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Dr. Walter Fiala,Kongressleiter

 
Allgemeinmedizin 7. September 2016

„Zu helfen ist Zufriedenheit“

Kongress. Am 24. September startet in Graz der jährliche Kongress für Allgemeinmedizin. Er ist mittlerweile der 47. seiner Art und hat sich zu einem Fixstern am Firmament der Kongresse für heimische Praktiker entwickelt. Wir befragten Kongressleiter Dr. Walter Fiala, wie das diesjährige Motto „Vom Geben und Nehmen“ zu verstehen ist.

„Vom Geben und Nehmen“ ist ein ungewöhnlicher Leitspruch für eine Tagung. Was erwartet uns?

Fiala: Wir haben heuer einen eher abstrakten oder philosophischen Titel gewählt, da wir meinen, dass etwas mehr Philosophie in unserer technisierten Medizin positive Denkanstöße geben könnte. Das gesamte Universum ist ein Entstehen und Vergehen – ein Geben und Nehmen.

Wo und wann kann man als Ärztin oder Arzt am meisten geben? Und ist der Patient nur der Empfänger oder kann auch er etwas geben?

Fiala: Das Wichtigste, das wir geben können ist Zuwendung. Im Hintergrund steht immer das fundierte medizinische Wissen. Zu helfen ist Zufriedenheit, die wir immer selbst erhalten. Noch schöner ist das selbstverständlich, wenn sich die Patienten dieser Hilfe bewusst sind.

Viele sagen, unsere Gesellschaft sei trotz des Wohlstandes so egoistisch wie selten zuvor, wolle nichts mehr teilen und fordere umso mehr ein. Teilen Sie diese Meinung?

Fiala: Je anonymer die Gesellschaft wird, desto egoistischer wird sie. Forderungen werden immer häufiger an Ambulanzen, Spitäler und in Zukunft auch an die völlig unnötigen ‚Gesundheitszentren‘ gestellt, da in diesen Institutionen der persönliche Kontakt umständehalber wesentlich geringer ist, als es in der Allgemeinpraxis der Fall ist.

Und doch beklagen gerade Ärzte, dass man mit immer fordernden Patienten zu tun habe, was oft zu schwierigen Situationen führt.

Fiala: Die Forderungen entstehen, weil in unserer Medizin nicht immer ökonomisch vorgegangen wird. Es ist heute die Regel, die Magnetresonanz- beziehungsweise die Computertomografie sehr rasch zu Rate zu ziehen, ohne zuvor ordentlich zu untersuchen. Die Patienten sind durch das Vorgehen in Ambulanzen und Erstversorgungszentren gewohnt, dass immer gleich alles gemacht wird. Des Weiteren fordert eine überbordende Bürokratie immer mehr Schriftstücke, die der Patient irgendwo vorbringen muss. So wird wertvolle Zeit für Diagnostik und Therapie verschwendet.

Wenn Ärzte zu viel geben müssen, besteht Gefahr, dass sie irgendwann leer sind. Was sagen Sie zum Burnout in medizinischen Berufen?

Fiala: Das ist eine wohlbekannte Erkrankung von Ärztinnen und Ärzten, die ständig zunimmt. Daran ist aus meiner Sicht die Gesundheitspolitik schuld, welche die Allgemeinpraxis ausdünnt und ruiniert und daneben auch noch Ambulanzen und Kliniken ins Chaos treibt.

Sie persönlich organisieren diesen Kongress nun schon seit vielen Jahren. Was geben Sie dabei von sich, was ernten Sie im Gegenzug?

Fiala: Mir macht das Planen dieses Kongresses in der großen Gemeinschaft des Vorstandes der STAFAM noch immer Freude und stellt eine positive Herausforderung dar. Ich ernte am Kongress und nachher viele positive Meldungen und auch Dank von Ärztinnen, Ärzten und der Industrie.

Worin besteht Ihrer Meinung nach der Erfolg dieses Kongresses?

Fiala: Hierfür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Erstens zieht sich ein roter Faden, eben das Generalthema, durch den gesamten Kongress. Zweitens werden die einzelnen Themen ebenso wie die Vortragenden von Praktikern in Hinblick auf ihre Aussagekraft für die Allgemeinmedizin ausgesucht. Drittens wird der Leitgedanke nebst anderen wichtigen Themen mithilfe zahlreicher Seminare intensiv aufbereitet. Gerade die für Praxis-Mitarbeiter und –Mitarbeiterinnen bietet der Austausch in Kleingruppen nicht nur Weiterbildung, sondern auch Gedankenaustausch. Letztens trägt auch mein Privathobby zum Erfolg bei: Ich sehe mir im Vorfeld alle Vorträge an und ersuche um Vermeidung von englischen oder gemischtsprachigen Projektionen oder von Abkürzungen, von denen täglich neue erfunden werden.

Beim Geben und Nehmen in der Medizin steht ja auch immer im Raum, was die Ärzte von der Pharmaindustrie erhalten. Die führte nun zum Teil strenge Eigenbeschränkungen ein. Sie waren bei den letzten Kongressen darüber nicht immer glücklich?

Fiala: Wir erhalten von der Pharmazeutischen Industrie die Möglichkeit, diesen Kongress in dieser Größe durchzuführen, indem sie ihre Produkte in der flankierenden großen Ausstellung präsentieren und erklären. Kleine Verköstigungen an den Ausstellungsständen machen es möglich, dass die Kongressbesucher nicht auswärts essen müssen. Daher finden an den Ausstellungsständen Kommunikation und Information statt, die sowohl die Kongressbesucher als auch die Industriemitarbeiter sehr zu schätzen wissen. Vor einigen Jahren noch waren die finanziellen Zuwendungen der Industrie wesentlich größer, was jedoch vorwiegend Fachkongresse und nicht die Allgemeinmedizin betraf. Seit geraumer Zeit überwacht die Pharmig im Rahmen einer Selbstkontrolle streng alle Zuwendungen der Pharmaindustrie. Unverständlich ist jedoch deren Forderung, dass bei allen gesellschaftlichen Veranstaltungen, egal wer sie bezahlt, keine kulturellen Programme stattfinden dürfen: Ich zitiere den Originaltext: ‚Als unzulässiges Freizeit- oder Unterhaltungsprogramm ist jede Art von Programm anzusehen, das nicht der wissenschaftlichen Information und/oder der fachlichen Fortbildung dient und den Eindruck eines privaten und erlebnisorientierten Charakters der Veranstaltung erweckt, etwa musikalische Darbietungen, kulturelle Ausflüge, sportliche Ereignisse oder Ähnliches. Dies gilt unabhängig davon, ob das Freizeit- und/oder Unterhaltungsprogramm im Rahmen des wissenschaftlichen Programmes stattfindet bzw. vor oder nach dem wissenschaftlichen Programm.‘ Dies bedeutet, dass in einem Kulturland wie Österreich, der Veranstalter die Teilnehmer wohl mit bis zu 75 Euro pro Person verköstigen darf, eine musikalische Einlage, Lesung oder Kabarett allerdings strengstens untersagt sind.

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