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Transplantationen 31. Jänner 2014

Cross-Over-Transplantation verkürzt Wartezeit

Innovative Strategie im AKH Wien.

Oft bieten sich Familienangehörige oder Freunde als Lebendspender für eine Nierentransplantation an. Voraussetzung ist, dass die Gewebe von Spender und Empfänger immunologisch kompatibel sind. In etwa einem Fünftel der Fälle trifft das nicht zu. Daher warten vor allem hochsensibilisierte Menschen, die sich bereits zuvor eine Transplantation unterzogen haben, schwanger waren oder Blutkonserven erhalten haben, oft viele Jahre auf eine neue Niere.

Jetzt wurde an der MedUni Wien im AKH Wien unter Einsatz innovativer Berechnungsalgorithmen eine so genannte „Über-Kreuz-Transplantation“ (Cross-Over-Transplantation) mit Erfolg durchgeführt. Mit dem Aufbau eines systematischen Cross-Over-Programms kann die Wartezeit deutlich verkürzt werden.

Erfolgreich gekreuzt

Vor wenigen Wochen wurde in Kooperation der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni (Leitung: Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher), einem Team an der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin rund um Prof. Dr. Gottfried Fischer und dem Transplantations-Nephrologen Prof. Dr. Georg Böhmig von der Universitätsklinik für Innere Medizin III eine erfolgreiche Cross-Over-Transplantation auf Grundlage eines neuen Algorithmus im AKH Wien durchgeführt.

Das Problem der Inkompatibilität wird dabei dadurch gelöst, dass Paare (Ehepaare, Brüderpaare, Mutter und Kind, Freunde, etc.) unter Einsatz eines neuen Berechnungsalgorithmus herausgefiltert werden, bei denen die Organspende „über Kreuz“ möglich ist. Das heißt, der jeweilige Spender, dessen Niere nicht für den eigentlichen Empfänger geeignet ist, spendet das Organ dem „fremden“ Empfänger vom anderen Paar und umgekehrt.

Psychologische Begleitung ist erforderlich

Der Computer-Algorithmus, der dabei verwendet wurde, greift auf alle Daten der eingetragenen Paare zu und berechnet ganz exakt, welche Paare auf Grund ihrer immunologischen Struktur für eine Cross-Over-Transplantation in Frage kommen. Entwickelt wurde dieser Algorithmus in Australien, an der MedUni Wien wurde er in einer kürzlich publizierten Pilotstudie evaluiert (siehe Literaturhinweis unten).

Die logistische Herausforderung für diese Transplantation, die engmaschig psychologisch begleitet wird: sie muss zeitgleich stattfinden, die jeweiligen Spender und Empfänger dürfen sich nicht kennenlernen. Das Ganze läuft anonymisiert ab. Im aktuellen Fall war die Niere des Ehemanns für seine Frau, die bereits zweimal transplantiert und Dialyse-Patientin war, nicht kompatibel. Gleiches galt für ein Brüderpaar. „Über Kreuz“ konnten die Nieren aber transplantiert werden.

„Das Ganze hat sensationell funktioniert“, bilanziert Böhmig, „die Patienten konnten nach wenigen Tagen das Spital verlassen.“ Die transplantierten Nieren funktionierten auch, ohne dass sie „desensibilisiert“ werden mussten, das heißt, ohne dass die Antikörper aus dem Blut gewaschen werden mussten, wie es sonst in vielen Fällen üblich ist.

Ziel ist es nun, eine ganze Kette von Crossover-Spendern in Österreich aufzubauen wie es bereits in vielen anderen Ländern weltweit der Fall ist. Die Zentren in Innsbruck, Graz und Linz haben ihre Bereitschaft, mitzumachen, bereits bekundet. Noch in diesem Jahr soll dieses österreichweite Programm anlaufen.

Pilotstudie: Böhmig GA et al.: Transnational validation of the Australian algorithm for virtual crossmatch allocation in kidney paired donation; Human Immunology 2013; 74 (5): 500–506

MedUni Wien/CL, Ärzte Woche 6/2014

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