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Chirurgie 1. Juni 2007

Ertapenem in der Infektionsprophylaxe bei Organempfängern

GRUNDLAGEN: Infektionen sind die häufigsten Komplikationen nach Organtransplantationen. Bakterien gehören zu den häufigsten Erregern, wobei Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika Anlass zu besonderer Sorge gibt. Ertapenem, ein neues Antibiotikum der Carbapenemgruppe mit langer Halbwertszeit, wurde kürzlich in die klinische Praxis eingeführt. METHODIK: Zwischen Jänner 2004 und Dezember 2004 wurden an der Innsbrucker Universitätsklinik insgesamt 50 Leber- und 32 Pankreastransplantationen durchgeführt. Vier Leber- und zwei Pankreasempfänger erhielten eine Prophylaxe oder Therapie mit Ertapenem. ERGEBNISSE: Fünf Männer und eine Frau mit einem mittleren Alter von 45 Jahren wurden mit Ertapenem behandelt. Die Immunsuppression bestand in einer Induktionstherapie mit ATG im Falle der zwei Pankreasempfänger und mit IL-2 Rezeptorantagonisten bei den drei Leberempfängern, gefolgt von Takrolimus, Mycophenolat Mofetil und Steroiden bei fünf Patienten. Ein Leberempfänger erhielt Cyclosporin A, Mycophenolat Mofetil und Steroide ohne Induktionstherapie. Beide Pankreasempfänger wurden wegen Transplantatpankreatitis und intraabdomineller Infektion mit Ertapenem behandelt. Der erste Leberempfänger erhielt Ertapenem prophylaktisch während einer Relaparotomie wegen intraabdomineller Blutung am zehnten postoperativen Tag. Der zweite und dritte Patient erhielten Ertapenem wegen Fieber unbekannter Ursache und der letzte Patient wegen einer Pneumonie mit extended-spectrum-betalactamase (ESBL) produzierenden Klebsiellen. Fünf Infektionsepisoden wurden erfolgreich behandelt; der letzte Patient verstarb an einer Sepsis durch Endokarditis, hervorgerufen durch die vorher isolierte ESBL-produzierende Klebsiella terrigena. Ein anderer Patient verstarb acht Monate später an einer Aspergillose. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Diese erste Serie von Leber- und Pankreasempfängern, welche Ertapenem erhielten, zeigt, dass dieses neue Carbapenem bei Transplantatempfängern einsetzbar ist, insbesondere bei Verdacht auf ESBL-produzierende Stämme oder wenn aerob-anaerobe Mischinfektionen vorliegen. Bei Infektionen mit ESBL produzierenden Keimen scheint eine verlängerte Antibiotikatherapie notwendig.

H. Goegele, N. Berger, R. Kafka, C. Wenisch, D. Tabarelli, W. Tabarelli, J. Aranda-Michel, R. Margreiter, H. Bonatti, European Surgery

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