zur Navigation zum Inhalt
© dpa
Der ewige Lausbub? Tom Cruise kann die Zeit auch nur bedingt anhalten, wie es scheint.
© dpa

Very Operated Person Nummer eins: Cher gilt gemeinhin als „gut gemacht“.

© picture alliance / Johannes Ehn

Das sind die Kölner Millionäre Arnold und Oskar Wess, besser bekannt als „Botox-Boys“ und Christina „Mausi“ Lugner bei einem Austern- und Champagner-Empfang in Wien.

© G. Gauglitz / LMU

Patientin vor (A) und nach (B) Behandlung mittels fraktioniertem CO2 -Laser.

© Sinclair Pharma

Männliches Gesicht vor (li.) und faltenfreier nach (re.) dem Fadenlifting mit Silhouette Soft.

© Sinclair Pharma

Männliches Gesicht vor (li.) und faltenfreier nach (re.) dem Fadenlifting mit Silhouette Soft.

 
Chirurgie 18. August 2015

Ich – einfach verbesserlich

Expertenbericht: Die Kunst, Botox, Laser und Filler so geschickt zu kombinieren, dass es natürlich wirkt.

Der Wunsch nach jugendlichem Aussehen und einem natürlichen Behandlungsergebnis eint die meisten Patienten. Um den immer größer werdenden ästhetischen Ansprüchen gerecht zu werden, ist es notwendig, ein individuell an die anatomischen Gegebenheiten, die Hautbeschaffenheit und das Alter angepasstes Therapiekonzept zu entwickeln. Dies gelingt meist nur durch die Kombination mehrerer Methoden.

In den vergangenen Jahren hat sich das Verständnis der komplexen Alterungsprozesse des menschlichen Gesichts deutlich vertieft. Während das jugendliche Gesicht durch weiche, runde Züge gekennzeichnet ist und dreidimensional imponiert, kommt es mit zunehmendem Alter aufgrund anatomischen Veränderungen zu einer Zweidimensionalität, die sich v. a. im Mittelgesicht und in der Infraorbitalzone manifestiert.

Die meisten morphologischen und physiologischen Änderungen in der alternden Haut ergeben sich aus einer Kombination von intrinsischen (z. B. genetische Veranlagung) und extrinsischen (z. B. UV-Strahlung, Rauchen) Faktoren. Sie spielen sich auf zellulärer und nicht-zellulärer Ebene ab, erfassen alle Schichten der Haut und sind sowohl mikro- als auch makromorphologisch sichtbar.

Die Epidermis wird dünner und die Dermis unterliegt massiven Veränderungen im elastischen und kollagenen Fasergerüst, während die Subkutis zunehmend an Volumen verliert. Neben knöchernen Strukturen bildet v. a. das zwischen Bindegewebsstrukturen eingebettete subkutane Fettgewebe die Basis für die Konturen des Gesichts. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass das subkutane Fett durch das „superficial musculo-aponeurotic system“ (SMAS) in eine oberflächliche und eine tiefe Fettschicht unterteilt und innerhalb dieser zwei Ebenen durch bindegewebige Septen in weitere Kompartimente separiert wird.

Durch Veränderungen dieser Fettdepots kommt es im Laufe der Jahre vor allem im oberen Gesicht zu einer Atrophie der tiefen Fettkompartimente, während oberhalb der Nasolabialfalten Fettdepots akkumulieren. Diese charakteristischen Zeichen des alternden Gesichts werden durch die begleitende Ptosis, Lockerung des bindegewebigen Halteapparates und Elastizitätsverlust der Haut weiter verstärkt.

Erkenntnisse dieser Art haben das Vorgehen im Bereich der minimal-invasiven ästhetischen Verfahren deutlich beeinflusst. Anstelle von Unterspritzungen einzelner Falten stehen heutzutage der häufig als dreidimensionaler Ansatz bezeichnete Volumenaufbau im Mittelgesicht und ein ganzheitlicher Behandlungsaspekt in Form von Kombinationsbehandlungen im Vordergrund. Damit soll ein möglichst natürliches, den anatomischen Gegebenheiten angepasstes Gesamtergebnis erreicht werden. Je nach Alter, Befund und Patientenwunsch kommen u. a. die folgenden minimal-invasiven Verfahren zum Einsatz.

Botulinumtoxin A (BoNTA)

BoNTA hemmt die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin in den synaptischen Spalt und führt dadurch zu einer Verminderung der Muskelaktivität. Die erste muskelentspannende Wirkung setzt nach 48 Stunden ein, nach ungefähr drei bis fünf Monaten lässt die Wirkung wieder nach.

Der Einsatz von BoNTA zur Behandlung von mimischen Falten (Glabella-/Zornesfalte) wurde erstmals von Carruthers und Carruthers vor mehr als 20 Jahren beschrieben. In Deutschland sind aktuell drei Präparate zur Behandlung der Glabellafalte und zwei zur Behandlung der periorbitalen Falten (Krähenfüße) zugelassen. Inzwischen wird BoNTA allerdings für eine Vielzahl von weiteren mimikbedingten Falten im „Off-label-use“ (horizontale Stirnfalten, Augenbrauenanhebung, „Pflastersteinkinn“, Platysma, periorale Fältchen etc.) verwendet und stellt einen wesentlichen Bestandteil vieler Behandlungskonzepte dar.

Füllsubstanzen (Filler)

Für die Behandlung von tiefen, nicht durch Mimik hervorgerufenen Falten und den Ausgleich von Volumendefekten werden heute überwiegend resorbierbare Füllmaterialien eingesetzt. Die in Deutschland vorrangig verwendeten Filler beinhalten in erster Linie Hyaluronsäure, Poly-L-Milchsäure, Calciumhydroxylapatit und Eigenfett. Sie unterscheiden sich z. T. deutlich in Bezug auf Dauer des Effekts und Abbauverhalten, Injektionstiefe (dermal, subkutan, supraperiostal) und Risikoprofil.

Eine genaue Kenntnis des verwendeten Produkts ist für ein gelungenes, nebenwirkungsarmes Ergebnis zwingende Voraussetzung. Abhängig vom Behandlungsziel kann z. B. unvernetzte (oberflächliche Injektion feinster Knitterfältchen) oder unterschiedlich hoch vernetzte Hyaluronsäure (mitteltiefe bis tiefe Falten, Volumendefekte) eingesetzt werden.

Beliebte Alternativen zur Schläfen- / Jochbein- und Wangenaugmentation stellen autologes Fettgewebe und die Kollagenneubildung induzierenden Substanzen dar.

Während letztere im Vergleich zur Hyaluronsäure häufig länger anhaltende Effekte zeigen, kann die Haltbarkeit von Eigenfett abhängig vom Ort der Injektion und vom Alter des Patienten deutlich variieren. Wichtig: die individuellen Gesichtsproportionen berücksichtigen.

Der Beratung und Berücksichtigung individueller Gesichtsproportionen und -formen kommt beim Ausgleich von Volumendefekten bei der Gesichtsaugmentation eine besondere Bedeutung zu. Die Kenntnis der anatomischen Gegebenheiten ist dabei von großer Bedeutung. So kann zur Wangenaugmentation geeignetes Material unterhalb des Musculus zygomaticus major und minor platziert werden. Die injizierte Menge kann je nach individuellen Gegebenheiten deutlich variieren. Allerdings sind für einen erfolgreichen Volumenaufbau im Mittelgesicht („liquid lifting“) häufig 4 ml und mehr notwendig.

Insgesamt zeichnet sich bei der Volumenaugmentation ein Trend zu „stumpfen“, atraumatischen Kanülen unterschiedlicher Lumina ab. Das Risiko von Gefäß- und Nervenverletzungen wird dadurch erheblich minimiert.

Hautstraffung

Füllmaterialien wie Hyaluronsäure schaffen überzeugende Ergebnisse bei der Behandlung einzelner Falten oder bei Atrophien im Wangen- und Schläfenbereich. Je nach Hautbeschaffenheit und Alter profitiert der Patient häufig zusätzlich von einer Verbesserung der feinen Fältchen im Wangenbereich und perioral sowie von einer allgemeinen Glättung und Straffung der Gesichtshaut. Für diese Indikationen steht heute eine Vielzahl unterschiedlicher Technologien zur Verfügung, die in Kombination mit Botulinumtoxin und Fillern eindrückliche, z. T. durchaus langanhaltende Ergebnisse liefern.

Laserbehandlung

Im Rahmen des Alterungsprozesses entstandene aktinische Veränderungen, erweiterte Äderchen und Pigmentverschiebungen lassen sich mit unterschiedlichen Lasern (Er:YAG-, Farbstoff- und QS-Rubin-Laser u. a.) oder mittels Blitzlampe („Intense Pulsed Light“, IPL) verbessern. Je nach Indikation können mehrere Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen für zufriedenstellende Ergebnisse notwendig sein.

Zur Verbesserung der Hautstruktur und allgemeinen Glättung bzw. Straffung der Gesichtshaut kommen zunehmend fraktionierte Technologien im nicht-ablativen bzw. ablativen Bereich (je nach Wellenlänge) zum Einsatz. Der Laserstrahl wird dabei in viele tausend einzelne Bereiche aufgeteilt, sodass viele sog. mikrothermale Behandlungszonen (MTZ = microthermal treatment zones) entstehen. Umgeben sind diese mikrothermalen Behandlungszonen stets von gesundem Gewebe, was zu einer schnelleren Erholungszeit verglichen mit konventionellen ablativen Laserbehandlungsmaßnahmen führt.

Der Einsatz von fraktionierten CO₂-Lasern gehört im dermatologischen Fachgebiet inzwischen zu den am besten untersuchten Verfahren im Anti-Aging-Bereich und in der Behandlung von atrophen Aknenarben. Die molekularen Vorgänge nach Behandlung sind vielseitig und bewirken eine Veränderung verschiedener Zytokin- und Wachstumsfaktorkonzentrationen, eine Wiederherstellung der ursprünglichen Kollagenarchitektur und eine Zunahme von elastischen Fasern. Die Down-time variiert je nach verwendeter Energie und Dichte und kann zwischen fünf und zehn Tagen betragen. Bei den nicht-ablativen fraktionierten Verfahren bleibt die Epidermis intakt, die Down-time und das Risiko von Nebenwirkungen verringern sich dadurch: Hand in Hand mit häufig reduzierter Effektivität.

Radiofrequenz

Mit Hilfe hochfrequenter monopolarer Radiowellen führt die Radiofrequenz zu einer Erwärmung der Dermis. Dadurch kommt es nach unmittelbarer Kollagenkontraktion und -Denaturierung im Rahmen des Heilungsprozesses zu einer Neuausrichtung der Kollagenbündel und Bildung von neuem Kollagen. Verjüngungseffekte sind aufgrund der Kollagenumbauprozesse erst nach vier bis sechs Monaten zu sehen und betreffen in erster Linie eine Verbesserung milder bis moderater Hautlaxheit.

Medical Needling

Das Medical Needling, auch perkutane Kollageninduktionstherapie oder Mikronadel-Methode genannt, ist eine minimal-invasive medizinische Behandlung zur Verbesserung der Hautstruktur. Beim Verfahren selbst fährt der behandelnde Arzt mit einem nadelbesetzten Roller unter kontrolliertem Druck vertikal, horizontal und diagonal über die Haut des zu behandelnden Areals. Die Nadelstiche erzeugen tausende von Mikrowunden in der Lederhaut und regen so Hautzellen zur Kollagenneubildung an, die dann im Ergebnis eine verbesserte Hautqualität produziert.

Chemisches Peeling

Chemische Peelings verursachen eine kontrollierte Zerstörung der oberen Anteile der Haut mit dem Ziel einer anschließenden Regeneration. Sie werden in oberflächliche, mitteltiefe und tiefe Peels eingeteilt. Für ein optimales Ergebnis werden die Peels durch die Auswahl der entsprechenden Substanz und ihrer Konzentration sowie durch Druck und Frequenz der Applikationen dem zu behandelnden Hautbefund angepasst. Mit standardisierten Peellösungen können die Einwirktiefe präoperativ bestimmt und Nebenwirkungen dadurch minimiert werden. Trichloressigsäure (TCA) ist die am häufigsten verwendete Peelsubstanz mit dem breitesten Indikationsspektrum. Indikationen beinhalten den Einsatz bei Skin Resurfacing, aktinisch geschädigter Haut, Präkanzerosen, Falten und Pigmentläsionen.

Minimal-invasive Lifting

Ein aktuell wieder zunehmend diskutierter minimal-invasiver Ansatz zur Gesichtsverjüngung stellt das Fadenlifting dar. Eine Vielzahl von Produkten ist inzwischen auf dem Markt erhältlich. Je nach verwendetem Material werden die Fäden in lokaler Betäubung meist in der Subcutis der Vektorrichtung der Hautabsenkung entlang mit einer Führungskanüle eingebracht.

Bei entsprechender Lage kommt es zu einem Zug in die gewünschte Richtung und so zu einer leichten Raffung von Unterhautgewebe und Haut. Je nach Material kommt es auch zu einer Stimulation der körpereigenen Kollagenproduktion in den Monaten nach der Behandlung.

Auf Basis der aktuellen Literatur und Kommunikation unter Experten variieren die Ergebnisse z. T. beträchtlich: äußerst zufriedenstellende Ergebnisse und milde Nebenwirkungsprofile auf der einen Seite, eine eher begrenzte Verbesserung und schwere Nebenwirkungen auf der anderen Seite.

In der Bevölkerung besteht ein zunehmender Wunsch nach jugendlichem Aussehen und einem natürlichen Behandlungsergebnis. In der ästhetischen Dermatologie zeichnet sich ein deutlicher Trend zu Kombinationsbehandlungen ab. Ergebnisse lassen sich hierdurch maximieren, erhöhen aber auch die Gefahr von Nebenwirkungen.

Die Therapie sollte individuell an die anatomischen Gegebenheiten, die Hautbeschaffenheit und das Alter angepasst werden.

Und das will die deutsche Normalverbraucherin von ihrem Schönheitschirurgen: Den Wunsch nach einem größeren Busen setzen laut Umfrage 18 Prozent der befragten Frauen um. Der weitaus größte Teil von ihnen (15,4 %) mit einem Implantat. 14 Prozent lassen sich die Augenlider straffen, knapp 13 Prozent ihre Gesichtszüge mit Botox glätten.

Andere Faltenunterspritzungen wählen 11,6 Prozent. Wenn auch insgesamt nur auf Platz 10, so doch zunehmend stärker nachgefragt, sind Intimkorrekturen, vor allem bei Männern (Platz 5). Mehr als drei Viertel der Patienten erhoffen sich durch den Eingriff ein verbessertes Lebensgefühl.

Der Originalartikel „Die Kunst: Jüngeres Aussehen, das natürlich wirkt“ ist erschienen in „MMW – Fortschritte der Medizin“ 2015 / 12, DOI 10:1007/s15006-015-3279-8, © Springer Verlag.

PD Dr. Gerd G. Gauglitz leitet die Abteilung für Ästhetische Dermatologie und Lasermedizin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Gerd Gauglitz, Ärzte Woche 29/34/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben