem Experten nachgefragt.

Herr Gansel, was kann passieren, wenn man sich selbst mit einem IPL-Gerät für den Hausgebrauch enthaart?

Gansel: Bei den Home-used-Devices fehlt jegliche Kontrolle. So besteht zum einen die Gefahr der Unterdosierung: Wenn man zu schwach behandelt, nimmt man den Haaren nur das Melanin. Man hat dann statt eines dicken dunklen Haars ein dickes graues Haar. Andererseits kann es bei Überdosierung zu Verbrennungen kommen. Ein Problem haben wir, wenn Pigmente außerhalb des Haares mit behandelt werden, z. B. in Muttermalen. Wir hatten einen Fall, bei dem eine Frau im Kosmetikstudio achtmal am Unterschenkel behandelt wurde. Da fand sich dann ein schwarzer Hautkrebs.

Wie sollte kontrolliert werden?

Gansel: Derzeit benötigen diese Geräte nur ein einfaches CE-Zeichen. Außerdem fehlen bei Billig-Geräten oft die technischen Voraussetzungen für eine akkurate Dosismessung. Eine Untersuchung aus England hat gezeigt, dass die tatsächlich freigesetzten Energiedosen stark von dem auf dem Display eingestellten Wert abweichen. Wir brauchen einheitliche Gerätestandards und vor allem den Warnhinweis, pigmentierte Hautveränderungen nicht zu behandeln. Ich empfehle zumindest eine fachärztliche Kontrolle vor jeder Enthaarung.

Was macht der Dermatologe, was der Patient oder das Kosmetikstudio nicht kann?

Gansel: Der Hautfacharzt beurteilt, ob die Behaarung krankheitsbedingt sein könnte. Er stellt sicher, dass kein Hautkrebs vorliegt und dass der Patient nicht zu viele Muttermale hat; auch hier würde man von der Behandlung eher absehen. Vor der Therapie würde man die Muttermale akribisch anzeichnen, das ganze Bild kontrollieren und vorgebräunte Patienten nach Messung des Hauttons ausschließen. Der Dermatologe besitzt außerdem meist mehrere Geräte mit unterschiedlichen Wellenlängen, die er je nach Hauttyp und Körperstelle einsetzen kann.

Welche Erkrankungen können einer übermäßigen Behaarung zugrunde liegen?

Gansel: Das können endokrinologische Erkrankungen sein, z. B. Nebennierenrindenerkrankungen, hormonelle Störungen oder ein polyzystisches ovarielles Syndrom (PCOS). Darunter leiden immerhin 2 Prozent aller Frauen. Hier ist die Überbehaarung ein Symptom der Grunderkrankung. Durch die eigenmächtige Enthaarung fällt dieses wichtige Diagnosekriterium weg. Wir hatten in Essen schon Frauen, die sich wunderten, warum sie keine Kinder bekamen oder warum sie auf einmal übergewichtig wurden. Hier war es sehr schwer, auf die Diagnose PCOS zu kommen, weil sie sich vorher enthaart hatten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass vor jeder Enthaarung ein Arzt das Behaarungsmuster ansieht und beurteilt.

Welche Enthaarungsmethoden würden Sie für den Hausgebrauch empfehlen?

Gansel: Das Wachsen mit Heiß- oder Kaltwachs, die Enthaarung mit Zucker oder mit Fäden, also die althergebrachten Methoden, sind sicher als unkritisch zu betrachten.

Das Prinzip dieser Epilation mit gepulstem Licht ist eine selektive Hitzeverödung der Haarwurzeln mit bestimmten Wellenlängen. IPL-Geräte funktionieren wie der Laser auf der Basis von Licht. Anders als Lasergeräte arbeiten sie jedoch nicht mit einer festen Wellenlänge, sondern mit einem Breitbandspektrum zwischen 500 und 1200 nm. Das Blitzlicht wird auf Knopfdruck abgefeuert, dringt in die Haut ein und wird von dem im Haarfollikel enthaltenen Melanin absorbiert. Es kommt zu einer kurzzeitigen Erhitzung, wodurch die Haarwurzel geschädigt und zumindest längerfristig ein Nachwachsen des Haars verhindert wird. Das Prinzip funktioniert allerdings nur bei dunklen Haaren und relativ heller Haut. Bei sonnengebräunter Haut sollte gewartet werden, bis der Teint abblasst. Eine definitive Enthaarung kann mit den aktuell angebotenen Technologien nicht erzielt werden, da in jeder Sitzung nur in einem Wachstumszyklus befindliche Follikel erfasst werden.

IPL war ursprünglich die Therapie der Wahl bei Hypertrichose und Hirsutismus (anlagebedingte, hormonelle oder medikamentös induzierte vermehrte Behaarung), um unerwünschten Haarwuchs nachhaltig zu entfernen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/2015

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