zur Navigation zum Inhalt
 

Traumatologie im MKG-Bereich: Die Grenzen der bildgebenden Diagnostik

Bei Gesichtsverletzungen mit Fremdkörpereinschluss ist nach wie vor die MKG-chirurgische Erfahrung gefragt.

Wenn MKG-Chirurgen aus ihrem Praxisalltag berichten, kommen mitunter erstaunliche Patientengeschichten ans Licht. Zur klaren Diagnostik stoßen bisweilen selbst hochmoderne radiologische bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) an ihre Grenzen. Im Rahmen des 64. Jahreskongresses der DGMKG vom 11. bis 14. Juni in Mainz stellte ein Fachärzte-Team des Klinikums der Goetheuniversität Frankfurt zwei interessante Patientenschicksale vor.

Gesichtsverletzungen mit Fremdkörpereinschluss treten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie häufig auf und betreffen mitunter auch die Augenhöhle. In dem meisten Fällen sind die Verletzungsmuster klar und der Fremdkörper kann schnell und einfach chirurgisch entfernt werden. Es gibt aber auch außergewöhnliche Fälle, bei denen das nicht so einfach ist.

Bleistift in Augenhöhle: klarer Fall fürs CT

Kinder zählen allgemein zu denjenigen Bevölkerungsgruppen, die ein erhöhtes Risiko für Verletzungen im Gesichtsbereich aufweisen. Nicht nur, dass es beim Spielen mit verschiedenen Gegenständen immer wieder zu Verletzungen mit Fremdkörpereinschluss kommen kann, auch die Angaben, welche die Kinder zum Unfallhergang machen, sind oft ungenau: Bei der Diagnose ist daher besondere Gewissenhaftigkeit gefragt.

Beispiel 1: Ein 5-jähriger Bub wird mit einem sogenannten Monokelhämatom (einem ringförmigen Bluterguss ums Auge) und einer Rissverletzung am rechten Oberlid ins Frankfurter Klinikum eingeliefert, nachdem er sich beim Herumtollen einen Bleistift in die rechte Augengegend gestoßen hatte.

Die Computertomografie bestätigt den Verdacht, dass ein Teil der Bleistiftmine in der Augenhöhle verblieben ist. In Vollnarkose kann der kleine Bub schließlich problemlos vom Fremdkörper erlöst werden - ohne bleibende Schäden davonzutragen.

Ursachenforschung: „unsichtbares“ Holzstück

Aber es sind beileibe nicht nur Kinder, die oft nicht in der Lage sind, Genaueres über die Entstehung der Verletzung zu berichten.

Beispiel 2: Ein 22-jähriger Patient kommt mit geschwollenem und herabhängendem Oberlid ins Frankfurter Klinikum und stellt sich den MKG-Chirurgen vor. Zur Entstehungsgeschichte kann er lediglich angeben, dass er betrunken in einem Waldstück aufgewacht ist.

Die Fachärzte untersuchen den Patienten zunächst mittels Sonographie, dann wird ein CT und ein MRT durchgeführt – ohne Erfolg. Da sich sein Zustand immer weiter verschlechtert, müssen die MKG-Chirurgen handeln und öffnen das betreffende Gewebe operativ. Was jeglicher moderner Bildgebung verborgen blieb, kann schlussendlich auf traditionellem Weg gefunden werden: Die Symptome wurden von einem kleinen Holzteilchen verursacht, das die Operateure sorgfältig entfernten.

Bereits kurze Zeit nach dem Eingriff war der Patient wieder völlig beschwerdefrei.

Gewebeöffnung als wichtige diagnostische Alternative

Das Fazit der Experten am Kongress: Nach Unfällen und Verletzungen mit der Möglichkeit einer Fremdkörpereinsprengung haben selbst heutzutage radiologische bildgebende Verfahren keine hundertprozentige Treffsicherheit.

Die DGMKG sieht daher bei konventionell-diagnostisch unklaren Fällen in der operativen Gewebeeröffnung eine anerkannte diagnostische Alternative, die bei Erfolg gleichzeitig auch entsprechend therapeutische Wirkung hat.

Quelle: Pressemitteilung der DGMKG

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben