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© (2) Hans Punz / picture alliance
Blick durch die neuen „Night Vision Goggles“ (NVG) in Krems: Die 24-Stunden-Hilfe des Notarzthubschraubers „Christophorus 2“ der ÖAMTC-Flugrettung nahm mit Jahresbeginn den Testbetrieb auf.

17 841 Einätze flog die ÖAMTC Flugrettung im Vorjahr. Das sind im Schnitt 49 Einsätze pro Tag.

 
Allgemeinmedizin 9. Jänner 2017

Der Nachtfalke

Notarzthubschrauber. Erstmals sollen Rettungsflüge hierzulande auch nach Einbruch der Dunkelheit starten. Die Pilotphase läuft, der ÖAMTC rechnet mit 500 Einsätzen im Jahr, möglich gemacht durch Nachsichtbrillen. Die mitfliegenden Notärzte sind mit einem Monokel ausgestattet.

„Wir haben uns dem Fliegen in der Nacht mit großer Vorsicht genähert und wirklich ein Jahr lang trainiert, trainiert, trainiert.“ Das sagt Reinhard Kraxner, der Leiter der ÖAMTC Flugrettung. Diese beginnt gerade einen auf zwei Jahre bemessenen Testbetrieb für Rettungsflüge bei Dunkelheit. Die Trainingseinheiten wurden am Christophorus 2-Standort in Krems absolviert. Der „C2“ ist als einziger Notarzthubschrauber in Österreich dazu berechtigt. Dieser Rund-um-die-Uhr-Betrieb ist bereits in vielen Ländern Europas, wie etwa der Schweiz und Deutschland „State of the Art“.

Winter-Schlusszeiten

Prinzipiell können und dürfen die ÖAMTC-Notarzthubschrauber auch nachts fliegen. Das passiert gerade im Winter sehr oft, wenn die Crew noch knapp vor Dienstschluss zu einem Einsatz alarmiert wird und erst bei Dunkelheit zum beleuchteten Landeplatz des Stützpunktes zurückkehrt. „Bereits heute enden etwa fünf Prozent der Einsatzflüge der ÖAMTC-Flugrettung während der Nachtstunden“, erklärte Marco Trefanitz, Geschäftsführer der ÖAMTC-Flugrettung.

Um die Sicherheit bei Tagesrandflügen sowie den Nachtflügen in Krems weiter zu erhöhen, kommen „Night Vision Goggles“ (NVG) zum Einsatz. Die auf Restlichtverstärkung basierenden Geräte bieten den Piloten eine bessere Orientierung bei Dunkelheit, insbesondere auch bei schlechten Wetterbedingungen.

Das dargestellte Bild ist schwarz-weiß und ermöglicht etwa das Erkennen von Geländeformen, Hindernissen, Wolkenformationen und Ähnlichem. Die Brille „unterstützt uns bei der Landeplatzauswahl“, erklärte Pilot und Stützpunktleiter Günter Grassinger.

Mediziner helfen bei der Landung

40 derartige Geräte für alle 16 ÖAMTC-Flugrettungs-Stützpunkte in ganz Österreich wurden bereits angeschafft – zum Stückpreis von 12.000 Euro. Neben dem Piloten hat auch der Flugsanitäter das rund 700 Gramm schwere Nachtsichtgerät auf seinem Helm befestigt, es kann jederzeit hoch- oder runtergeklappt werden. Der Notarzt hat eine Einfachbrille, ein Monokular. „Er kann zusätzlich rechts hinten hinausschauen und bei der Auswahl des Landeplatzes unterstützen sowie auf Gefahren aufmerksam machen oder Hinweise geben, dass irgendwo ein Hindernis im Bereich des Landeplatzes ist“, erklärt Grassinger. Fliegen in der Nacht sei „eine große Herausforderung“, aber mit den „Goggles wird das Risiko minimiert und ein normal sicherer Flug ermöglicht“.

Wie riskant Nachtflüge sein können, wurde der Öffentlichkeit erst vor Kurzem durch den Unfalltod von Hannes Arch wieder bewusst.

Der Kunstflieger und Extremsportler hatte am 8. September des Vorjahres bei einem Nachtflug einen Hang, an dem sein Hubschrauber zerschellte, zu spät gesehen. Laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt war Arch ohne Spezialscheinwerfer geflogen.

Verzögerte Nacht-Starts

Binnen 15 Minuten erreichen die ÖAMTC-Hubschrauber beinahe jeden Ort in Österreich. In der Nacht kann es ein bisschen länger dauern. Erklärung: Der Pilot müsse nach der Alarmierung zunächst die digitale Wetterkarte studieren, auf die Informationen über Temperatur, Nebel, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit abgefragt werden können.

„Da wir im Sichtflug unterwegs sind, müssen wir gewährleisten, dass wir sowohl den Einsatzort als auch das Zielspital sicher erreichen können. Wichtig ist auch das Wetter am Stützpunkt, beziehungsweise die Vorhersage, denn schließlich müssen wir nach Ablieferung des Patienten im Spital wieder zurück nach Krems fliegen“, sagte Reinhard Kraxner, Pilot und operativer Geschäftsführer der ÖAMTC-Flugrettung vor Kurzem dem Luftfahrtmagazin Austrian Wings.

Das Land Niederösterreich stellt für den „24/7 Betrieb“ jährlich einen Betrag in der Höhe von 780.000 Euro bereit. Der ÖAMTC rechnet mit rund 500 nächtlichen Einsätzen pro Jahr, sagt Trefanitz ( bit.ly/2ieAGEt ).

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 1/2/2017

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